Eine Sockenzusammenlege - Erkenntnis


Neulich, ich sitze am Sofa und lege Socken zusammen, da startet in meiner Aufräumen-fällt-mit-guter-Musik-leichter - Playlist George Michaels Version von Elton Johns "Don't let the sun go down on me" und plötzlich erinnere ich mich an damals.
Ich erinnere mich daran, wie ich das Video und damit den Song - zumindest in dieser Version - zum ersten Mal gesehen und gehört habe. George Michael auf der Bühne singt in seiner vollen, cremigen Stimme "I can't lie. No more of your darkness!". Er singt mit Seele, er schenkt sein Herz und irgendwann, nach einer geraumen Weile, fast drei Minuten in den Song hinein, sagt er dann: "Ladies and Gentlemen, Mister Elton John!" Ein Spot geht an und da steht er. Klein, mit dunkler Schirmkappe und er singt ganz Elton John "I can't find all the right romantic line ..."
Das Publikumsgeräusch ist ein einziger Jubelschrei. Damals war George Michael ein Superstar. Und Elton John bereits eine Legende.

Ich erinnere mich daran wie mich das Gefühl damals übermannt hat. Ein schöner Moment. Die zwei sangen den Song, wie ich auch heute noch meine, ganz besonders. Zusammen. Pop-Kunst pur. Weich, cremig, warm und schön.

Ich saß also auf meinem Sofa und blickte zurück auf diesen Moment auf dieses Glück und wurde ganz wehmütig. Ich war damals glücklich, glücklich von der Musik, von diesem Moment inszenierten Beisammenseins in einem Song. ... und ich wusste es gar nicht. Ich habe nicht wahrgenommen, dass Jahrzehnte später, genau das ein Moment sein würde, auf den ich in meinem Leben erfüllt zurückblicken würde.
Ich fand das traurig. Womöglich hätte ich den Moment damals noch mehr genossen, mehr herausgeholt. Wasauchimmmer.
Ich blickte auf mich zurück und auf mein Leben bisher ... und dann dachte ich: Was wenn das hier jetzt, das sitzen im Wohnzimmer, das Sockenzusammenlegen, der Frieden in der Familie, das Kochen der Erdäpfeln am Herd, was, wenn das hier jetzt auch so ein Moment ist?




Kommentare

  1. Solche Momente kenne ich gut, zum Beispiel immer wieder, wenn ich die Treppe in meinem Haus hochgehe und hinunter ins Wohnzimmer gucke auf die Wand mit meinen "Meditationsbildern", oft Hintergrund für meine Freitagsblümchen, mit dem Regal voller Musik-CDs. Und ich schaue und empfinde ein Wohlgefallen. Ein Glücksgefühl, dass ich hier dieses Leben leben durfte, mit dem Herrn K., mit all dieses schönen Dingen, die mir gut tun. Nur mischen sich inzwischen auch Gedanken darunter, die mich an die Endlichkeit gemahnen.
    Socken falten und dabei die Dinge des Lebens reflektieren! Das sollte frau sich bewahren...
    GLG
    Astrid

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  2. Oh, so wunderschöne Worte, Susanne! Danke! Ich mag deinen Schreibstil sehr :)

    Aber ehrlich gesagt bin ich auf den Artikel gehüpft, weil ich wissen wollte, ob du zur Fraktion "zusammenlegen" oder "nicht zusammenlegen" gehörst - ich dachte, in der Erkenntnis ginge es darum ;)

    Aber so gefällt mir der Text noch 1000 Mal besser!

    Liebe Grüße, Nicola (die, die auch auf Pride&Prejudice steht und mit dir einen Abend lang drüber diskutieren könnte - erinnerst du dich?)

    P.S.: Ich bin übrigens auch Fraktion zusammenlegen - denn bollt es weniger im Schuh, finde ich ;)

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    1. :-)
      Nun, ich bin eine gespaltene Persönlichkeit, wenn es ums Sockenzusammenlegen geht, wenn du das wissen möchtest.
      Meine Socken lege ich zusammen, bei den anderen variiert das eigenartigerweise. Manche mögen es nicht oder es ist ihnen wurscht. Und manchmal ist es mir auch zuviel Arbeit. Aber tendenziell lege ich zusammen... :-)

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