Fotografieren versus Knipsen


 
Wir haben uns eine neue Kamera gekauft. Es war an der Zeit. Die „Alte“ war wohl mindestens 15 Jahre im Dienst und funktionierte an sich ja tadellos, nur wenn ich dann mal ein neueres Modell in Händen hielt, war doch deutlich erkennbar, dass da leistungsmäßig Einiges weitergegangen war.

Ich habe vor Jahren mal einen ein-Abend-Fotografier-Kurs besucht, in dem ich im wesentlichen gelernt habe, was es mit ISO, Blende und Belichtungszeit auf sich hat und welche Rolle das Licht spielt. Irgendwann sagte der Fotograf, der den Kurs hielt, dass man jetzt mal rausgehen solle, mit diesem Wissen, und einfach mal 10.000 Fotos machen. Dann, so er, hätte man begriffen, wie es funktioniert das Fotografieren.
Und so war ich die letzten Jahre unterwegs mit meiner "Alten". Auf der Jagd nach meiner Zehntausend. Fern jedes AutomaticProgramms. Eh klar.

Denn
natürlich hatte der Kursleiter reichlich lamentiert über jene Leute, die sich eine 800 Euro Spiegelreflex-Digitalkamera kaufen um dann immerzu im Automaticmodus fotografieren. Snob where a snob can be.
 
12tel Blick Juni 2019 ein Handyunmögliches Bild

Mittlerweile gebe ich dem Herrn allerdings recht.  Mit der Automatic fotografiere ich nicht einmal im Notfall. Da nehme ich dann nämlich das Handy! ;-)

Wobei wir schon mittendrin sind. Im Thema. Mit dem Handy zu fotografieren, ist auch für mich ein völlig legitimer Weg. Man kann mit dem Handy gute Bilder machen. Nur, so erlebe ich es, macht das Handy die Bilder, nicht die Fotografin. Wie meine ich das?

Nun, nachdem ich eine Weile nicht-Automatic fotografiert hatte, bemerkte ich, dass die Bilder, die ich schoss vorher schon in meinem Kopf waren. Ich hatte eine Vorstellung und versuchte sie dann zu realisieren. Manchmal geht das auch gar nicht. Das Licht spielt nicht mit, oder der Ausschnitt ist ohne Tele oder irgendeiner anderen speziellen Linse so nicht ablichtbar. All das habe ich über die Zeit gelernt. Was geht, was geht nicht und natürlich wie stelle ich die Kamera ein um zu meinem gewünschten Ergebnis zu gelangen. Das ist fotografieren für mich. Mittlerweile.

Dieses Bild wäre nie mit der Kamera entstanden, weil ich sie schlicht nicht dabei hatte ...
 
Beim Handy ist das anders. Das Handy macht das Foto, das das Programm vorsieht. Nix mit Bild im Kopf. Das Handy bearbeitet sofort. Ihr seht auf eurem Bildschirm nicht, wie die Welt gerade aussieht, ihr seht, was nach einer Aufhellung, Kontrastverstärkung, Entzerrung etc. rauskommt. Früher hat man das in der Dunkelkammer gemacht. Das Handy hat seine Dunkelkammer immer dabei und spukt dir am Ende das Bild aus, das der Handyhersteller mit seinen Programmentwicklern, als jenes festgelegt hat, das den meisten Menschen gefallen wird,
Was ja auch gut so ist. Den meisten Menschen gefallen, heißt ja, dass die Bilder, die man mit dem Handy macht, einem am Ende auch gefallen werden. Logo.
Das nenn ich Knipsen. Ich halte mein Handy hin und das Handy samt Programm macht das Happy Foto. Klick! Ganz einfach.

Fotografieren und Knipsen sind für mich gleichwertig. Ich will nicht sagen, dass man mit einer Kamera fotografieren MUSS. Denn einen immer größer werdenden Teil der Bilder schaffen auch Handies in sehr guter Qualität.
Was ich für mich erkennen konnte, und der 12tel Blick spielt dabei eine entscheidende Rolle, ist, dass es aber Bilder gibt, die das Handy nicht machen kann, die so nur eine Kamera hinbekommt.

