Montag, 2. Juli 2018

Der Unterschied - Bloggen vs. Instagram

Bloggerkrise hin, DSGVO her. Die sozialen Medien setzen den Bloggern zu. Die Aufmerksamkeitsspanne der Leser wird immer kürzer. 2 Zeilen Text und ein paar Hashtags. Dazu ein Foto, sprich im Vergleich wenig Arbeit. Als Belohnung ein paar Herzis, dazu eine Handvoll Kommentare. So einfach kann es sein.

Aber ich denke ganz ehrlich so einfach ist die Sache dann eben doch nicht. Es sind zweierlei Schuhe (FlipFlops vs. DosMartins in etwa), die hier miteinander verglichen werden.

Ich schildere euch heute, worin ich den Unterschied sehe und warum ich mit dem Bloggen nicht aufhören werde.


Bloggen:

Vorab: auch ich hatte eine solide Bloggerkrise. Es ist Jahre her und sie war von außen ausgelöst worden. Die Bloggeria hatte sich empfindlich verändert und ich fühlte mich plötzlich alleine. Was ich tat schien schlagartig unwichtig geworden zu sein. Wichtig waren andere Dinge (das Probenähen, in irgendwelchen Näh-Gruppen dabei zu sein). Dinge, die eben für mich nicht in Frage kamen.
Unmöglich schien es mir auch Kooperationen einzugehen. Werbung zu machen. Geld zu verdienen. "Professionell" zu werden. (Warum ist professionell eigentlich immer mit Geld verdienen korreliert?)

Das geht bei mir nicht. Ich kenne mich gut genug um zu wissen, dass mich das Kopf und Kragen kostet. Ich kann keine Werbung machen. Ich bin keine Verkäuferin. Das ist mein Blog. Meiner. Es geht um mich und was mir so in den Kopf kommt. Nicht darum, was mir so in den Kopf gelegt wird.

Manche Blogger können das vereinen (Nur ganz Wenige, wie ich meine!). Ich weiß, ich kann das nicht. Ich brauche die absolute Freiheit mein Ding machen zu können. .



Das liest sich womöglich superegoistisch. Und wenn es das ist, ist mir das auch wurscht. Ich weiß, dass ich aufgehört hätte zu bloggen, wäre ich damals abgebogen. Hätte den Weg eingeschlagen, den so viele gehen. Ich wäre nicht mehr hier.

Bloggen bedeutet für mich, mich zu entwickeln. Dinge auszuprobieren, zu lernen. Ja genau. LERNEN! Ich lerne zu fotografieren, ich lerne zu schreiben, ich lerne mich zu organisieren um eine regelmäßige Veröffentlichung zu schaffen. Ich lerne Bilder zu bearbeiten, ich lerne auf mich zu hören und zu erkennen, wenn ich eine neue Idee habe. Ich lerne diese dann umzusetzen.

Und das ist das Wesen des Bloggens für mich. Ideen, Inhalte umzusetzen. Zu teilen, zu vermitteln.
Dafür erhält man dann Feedback. Ihr kommentiert oder mailt .. und dann LERNE ich wieder etwas.
Bloggen ist reich, schwer, wenn ihr so wollt. Es bedeutet Arbeit.
Ich habe manchmal Ideen im Kopf die sind ein Funken, ein kurzes Gefühl, eine Erkenntnis. Wenn ich das dann in einen Blogpost verwandle, sind das Seiten an Text. Es ist erstaunlich wieviel Worte man manchmal braucht um ein Gefühl wiederzugeben.

Naja, auf jeden Fall ist Bloggen etwas, das kommt bei mir von innen.


Im direkten Vergleich könnte ich sagen:
Bloggen ist wie Essen gehen mit Freunden- in ein schickes Lokal. Man leistet sich mal etwas Besonderes, nimmt sich Zeit.
Instagram ist dagegen McDonalds.

Instagram:

Vorab wieder: Ich bin auf Instagram. Ich habe lange nachgedacht und ich weiß mittlerweile, dass ich auf Instagram bin, weil ich dann die Augen weiter offen habe - fototechnisch in meinem Alltag.

Ich habe überlegt ob ich mir ein Konzept erstellen soll, damit ich weiß, wie und was ich posten kann und will. Damit es mir nicht entgleitet und ich anfange mein Essen zu fotografieren oder derlei Unfug (ich könnte einen eigenen Post verfassen über diese olle Essensfotografiererei!).
Ich will nicht unabsichtlich aus dem sich entwickelnden Bedürfnis heraus beginnen Kleinigkeiten aus meinem Alltag mit der Welt zu teilen. Kleinigkeiten, die ich - ganz ehrlich - da draußen nicht haben will.


