Die Wahl in den USA - Wer wird gewinnen?


Dieser Post ist lang. Es steckt viel drin. Holt euch euren Kaffee und eine Decke für die Füße.

Ihr wurdet gewarnt! :-)

Ja, genau. Das ist die Frage, die sich alle stellen. Eh klar, ist es doch die Frage um die es geht. Ich gebe euch heute Information dazu, wie die Wahl ausgehen könnte. Warum und auch warum nicht? Was sagen die Prognosen? Wieviel sind diese Prognosen wert? Die Erfahrung aus 2016 verunsichert heute noch viele. Schließlich haben damals ja auch alle gesagt; Hillary wird klar gewinnen! Und so sind wir wohl alle gebranntmarkt ob dieser Fehlprognose.
Ist 2020 wie 2016? Es fühlt sich nicht so an.
Ach, was bedeutet das alles?

Mehr oder weniger diese Fragen werden mir gerne mal gestellt.

Also:
Wer gewinnt die Wahl?

1.) Prognosen und mamimade

Vorab merke ich kurz an, dass ich persönlich kein Fan von Prognosen bin. Ich halte es für absurd, dass man ein Wahlergebnis tatsächlich vorher schon wissen will. Das nimmt der Sache doch den Reiz. Den Spaß.
Wären wir alle ein wenig mehr in Geduld geübt, dann wäre es wohl völlig normal das Wahlergebnis einfach NACH DER WAHLAUSZÄHLUNG zu erfahren. Nennt mich altmodisch oder so. Ich behaupte wir alle verpassen so die Chance Demokratie als Erlebnis deutlich intensiver empfinden zu können.
Soweit mein Standpunkt.
Das mag euch womöglich verstehen helfen, warum mein Zugang zu den Prognosen in den USA eben ist, wie er ist. Ich finde diese ganze Hochrechnerei amüsant. Punkt.

2.) Prognosen in den USA

Wer schon mal ein American Football Match gesehen hat, der weiß es. Die Amerikaner lieben Tabellen und Diagramme. Statistiken jedweder Art sind ein cooles Ding auf der anderen Seite des Ozeans. Fix. Zahlenspielereien, die gibt man sich dort auf vielen Ebenen. Die brauchen das, wie die Butter-Karamel-Popcorn zum Blockbuster!
Und das gilt natürlich auch für die Politik. Das ist dann wohl die Meisterklasse. Die Prognosen zu den Wahlen werden vieldiskutiert, vielpräsentiert und auch richtig häufig gemacht. Kein Tag ohne irgendeine neue Teilprognose. Irre. Ehrlich.

Und dann kam 2016. Und Hillary verlor!

Dieser Stachel sitzt tief im Fleisch (nicht nur der Amerikaner) und er schmerzt noch heute gewaltig. Denn obwohl die Vorhersagen sehr wohl meinten, dass es sich mit ein bißchen Glück hier und mit etwas Huch da für Trump hauchzart ausgehen könnte, so war diese Wahrscheinlichkeit in den Prognosen doch so gering, als dass sie in den Nachrichtensendungen den Wiederhall gefunden hätte, der wohl angebracht gewesen wäre.
Und wenn man es genau nimmt, hat Hillary ja gewonnen. Sie hatte fast 3 Millionen Stimmen mehr auf ihrer Seite.

Aber genau darin liegt ja einer der Haken mit den Prognosen.

3.) National gegen Bundesstaaten

Wählt eine Stadt in den USA ihren Bürgermeister oder den Sheriff oder einen Richter (die werden drüben alle gewählt), dann wählen die Amerikaner alle diese Leute direkt. Soll heißen, wer mehr Stimmen hat, hat gewonnen. Ganz einfach.


Nur der Präsident, der wird indirekt gewählt.


Jeder Bundesstaat stellt bei dieser Wahl eine fixe Anzahl an Wahlmännern. Die Leute im Bundesstaat gehen wählen, ihre Stimmen werden gezählt und wer dann von den Kandidaten die eine Stimme mehr hat, als der Gegner, der erhält dann alle Wahlmännerstimmen. Der Verlierer geht leer aus.