Noch dazu kann man ja mit einem Haufen Apps und speziellen Einstellungen mit einem Handy fast schon fotografieren. Aber dafür muss man sich dann eben mit diesen Apps und den Bedingungen rund ums Foto schon wieder so viel auseinandersetzen, dass man eigentlich ja gleich mit der Kamera arbeiten kann.

Nochmal der 2019er 12tel Blick. Eines meiner Lieblingsbilder.

Naja, auf jeden Fall habe ich das in den letzten Jahren erkannt. Fotografieren und Knipsen. Beides hat seinen Platz in meinem Leben. Es gibt Situationen, da kann ich die Kamera nicht schnell genug zücken, da schlägt das Handy zu. Und dann gibt es Bilder, die will ich so haben, wie ich sie nun mal haben will und wo mir dann eben die Handyprogrammierung dazwischenfunkt.

Es ist vielleicht ein wenig wie beim Kochen. Manche machen Packerlsuppe und sind happy, andere kaufen Suppengrün und machen sich die Suppe selber. Und dann gibt es die, die machen mal so, mal so.
So ungefähr.
 
Und ihr? Eher Knipsen, eher Fotografieren oder doch gemischt?

 

Kommentare

  1. Schöner Artikel :) Bei mir? Leider viel zu oft knipsen, weil es schnell gehen muß (kleine Kinder, die ständig die Situation sprengen ;) ) und ich noch immer zu wenig Ahnung habe, aber mir sehr viel Mühe gebe bei der Motivsuche und dem -arrngement, also Blick ist schon da, wage ich zu behaupten, nur technisch fehlt es sehr (auch die Kamera macht mittlerweile nciht mehr gut mit). Ich will unbedingt mal einen Kurs mitmachen, denn alles lesen und selbst studieren hilft mir nur bedingt. Knipsen allerdings immer mit Kamera (aber eben im Automatikmodus mit dem Wissen, dass das Mist ist), denn mein Telefon ist eben einfach nur ein Telefon und kann gar nicht fotografieren und knipsen auch nicht. Ja, aber es muß jetzt endlich mal sein, mehr lernenlernenlernen.

    Lieber Gruß und wie ist denn die neue Kamera? Kann mich ja auch einfach nie entscheiden..
    Lieber Gruß
    dörte

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    1. Kinder kann nur schlafend fotografieren .. meiner Erfahrung nach. Gib nicht auf mit dem Fotografieren. Irgendwann machst du es. Und dann übst du. Und dann wirst du die Freude haben ab und dann ein Bild aus deinem Kopf tatsächlich vor dir zu haben ...

      Die Neue bei mir ist eine Nikon. Wir hatten eine und können unsere Objektive weiternutzen (sowas ist ja teuer). Und im Moment bin ich noch am Beschnuppern, aber der Unterschied zur "Alten" ist schon riesig! Ich habe Spaß!

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  2. Die Spiegelreflex ist mir schlichtweg zu schwer, da ich meist mit dem Hund unterwegs bin. 30 kg mit Jagdambition... Also handliche Kompaktamera, aber auch nie im Automatikmodus. Vor ein paar Jahren habe ich meine alte Kamera meinem Mann überlassen, um ein neueres Kamera-Modell derselben Serie zu kaufen. Aber wir beiden werden nicht warm miteinander, da sie ganz anders arbeitet als das ältere Modell.
    Aber egal, momentan muss der neue Welpe erst mal so ein guter Fotografierhund werden, wie der alte. Wenn ich die Kamera zücke, sollte der Vierbeiner sich nicht rühren, sonst werde ich grantig ;-) Und wenn das klappt, schaue ich mich nach einer Kamera um, die wieder zu mir passt. (Ist wie mit Schuhen. Oder hinkt der Vergleich?)
    Liebe Grüße
    Andrea

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