Instagram funktioniert über diese unmittelbare Herzchen-Belohnung. Das menschliche Hirn wird danach süchtig. Und dann beginnen die Leute einfach alles zu teilen. Schlicht, weil sie noch ein Herzchen haben wollen.

Es wurde für mich notwenig viele Damen zu entfolgen, die diesem Schema verfallen waren. Denn, und darin liegt der große Unterschied für mich zum Bloggen, man postet auf Instagram im Laufe der Zeit nicht aus dem inneren Drang heraus etwas auszuprobieren, sich mitzuteilen, etwas zu entwickeln. Nein, der große Teil der Leute ist schlicht nur auf Herzchenjagd.

Viele teilen Info, die völlig unnötig ist. Sachen, die ich über meine besten Freundinnen nicht weiß und auch schlicht nicht wissen muß.

Das macht Instagram mit einem, wenn man nicht aufpasst. Man postet dann des Postens wegen. Der Inhalt wird nebensächlich. Der Antrieb zu posten kommt aus einem Herzchenbedürfnis, nicht weil man eine Idee hatte und die teilen will.
Dieserlei Verhalten ist zwar menschlich, weil Sucht und so, aber sie ist auch äußerst zerstörerisch und .. ganz ehrlich .. herzhaft langweilig.
Alltag habe ich selber, Alltag so zu posten, sodass es ansprechend oder inspirierend oder von mir aus auch verstörend und intensiv ist, das wäre interessant. Kriegt man aber kaum zu sehen.


Was mir an Instagram wichtig und gut erscheint, sind die Bilder. Also gute Bilder. Folgt man den richtigen Leuten, dann kann man durchaus inspiriert werden.

Ich mache immer wieder mal ein paar Wochen Pause auf Instagram. Und dann bemerke ich eben, dass ich aufhöre Bilder zu machen. Bilder von Wien, Bilder von Menschen. Mein fotografisches Auge hört auf zu lernen, es döst ein wenig weg.
Ich lasse es dann eben ein paar Wochen dösen und dann, dann will ich wieder anfangen zu schauen.

Instagram löst in mir das Fotografieren aus.


Das ist halt etwas was ich mag. Ich mag es, wenn mein Auge wach ist, wenn ich - inspiriert von anderen - Dinge durch meine Linse oder mein Handy ausprobiere.
Das schafft Instagram für mich.

Soweit so der Vergleich.
Ich konnte für mich finden, warum weshalb wieso ich was mache und was mir gut tut .. und unter welchen Bedingungen.
Bloggen ist bei mir meine Spielwiese, Instagram ist ein Fototool und nicht viel mehr - für mich.
Deswegen werde ich wohl auch nicht so schnell mit dem Bloggen aufhören. Die Möglichkeiten, die ich brauche mich auszuprobieren (hehehe .. mich auszuprobieren), die bietet nur das Bloggen.

So einfach sind die Dinge manchmal.
Wie sind die Dinge bei euch so?
Wie erlebt ihr die "Konkurrenz"? Oder eher gar nicht?
Und wie wichtig die Follower und das Kommentieren sind,
darüber schreibe ich demnächst.
Bis bald!

12 Kommentare

  1. Hallo Susanne,
    ich liebe deinen Blog, ich lese ihn - egal wie kurz oder lang. Fastfood (sei es nun McD oder FB oder Instagram) mag ich nicht - bei Instagram habe ich noch nicht einmal einen Account. Ab und zu ärgere ich mich darüber, jetzt weiß ich aber wieso!
    Mein Leben ist turbolent genug - da muß ich nicht an noch mehr Stellen das tun, was andere von mir erwarten, oder was ich denke, das andere von mir erwarten... ne!

    Mein Blog lebt, von meinem Geschriebenen - mal mehr mal weniger, von meinen Erfahrungen - sei es in der Nähwelt, sei es im wahren Leben. Natürlich findet jeder Kommentare toll, schlimm wäre, wenn es anders wäre, aber die Kommentare sind viel mehr als ein Herz oder ein Daumenhoch, da hat vorher einer "zugehört".

    Schönen Start in die Woche
    Zottellotte Sonja

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    1. Hallo Sonja,

      ich bin ganz bei dir .. man steckt mehr rein und man bekommt bei einem Blog .. so meine ich .. auch mehr raus.
      Ich mag das auch!
      LG
      Susanne

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  2. Habe mich gerade gestern Abend wieder mal "überfressen" ( sollte eine Ablenkung von Seehofa sein ). Das geht mir jedes Mal so: oh tolles Bild, nochbein tolles Bild, ist das schön usw. Klick, klick, wisch und schon kommt bei mir ein Gefühl der Übersättigung, aber richtig übel. Ich mag es nicht, aber manchmal vermisse ich liebgewordene Menschen, die sich dort regelmäßig tummeln ( ich sag nur Anneliese)...
    Ich bleib beim Bloggen!
    GLG
    Astrid

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    1. Ich verstehe dich gut, deswegen habe ich da in meinem Feed auch sehr aufgeräumt und habe jetzt ein paar Leute dabei, die sind ganz weit weg vom Nähen.
      Das tut gut.
      Und macht das Loslassen und sich nicht Überfressen vielleicht leichter!

