Mein Corona - Wenn die Wertigkeiten sich verändern

 

Zur Zeit gehen viele von uns - wie man so sagt - am Zahnfleisch. Vieles fällt etwas schwerer, vieles geht doch deutlich mühsamer von der Hand als gewöhnlich. Die „Freiheit“ unser Leben so zu leben wie wir es gewohnt sind, wie wir es für richtig halten, wurde uns von einem unsichtbaren, winzigen Biest genommen. Das ist schwer rational zu verarbeiten. Das haben wir nicht gelernt. Wir wurden bisher noch nie auf solch eine Probe gestellt.
Bingo. Jetzt ist es soweit.

Und deswegen teile ich heute eine Erkenntnis mit euch, die ich in den dunklen Phasen meines Lebens gelernt habe und die der einen oder anderen vielleicht ein wenig mehr Luft verschaffen mag.


Der Alltag ist voller kleiner Dinge, die für gewöhnlich nicht einmal Anerkennung erhalten. Das reicht vom Geschirrspüler ausräumen, über das Einscannen von Hausübungen mit einem alten, etwas eigenwilligem Drucker bis hin zum nicht so viel Rausgehen können, wie man es sonst so macht. All diese Dinge gelten in einem normalen Alltag als Selbstverständlichkeiten. Sie haben zu funktionieren. Sie sind da. Wertschätzung? Eher gering.

Und jetzt? Auf einmal hat sich die Wertigkeit mancher Dinge verändert.
Zum einen kann einem das Geschirrspüler Dauer-ein- und ausräumen schon gewaltig an die Substanz gehen. Plötzlich. Man will nicht mehr.  Oder man spürt nur, dass es nervt. Irgendwie.
Auf der anderen Seite geht einem der Spaziergang mit der Freundin ab. Das Kaffeehausquatscherl. Man hat es nur lange nicht gemerkt. Es liegt einem nur im Magen, oder es spannt im Nacken. Jeden zwickt’s woanders.

Was ich sagen will:  Die Kleinigkeiten im Alltag verändern ihre Wertigkeit, wenn Wolken am Himmel der Seele auftauchen.
Dinge, die früher leicht waren, sind plötzlich schwerer und kosten Kraft. Kraft, die man aber bräuchte um das nächste elendslangweilige FirmenZoomMeeting durchzustehen. Kraft, die man bräuchte um den Kids zum xten mal zu erläutern, wie man mit Kommastellen dividiert. Kraft die man bräuchte um den verdammten Geschirrspüler zum abertausendsten mal auszuräumen.

Es kosten plötzlich Dinge Kraft, die vorher nicht einmal der Rede wert waren!

Seid euch dessen bewußt.
Erkennt das. Denn Erkenntnis ist stets der erste Schritt um eine Situation zumindest ansatzweise wieder in den Griff zu bekommen. Gebt euch die Freiheit genervt und ein wenig angeditscht (zerquetscht) zu sein.

Annehmen ist das Zauberwort!

Welche Dinge fehlen euch?
Was geht euch auf den Geist?



Mir fehlen meine Freundinnen. Die leben einfach alle zu weit weg.
Was mir auf den Geist geht?
Die Küche. Die Wäsche. Der Fussboden. Never ending Story.

Kommentare

  1. Aber du hast doch so hübsches Geschirr in deinem Ständer!!!! Solche Sachen anschauen, das bringt es bei mir. SCHÖNHEIT heißt bei mir die Therapie! Und davon gibt es um mich herum so viel!( Hier ein Post dazu: https://lemondedekitchi.blogspot.com/2020/10/staying-home.html ). Ich bin immer begeistert von mir wenn ich besonders schnell & geschickt die Spülmaschine ausgeräumt bekomme, das Laub im Garten in die Riesentasche appliziert und solche Sachen. Daran zieh ich mich hoch. Doch ich bin ehrlich: Ich vermisse meine Enkelkinder. Jeden Abend vor dem Einschlafen....
    Wir müssen da wohl durch!
    Alles Liebe!
    Astrid

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    1. Ach Astrid, das ist nicht mein Geschirr. Das ist ein online-verfügbar-Foto. Aber ich bin da ganz bei dir, die schönen Dinge, die optisch schönen Dinge, das schöne zu Hause, das ist viel wert. Das hilft auch so richtig.
      Mir geht's diesbezüglich eh ganz gut!

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  2. Apropos (hab jetzt nachgeschaut, wie man das überhaupt schreibt, sag ich sonst nur) Never ending story: meine beiden Buben, 8 und 10 werden jetzt mal ab und zu zum Geschirr abtrocknen eingeteilt. Kommentar des Jüngeren am 2. Tag: "Waaaaas, Mama, das (Reinderl) hab ich ja schon gestern abgetrocknet???"
    Hah - vielleicht lernens ja doch a bisserl was dabei :-)
    Hab einen feinen Tag!
    Manuela

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  3. Was mir auf den Geist geht: dass ständig die Bestimmungen ändern (z.B. bei der Maskenpflicht); dass man als Mutter alles auffangen muss; das nasskalte Wetter; dass man sich gar nicht mehr recht auf etwas freuen kann, weil es ja wahrscheinlich eh nicht stattfinden wird (z.B. mein Näh-Camp oder die Streicherensemble-Aufführung der Tochter) und natürlich der ewige Haushalt (aber das hat sich mit Corona nicht geändert)

    Was mir hilft: Nähen und Stricken, gute Gespräche, einen möglichst täglichen Waldspaziergang (habe ich mir für diesen Herbst/Winter fest vorgenommen)

    Liebe Grüsse, Isabelle

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  4. Stimmt, die Wertigkeiten verschieben sich oder werden noch deutlicher. Mir fällt allmählich auf, dass mir (obwohl ich zur Risikogruppe gehöre) weniger das Virus Angst macht, als der tiefe Riss, der sich in der Gesellschaft auftut. Da sind soviel Hass, Aggression, Lügen, Hirngespinste im Umlauf, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass sich diese Kluft so schnell wieder schließen wird. Dagegen hilft auch keine Impfung.

    Wie sagte heute jemand im Radio "Weniger Gejammer - mehr Solidarität". Ja, das wünschte ich mir...

    Liebe Grüße
    Andrea

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  5. Was mir auf den Geist geht? Das Gejammer und die mysthischen Quacksalber allerorten, das Dummgeschwätz, dieses sich-selbst-Erhöhen und schon immer die dunkle Jahreszeit.Ich bin ein Austauschmensch, ich brauche das Gespräch, Menschen...das alles fehlt, und meine Enkel, sehr!Dazu Ängste vor jedem der vielen Arztbesuche.
    Kraft schöpfe ich aus dem Schreiben, aus dem Lesen, Stricken geht nicht, früher sehr gern, aus dem "in der Natur sein", ein Büchlein fertig bekommen zu haben und eine sehr umfangreiche Schreibaufgabe vor mir zu wissen, auch wenn sie mir etwas zu groß erscheint, aber daran wächst man ja. Und last but not least: Wenn ich meine Bettwäsche wieder gebügelt im Schrank weiß, banal, ja, aber durchaus befriedigend. Herzlich, Sunni

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  6. J, ich vermisse das Spontaneität, das Treffen, das Drücken und Umarmwn.Das fehlt. Ich kann die Jamerer nimmer hören, die sich in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen. Dieses, aber die anderen und warum ich Ich erfreue mich an Kleinugkeiten, an Freundlichkeiten, an meinem Zuhausew, an den Kindern Plane Adventskalrnder und versuche nicht den Mut zu verlieren

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