Zeitung lesen - Die Rückkehr des Papiers



Die letzten Monate haben wir hier täglich mindestens eine Zeitung vor der Tür liegen. In der Früh. Druckfrisch. Ausgelöst hat das die letzte Wahl, die Ibiza-Wahl. Monate davor schon bot die Presse ein Gratis Wahl-Abo an und wir sind aufgesprungen.
Unser Sohn entwickelt sich, oh Wunder, zum Politik-Interessierten Wesen. Das mag an mir oder der Generation liegen. Ich wage da kein Urteil. Auf jeden Fall wollte ich ihn unterstützen, ihn einführen quasi in die Welt der Printmedien.
Lernen. Hands-on.

Und weil's halt lässig ist, haben wir gleich die Salzburger Nachrichten dazuabonniert. (auf Testabobasis). Und so kam es, dass wir wochenlang 2 tendenziell wohl eher konservative Blätter vor der Tür hatten. Also nahmen wir noch den Falter dazu. Zum Ausgleich. Ein Wochenmagazin, dass die rechte Seite der Republik gern als Linkslink benamt. Wiedemauchimmer. Der Falter ist das einzige Blatt in Österreich, dass investigativen Journalismus auf internationalem Niveau liefert.
Ein Muß also, wenn man mal einen Überblick haben will. Irgendwie.

Und dann ging's also los. Und die Aufmerksamkeit galt nicht nur dem kleinen Mister, nein, sie galt allen in der Familie. Wer liest, wer liest nicht, wann wird gelesen und natürlich was wird gelesen.

Hier meine wichtigsten Erkenntnisse:
  • Alle haben es genossen. Auch wenn man nicht jeden Tag Zeit zum Durchblättern hatte, so haben doch alle einen Blick darauf geworfen. Die Bedeutung der Titelseite wird dabei deutlich klar. 
  • Der Sohn war total auf Brexit - Info aus, der Ehemann auf Finanzmarktinformationen und ich war generell politikinteressiert. Erkennbar war schnell, dass regionale Zeitungen deutlich knapper über Internationales berichten. Das mag logisch erscheinen, überrascht aber dann doch, wenn in einem Blatt die Titelseite Internationales bringt und im anderen tatsächlich nirgends wo was steht dazu. Das bemerkt man dann schon. Läßt einen auch über online-Feeds nachdenken. Was die denn so alles ausblenden ...
  • Gelesen wird morgens, beim Tee (wir haben einen Briten im Haus). Was dem Frühstück einen sehr angenehmen Rahmen verpasst. Man sitzt nicht in die Gegend glotzend rum und mault die anderen herumschlurfenden Schlafmützen an, nein man liest. Und während der Körper sich an den Tee schmiegt und langsam aufwacht, sagt das Hirn schon "Oh" und "Ah". Morgens Zeitungslesen ist äußerst angenehm.
  • Nachmittags werden dann die Reportagen gelesen oder tiefergehende Artikel zu einem Thema. Das Aktuelle ist dann ja bereits verdaut und einem im Netz oder im Radio mehrfach begegnet.
  • Gelesen haben alle. Und da Zeitungen äußerst gut herumliegen, hat es sich eben öfters mal einfach so ergeben. Wir haben mit Sicherheit das eine oder andere, das wir sonst nie erfahren hätten, so eben doch mitbekommen.

Nach der Presse und den Salzburger Nachrichten sind wir auf den Standard und eine Verlängerung der Salzburger Nachrichten umgestiegen. Der Falter läuft demnächst aus.

Insgesamt hatten wir über 3 Monate lang jeden Tag mindestens eine aktuelle Tageszeitung im Haus, dazu ein Wochenmagazin. Ob wir in ein Abo übergehen weiß ich noch nicht. Ich warte jetzt mal ab wie es sich anfühlt, wenn dieser tägliche Service wegfällt. Wie das hier bei den anderen ankommt. Bin gespannt. Heute ist der erste Tag ohne!

Schluck!


Anmerkung zum Bild: Ab und dann, so einmal im Monat MAXIMAL, wenn ich überhaupt die Möglichkeit dazu habe, lese ich auch in Papierform etwas Amerikanisches oder Britisches. Die New York Times ist überraschend dünn.

Ich verlinke heute völlig ungeniert zu den Abo-Seiten der Zeitungen, die wir konsumiert haben. Vielleicht hat ja wer Lust auf ein kostenfreies Testabo.

Salzburger Nachrichten
Die Presse
Der Standard
Der Falter

Kommentare

  1. Wir haben schon immer ein Abo der hiesigen Landshuter Zeitung. Und die wird leider immer schlechter und tendenziöser (soweit ich das mit einer eigenen Meinung beurteilen kann). Aktuell ist in unserem Landkreis nämlich die kreisfreie Stadt pleite, "alle" stehen aber hinter dem baufälligen Theater, das wegen mangelhaftem Brandschutz seit einigen Jahren im Zelt stattfindet. Geplant war ein klotziger, teuerer Neubau. Die Stadt ist aber pleite, der Schulunterricht findet an manchen Schulen seit Jahren in Containern statt und ein Lehrschwimmbecken wurde geschlossen mangels Geld für die Renovierung. Beim Straßenbau nur Pflichtprogramm, gewürzt mit kleineren Prunksachen im Innenstädtischen Bereich. Die Tageszeitung druckt aber ausschließlich Leserbriefe pro Theater und über die Proteste pro Theater. Vermutlich geht der Hr. Prof. Dr. Balle gerne hin.
    Eine regionale Veranstaltungsübersicht wurde gestrichen und durch eine München-Seite ersetzt, als der Verleger die Münchner Abendzeitung aufgekauft hat.
    Wie lange ich die noch lesen mag, weiß ich nicht.

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    1. Ja, regionale Blätter sind bzw. können schwierig sein. Speziell wenn sie eben tendenziös werden. Da bin ich ganz bei dir. Dann werden sie unbrauchbar.

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  2. Oh Gott! Ich habe IMMER eine gedruckte Zeitung im Haus. Mein lieber Mann meint ja das sei Papierverschwenung par excelance - ich möge doch endlich mal auf online umsteigen. Mag ich aber nicht! Und ehrlich, keine Zeitung lässt sich besser zum nasse Schuhe ausstopfen verwenden als EIN Blatt der Zeit ;-)... das ist ja fast schon wieder sparsam, oder? Und ncihts deckt Schultische besser ab! Die Kinder bringen immer nur Kronenzeitung *schüttel* ohne sie zu lesen habe ich schon allein eine Abneigung gegen die Zeitung weil sie so winzig ist. Die Wasserfarbe rinnt nämlich immer ZWISCHEN die Blätter. Verlässlich! Mit der Zeit passiert die das nicht. Ha!

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