gelesen KW 1 - Die schlechte alte Zeit

Photo by Andrew Buchanan on Unsplash
Diese Woche habe ich ein Interview im Spiegel gelesen. Aus der Februar Ausgabe des Vorjahrs. Ein Interview mit Steven Pinker, dem Autor von "Aufklärung jetzt".
Steven Pinker ist ein Zahlenmensch. Jemand, der versucht sich nur von Fakten beeinflussen zu lassen.

Und wenn man ihm glaubt (und den Zahlen) dann müsste das Sprichwort eben so wie im Posttitel heißen. Denn "gut" war früher wahrlich nicht viel.

In seinem letzten Buch fasst der Autor ein paar ganz grundsätzliche Entwicklungen zusammen, die wir uns wohl öfter mal vor Augen führen sollten.

- Die Welt ist heute ungefähr 100x so reich wie noch vor 200 Jahren und ... der Reichtum ist gleichmäßiger verteilt auf die Länder und die Menschen.

- Der Anteil der Menschen, die pro Jahr in einem Krieg sterben, liegt heute bei einem Viertel der Zahl aus den 80ern, eine Sechstel verglichen mit den frühen 70ern und einem Sechzehntel gegenüber den frühen 50ern.

- Reiche Länder geben heute 25% ihres Reichtums an arme Länder ab. Vor 100 Jahren war das 1%.

- Terrorismus: 2016 fielen im Westeuropa 238 Menschen dem Terrorismus zum Opfer.  30 Jahre zuvor waren es 440.

Die genauen Zahlen, so scheint mir, findet ihr in seinem Buch.

Es fällt uns schwer solcherlei gute Nachrichten zu glauben. Dafür gibt es viele Gründe. Der auffälligste ist wohl der, dass niemand davon berichtet. Sind die Nachrichten schlecht, dann wird mehr geklickt und das Geld fließt.

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Wir Menschen haben da so ein Ding mit dem Negativen. Wir sind negativ gepolt. Das ist sogar wissenschaftlich bewiesen.

Kritik trifft uns viel härter, als Lob, ein Verlust ist schlimmer als so mancher Gewinn. Auch wenn Zahlen und Fakten ja nicht lügen, so bedarf es einiges an Disziplin sich zu vergegenwärtigen, dass man keine Angst vor Terroristen auf dem Christkindlmarkt haben muss, sondern die Gefahr deutlich realer ist, wenn man ins Auto steigt und losfährt.

Die Errungenschaften der letzten 100 Jahre werden als Selbstverständlichkeit hingenommen. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, da wurden noch Dämonen beschwört, an Einhörner geglaubt, die Sterne befragt und bei Erkrankungen wurden wir zur Ader gelassen.

Es ist wohl unbestritten, dass es uns besser geht, als je zu vor, dass es so vielen Menschen wie noch nie besser geht. (Was natürlich noch lange nicht heiß, dass da nicht noch reichlich Luft nach oben wäre!)

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So.
Und was ist jetzt mit Trump und den anderen ewig-Gestrigen?
Nun, Steven Pinker, meint, dass sie zwar nicht gerade der Sache dienlich sind, aber eben auch nicht die echte Bedrohung .. also für die Aufklärung.
Denn die Welt hat gelernt, dass Medizin hilft, dass Bildung die Kinder weiterbringt und Umweltschutz tatsächlich Dinge ändern kann.
Das Erreichte wird sich nicht einfach wieder in Luft auflösen. Es kann holpriger werden, Ja, stoppen und zurückdrehen wird man das Rad der Zeit nicht können.

In dem Interview gibt es noch einige anregende Gedanken. Ihr könnt es hier (kostenpflichtig) nachlesen.

Und wenn es euch mal wieder runterzieht, dann holt euch Zahlen in Erinnerung!
Es könnte helfen.


Gelesen:
im Spiegel (Februar 2018 Ausgabe)

Kommentare

  1. So isses! Die Bücher von Guido Mingels (Früher war alles schlechter) veranschaulichen das auch noch mit entsprechend großformatigen Illustrationen, sehr empfehlenswert. Oder mein gestriger Post über Elise Ottesen-Jensen. Aber die von den Populisten verängstigten glauben halt nur ihrer Religion. Es ist zum junge Hunde kriegen!
    Ein gutes Neues Jahr für euch!
    Astrid

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    1. Ich denke es ist nicht gesund sich zu viele Gedanken um die ewig Dummen zu machen. Ja, sie sind da, Ja, sie sind gar nicht so wenige, aber so wie eben auch mit vielen anderen Dingen, sind die offenen, aufgeklärteren Menschen mehr geworden.
      Es gilt sie vom Sofa zu holen, wenn Bedarf ...

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  2. oh ja..
    so gut war die gute alte Zeit nicht
    man bedenke nur die Lebenserwartung..die Kindersterblichkeit
    die Armut
    was vielleicht! manchmal besser war war der Zusammenhalt
    aber auch nicht überall
    vor allem da nicht wo Konkurrrenz um Arbeit.. Wohnraum und Dinge zum Leben herrschte

    trotzdem erscheint einem die frühere Zeit "wärmer"

    liebe Grüße
    Rosi

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