Mauerschau - Eine Einführung zum "Augen auf"


Ihr kennt doch sicher alle Leuchtreklamen. Nicht die Logos der großen Ketten, die neben den Autobahnen die Sicht verschandeln. Nein, ich meine die älteren Modelle oder von mir aus die kleineren Modelle. Die, die direkt über einem Geschäft hängen. Frei, für alle sichtbar, die gerade vorbei kommen. "Schneiderei", "Café" oder was auch noch so einfällt .. bzw. auf.

Meist in irgendeiner Form von Schreibschrift, meist in irgendeiner auffälligen Farbe. Dezent ist ja nicht die Idee. Eh klar.

Ich habe diese Schriftzüge für lange Zeit gerade mal so wahrgenommen. Unterbewußt quasi. Dass sie tatsächlich ein Stadtbild prägen können, war mir so nie bewußt. War mir ja sogar irgendwie auch wurscht. Und dann bin ich neulich über die "Mauerschau" gestolpert.
Auf einer Feuermauer mitten im 6. Bezirk hängen die Leuchtreklamschriftzüge von alten, aufgelösten Geschäften.
Diese Mauerschau dient als "Museum". Diese Röhrenworte hingen Jahrzehnte mitten in Wien. Alle, die auch nur irgendwie in der Nähe davon lebten, kannten sie. Sie waren Alltag, sie waren Teil des Lebens, Teil der Stadt.
Als die Geschäfte verschwanden, wären auch die Worte verschwunden. Aber da gibt es eben einen Verein:


Auf deren Homepage steht:


Historische Beschriftungen könnten man auch in einem Museum oder einer Lagerhalle zeigen. die Idee hinter unserer "Mauerschau" ist jedoch eine andere: Was stets im öffentlichen Raum war, soll auch in Zukunft der Öffentlichkeit erhalten bleiben. Dezentral, für alle - nicht nur für ein "Kulturpublikum" - sichtbar, soll die Präsentation an einer Feuermauer den Schriftbildern eine Art "zweites Leben" ermöglichen. Denn alte Schriftbilder bestimmen die Identität und die Unverwechselbarkeit einer Stadt. 

Und so kommt es, dass eine öde, langweilige Feuermauer zum öffentlichen Museum für alte Geschäftsreklamen wurde.



Ich liebe diese Idee! Generell mag ich es, wenn die Stadt sich selber aufhübscht. Ganz egal wie. Kahle Wände gibt es genug in meinen Augen. Als ich diese Wand sah, hat es mich "emotionalisiert". Einige dieser Schriftzüge kamen/kommen mir ganz unglaublich bekannt vor.

Natürlich hat sich mein Auge sofort gedacht: "Ausschau halten! Davon gibt's sicher mehr!"
Und seither wandle ich durch meine Stadt mit extra-Neonröhren-Sichtungs-Augen.

Und NATÜRLICH gibt es davon mehr als ich dachte.


Daher stehen die Chancen gut, dass ich euch in Zukunft in Abständen immer die aktuellen Sichtungen zeige.
Ich hoffe, das ist für euch interessant.
Denn ich mag diese Mischung aus Alltag und Design wirklich sehr!

Kommentare

  1. Ich hab sogar mal "gelernt", wie solche Schriftzüge aus Glas geblasen werden: Der Nachbar meiner ersten studentischen Wohnung war solch ein Neonreklamen-Hersteller und hat mich mal mitmachen lassen, weil es mich interessiert hat und ich so ein Typo-Fan bin. Leider bin ich dann mit dem Herrn K. Zusammen gezogen und der Kontakt hat sich verloren. Ich mag die gerne und die Wand ist toll!- hier gibt es einen Schriftzug "Liebe deine Stadt", den der verrückteste Radiologe hier bei uns im Veedel auf ein Gebäude gespendet hat.
    Weitermachen, sag ich den Mauerschau-lern und dir liebe Grüße!
    Astrid

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  2. du hast recht, diese Reklamen prägen ungemein und sie gehören einfach zum Stadtbild. und ja: sie verschwinden immer mehr, gut dass es so eine initiative gibt. gefällt mir!
    Bussi, kathrin

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  3. das sieht toll aus
    ich muss gesstehen
    mir sind diese Reklamen auch gar nicht so aufgefallen
    vielleicht in der Großstadt.. ja..
    und am Kino.. da kann ich mich erinnern
    ich werde mal Ausschau halten ob es das noch bei uns gibt

    liebe Grüße
    Rosi

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  4. Oh ja, eine tolle Idee, das schaut auf der Mauer sehr hübsch aus! Bei uns gibt es das “Conrad Sohm”, eine Musik-, Kultur-, Nachtlocation. Das heißt so, weil der Gründer damals den Leuchtschriftzug von einem ehemaligen Spielzeuggeschäft gekauft hat. Weil es gerade da und zu kaufen war. Ich mag ja solche mehr oder weniger Zufallsgeschichten, aus denen wieder neue Geschichten entstehen.

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