An sich schon ein schiefes System, ganz klar. Dazu kommt, dass das Verhältnis Einwohner/Wahlmännerstimmen über die Bundesstaaten hinweg nicht einheitlich ist.

So wählen in Kalifornien 677.345 Wähler einen Wahlmann und in Wyoming 187.875.

Das ist natürlich kein demokratisches Konzept und da in den westlichen und östlichen Küstenbundesstaaten deutlich mehr Menschen leben als mittendrin in der großen Fläche der Vereinigten Staaten, deren Stimmen aber bei der Präsidentschaftswahl nicht gleichwertig sind … macht das eine nationale Umfrage noch weniger sinnvoll, weil … na man müsste die Befragten ja nach Bundesstaat gewichten und selbst wenn man sich diesen mathematischen Spaß unbedingt antun will, wäre es sinnfrei, weil … ja genau, weil ja, wie gesagt, das Popular Vote Nüsse zählt.

Es ist somit völlig egal, dass Joe Biden im Moment mit über 12% in nationalen Umfragen führt. Das bedeutet zwar, dass er wohl das Popular Vote für sich entscheiden wird, aber das bedeutet eben nicht, dass er Präsident wird. Das Popular Vote ist wurscht. Einfach nicht relevant für die Präsidentschaftswahl. Punkt.
Aber die Umfragen werden trotzdem gerne gemacht und es wird auch gerne darüber geredet .. seufz.


4.) Wer wählt oder warum lagen sie 2016 daneben?

Will ich eine Prognose zum Wahlergebnis erstellen, benötig ich eine repräsentative Gruppe, die die Wähler wiederspiegelt. Und zwar nicht alle Wahlberechtigten oder die Bevölkerung, nein, nur die, die eben auch wählen gehen. Die tatsächlichen Wähler.
Die Wahlbeteiligung in den Staaten liegt so bei 55-60%. Du musst also wissen welche 60% wählen gehen. Die Bevölkerung in den Vereinigten Staaten ist deutlich diverser aufgestellt, als wir das hier sind. Und die einzelnen Gruppen unterscheiden sich teilweise signifkant in ihrem Wahlverhalten. Es gibt neben den Weißen, die Afroamerikaner, die Latinos, dann noch die Asiaten und die Ureinwohner.
Ergo: Willst du also das Ergebnis korrekt vorhersagen, musst du wissen wieviele Menschen aus jeder Gruppe zur Wahl gehen werden.

Dann musst du natürlich auch noch wissen, gehen Männer, gehen Frauen, gehen die Jungen, gehen die Alten zur Wahl. Die Städter, die Leute vom Land. Die Reichen, die Armen, die Leute in den Vorstädten .. es ist eine endlose Liste. Denn sie unterscheiden sich voneinander. Seufz.

2016 haben die Statistiker den Fehler begangen, dass sie die Arbeiter aus dem Rust-Belt nicht ausreichend als potentiell wahlentscheidende Truppe erkannt haben. Sie haben sie in ihren Berechnungen unterrepräsentiert.
Und dann …
Ja genau.

nächster Punkt

5.) Die Swingstates

Da das Popular Vote irrelevant ist fürs Endergebnis und manche Regionen politisch fix einer Seite zugeordnet werden (können), kommt es am Ende bei den Präsidentschaftswahlen auf jene Bundesstaaten an, die mal so mal so wählen.
Die Swingstates.
Seit ich denken kann fällt Kalifornien bei Präsidentschaftswahlen den Demokraten zu und Texas den Republikanern. Man könnte es auch böse ausdrücken: Die Menschen dort könnten sich das Wählen auch sparen und ihre Wahlmännerstimmen einfach fix einer Seite zuordnen.

Die „Swingstates“, als jene Bundesstaaten, die mal blau, mal rot gewählt haben, die müssen die Kandidaten jedesmal neu für sich gewinnen. Dort macht Wahlkampf Sinn. Da zählt jede Stimme. (Michigan ging 2016 mit 10.770 Stimmen Vorsprung an Trump. Das ist nicht viel.)
In diesen Bundesstaaten ist nicht egal, ob jemand zur Wahl geht oder nicht.

