Die Wahlen in den USA - Was ist ein Caucus? Vor allem eines: äußerst volksnah!


In den USA ist in den letzten Jahren ja irgendwie immer was los. Innenpolitisch. Da geht gerade ein bißchen die Welt unter. Mal sehen, wie die da wieder rauskommen.

In dem ganzen Chaos gibt es aber dann doch Dinge, die ganz normal ablaufen. So zum Beispiel die Nominierung eines demokratischen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im November.

Im Moment sind es „nur“ mehr 12 Kandidaten. Und jetzt mit Anfang Februar beginnt die Vorwahlsaison. Und zwar dort wo sie eben immer beginnt: in Iowa.

Ja genau.
Wo ist das?
Was ist dort?
Ist das irgendwie wichtig?

Nun knapp gesagt.
Nördliche Mitte der Staaten. Ein bissi rechts.
Viel Nix.
Nein.

Außer bei den Vorwahlen.

Warum ist IOWA so wichtig?

Da spielt Iowa dann eine wesentliche Rolle. Dadurch, dass sie die Ersten sind, die ihre Delegierten wählen und durch die spezielle Art, wie sie das tun (dazu gleich mehr), stehen sie für eine Weile im Mittelpunkt der Medien. Sie. Das sind die Bewohner von Iowa.

Bis zu diesem Zeitpunkt weiß nämlich der allergrößte Teil der Bürger der USA überhaupt nicht, wer denn überhaupt für die Demokraten im Rennen ist. Man muss schon ein bekennender Polit-Nerd sein, um mehr als 2 Kandidaten nennen zu können.
Bis zu den Versammlungen von Iowa. Weil eigentlich werden in Iowa keine Vorwahlen im eigentlichen Sinn abgehalten. Iowa macht in Caucus.

Erst die Ergebnisse von Iowa bringen die Kandidaten ins volle Licht der Öffentlichkeit.
Für die Kandidaten ist das von großer Bedeutung. Die mediale Aufmerksamkeit ist mehr als notwendig, um in möglichst viele Wohnzimmer zu gelangen. Wer in Iowa gewinnt, der erhält Präsenz in den Nachrichten, wie nie zuvor.

Okay, wie gewinnt man nun Iowa.
Keine Wahlen, also? Was dann?

Wie läuft sowas ab?

Nun ihr müsst euch das so vorstellen. Bereits Monate bevor die Versammlungen stattfinden, werden von den Teams der Kandidaten Stationen in Iowa aufgebaut und die Leute wandern von Tür zu Tür und reden mit den Einwohnern. Diese sind offen und bereit über alles zu reden. Da sitzen dann schon mal die Nachbarn beisammen zum Kaffee und erzählen dem Typ von (Beispiel) Bernie Sanders, wie sie die Lage so beurteilen. Und dieser Typ erzählt ihnen, was Bernie denn so plant. Wie er ihre Probleme sieht und lösen will. Etc. etc. Kaffeeplauscherl halt.

Die letzten Wochen kurven dann sogar die Kandidaten selber durch den Staat. Wochenlang. Barack Obama saß mit seiner Frau in so manchem Iowa-Wohnzimmer.
Alles sehr hautnah, alles sehr direkt. Vorgaukeln kann man den Leuten dort nicht viel, denn naja, die machen das schon eine Weile.

Und dann kommt der Tag der Versammlung.
Genannt Caucus. Es sind nämlich keine VorWAHLEN, die in Iowa stattfinden, es sind .. mehr so eine Art Bürgerversammlungen.
Wer sich für eine Versammlung angemeldet hat, muss um 19.00 Uhr dort sein. Wer zu spät kommt, ist raus.

Die Versammlung

Turnhallen, Gemeindesäle. Dort wird versammelt.
Die Leute stellen sich in Gruppen auf. Für jeden Kandidaten eine Gruppe. Hat ein Kandidat weniger als 15% der anwesenden Bürger, ist er raus.
Beispiel: 100 Leute sind auf der Versammlung und Kandidat C hat nur 14 Leute in seiner Gruppe, dann ist das das Ende.
Die 14 Leute aber, die für ihn gestimmt haben, die können jetzt zu einer anderen Gruppe wechseln.
Und damit diese C-Leute in Gruppe A wechseln, versuchen nun die, die schon vorher in Gruppe A standen, die C-Leute zu überzeugen, dass ihr Kandidat der Beste ist. Genauso machen das die B-Leute und die D-Leute.

Es wird also diskutiert und überzeugt und wohl auch viel nachgedacht. Wohlgemerkt von den Kandidaten sind da keine Vertreter dabei. Das machen die Bürger unter sich.
Das Ganze kann schon ein paar Stunden dauern, die Luft wird in diesen Räumen dann bekanntlich unerträglich, aber am Ende kommt eben ein Kandidat raus, der die meisten Stimmen hat.
Es gibt 1678 solche Versammlungen in Iowa. Die Ergebnisse werden dann verteilt auf die 41 Delegierten Stimmen, die Iowa hat. Also proportional verteilt. Kandidat  A und B und so weiter.

Das Ergebnis in Iowa ist die erste reale Abschätzung dahingehend, wer denn jetzt bei den Leuten überhaupt eine Chance hat. 1 Woche danach sind VorWAHLEN in New Hampshire und dann kommt South Carolina.
Am Super Tuesday finden dann Vorwahlen in 24 Bundesstaaten statt. Da geht es um einen Haufen Delegiertenstimmen. (Das ist dann Mitte Februar.)
Am Ende kommt dann der Kandidat raus, der gegen D. Trump antreten wird.

Das System ist alt, sehr alt und wird durchaus viel und heftig kritisiert. Vor allem auch der Umstand, dass die Bevölkerung Iowas zu einem überdurchschnittlichen Anteil weiß ist und damit ja Amerika gar nicht repräsentieren kann.
Es gäbe noch viel zu sagen dazu, aber ihr wisst jetzt was ein Caucus ist und, das die Demokratie in den Staaten noch nicht tot ist.


Kommentare

  1. Danke für den Beitrag, wieder was gelernt! Ich lese gerne bei dir, das Unterhaltsame über das Leben in Wien, und das Politische. Ich hätte nicht die Geduld, mich durch die amerikanischen Zeitungen und Videos zu wühlen, daher ist es großartig, bei dir Zusammenfassungen zu sehen. Liebe Grüße Christiane

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  2. ui
    das ist sehr interessant
    das wußte ich nicht
    aber trotz allem bleiben die Wahlen sehr undemokratisch
    da wrklich sehr viele Einwohner davon ausgeschlossen sind

    liebe Grüße
    Rosi

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