„Traditionell“ gibt es 6 Swingstates. Dieses mal scheinen es mehrere zu sein. 12 werden zur Zeit gezählt. Diese Bundesstaaten werden die Wahl entscheiden. Die anderen sind quasi Basismaterial.

Also was heißt das jetzt?

Nun, die Prognosensteller haben gelernt. Die Arbeiter werden jetzt mit eingerechnet. Es gibt Prognosen für jeden einzelnen Swingstate. Und die zeigen einen Vorsprung meist für Biden. Dieser Vorsprung ist  allerdings häufig noch im Rahmen der statistischen Ungenauigkeit. Sprich: Da ist nix wirklich fix.


Was ihnen diesmal womöglich (ich sage womöglich) die Vorhersagen versauen könnte, ist dass diesmal - so kündigt es sich an - sehr viel mehr Menschen zur Wahl gehen. Mehr als die zuletzt 60%.
Was wiederum bedeutet, dass sich die Zusammensetzung der Wählerschaft verändert, was wiederum die Vorhersage vernebelt.

Also:
Ja ich weiß… nervig.
Fix kann man also eigentlich nur Folgendes sagen:
1.) Das Popular Vote geht an Joe Biden. Das ist sicher.
und
2.) „Hoch g’winntas nimma, da Trump!“
Das Electoral College könnte er gerade so irgendwie noch gewinnen, aber wenn, dann knapp.
 

Diese beiden Aussagen stehen auf ziemlich sicheren Beinen.

Nach Adam Riese und wenn die Amerikaner irgendein Gefühl von Anstand und Verantwortung haben (wovon ich immer noch ausgehe) dann kann der Donald schon den UmzugsLKW buchen. Auch das geben die Zahlen her.

Aber gesichert wissen wir das alles eben erst NACH DER WAHL.

Sorry :-)


 

 

PS.: Und was die Republikaner und Trump noch gewillt sind für juristische Stückeln zu spielen .. das kommt in keiner Prognose vor. 

 

PPS.: Ein extra langer Post, der an sich ein Video füllen würde. Aber ich hab's extra mal für euch geschrieben, damit ihr seht ... Ich werde es mal so mal so halten ... Swingstatemäßig ;-)

Kommentare

  1. Ich würde da auch keine Prognose wagen. Und - wie du auch schon schreibst, sollte Trump die Wahl verlieren, wird er - wie er selbst schon angedeutet hat - nicht so ohne weiteres die Wahl anerkennen und den Stuhl räumen. Er hat sich ja schon alle möglichen Hintertürchen aufgehalten.
    Der Kittel ist noch lang net g'flickt, wie man hier sagt...
    Liebe Grüße
    Andrea

    AntwortenLöschen
  2. Also, jedes mal wieder pack ich dieses System nicht. So gar nicht.

    AntwortenLöschen
  3. Es gibt so viele Fallstricke bei dieser Wahl, so viel was noch passieren kann. Der Ausgang steht erst nach der Wahl fest, genau wie Du schreibst.
    Danke für die Mühen, gab durchaus noch was zu lernen :)
    Liebe Grüße
    Nina

    AntwortenLöschen

Ich freu mich immer narrisch, wenn ihr euch Zeit für einen Kommentar nehmt!

Wenn ihr auf meinem Blog kommentiert, werden die von euch eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung ( Klick auf den entsprechenden Button ganz obern oder ganz unten auf meinem Blog ) und in der Datenschutzerklärung von Google.https://policies.google.com/privacy?hl=de

Du kannst deinen eigenen Kommentar jederzeit selber löschen oder durch mich entfernen lassen.

Kommentare, die Direktlinks zu unbekannten bzw. unersichtlichen Seiten ( ohne erkennbare URL-Adresse ) beinhalten, werden aus Sicherheitsgründen direkt gelöscht.