      Aber ab und dann brauch' ich auch eine Pause.
      Irgendwie ist es eine unrunde G'schicht.

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  3. Ich bin weder bei fb noch bei Instagram. Mein Leben ist so schön schnell genug....
    Dein Post über das „fotografische Auge schulen“ hat mich jetzt aber doch schnell gekitzelt. Das würde mir auch gefallen! Aber: unterm Strich bleibt mir dann zu wenig echtes Leben. Denke ich. Und immer mit der Kamera vor dem Aufe, verpasse ich das wichtige daneben.
    Deshalb mein Nein zu vielen guten Dingen, damit ich mir das Beste gönnen kann: mein wahres Leben

    Danke für deine Posts, immer wieder gerne
    Herzlichst
    yase

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    1. Genau so soll es doch sein.
      Wenn es Spaß macht, dann ist es okay .. wenn es Streß wird und einem Zeit raubt, dann pfui..

      Dabei die Waage zu halten ist gar nicht so einfach. Deswegen ziehe ich mich eben regelmäßig von Instagram zurück.
      Irgendwie schon mühsam!

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  4. Da hast du mein Gefühl, was das Bloggen angeht doch sehr genau getroffen. So ähnlich ging es mir auch. Nur leider fällt mir das Schreiben dazu auch noch recht schwer. Daher gab es eigentlich nur das Thema Nähen, denn das kriege ich gerade noch so hin... Da mir aber gerade in der Nähszene das Nähen, als Spaßfaktor zu sehr in den Hintergrund geht, und ich das Gefühl habe, alles muß perfekt sein und es wird nur noch Probegenäht, sei es Stoff oder Schnitt ( woraus alles auch zu einem Einheitsbrei geworden ist), hat mir auch das keinen Spaß mehr gemacht! Ich hatte das Gefühl, ich bin auf der Strecke geblieben, bzw. ich komme nicht hinterher... Tja und die DSGVO war letztlich nur noch das I-Tüpfelchen. Habe ich keine Zeit und auch keine Muße mich, auf den Blog bezogen, damit auseinander zusetzen... Die Angst, wegen eines Hobbys, ohne jeglicher gewerblicher Absicht, eine Klage am Hals zu haben, ist mir einfach zu groß. Und jetzt einige Wochen ohne Blog, ich muß gestehen, ich merke, mir ist eine Last von den Schultern genommen worden...
    Bei IG bin ich ja auch unterwegs, aber da steht in erster Linie auch nur mein Nähen und der daraus resultierende Austausch im absoluten Vordergrund. Es gibt auch mal private Einblicke, aber die sind doch eher an einer Hand abzuzählen. Wenn es mir um Herzchen gehen würde, wäre ich auch hier schon längst weg... Scheine ich doch zu uninteressant zu sein... ich mag den Austausch mit den paar Leutchen, die zum Teil sogar Freunde im wahren Leben geworden sind.

    Liebe Grüße
    Kristina

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    1. Liebe Kristina,
      du bist wohl eine der ganz Wenigen, die ich nähtechnisch auf Instagram interessant finde.
      Ganz ehrlich!
      LG
      Susanne

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  5. Ich bin nicht bei Instagram. Ich lese lieber etwas mehr Text und die paar Zeilen mit den ganzen Links drin machen mich wuschig.
    Aber deine Bilder gefallen mir ausgesprochen gut, bist du immer mit der Kamera unterwegs oder macht dein Handy so gute Fotos?

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    1. Die Bilder hier in diesem Post habe ich alle mit meinem Handy gemacht.
      Ich bearbeite sie - meist auch noch am Handy - und ich habe darin mittlerweile auch schon Übung.
      Mir macht das Spaß!

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  6. Ein schöner Beitrag, liebe Susanne. Ich denke, Instagram und Bloggen sind zwei paar Schuhe. Kann man beide tragen, muss man aber nicht. Gehen beide auch solo. Ich hatte beide, jetzt momentan nur noch Instagram, der Blog zieht hoffentlich bald in ein neues zuhause mit neuen Inhalten ein. Dann benutze ich wieder beide Schuhe.
    Es gibt kaum Inhalt auf Instagram, selbst wenn er niedergeschrieben steht. Denn es werden Bilder geherzelt, nicht Texte. Das Leute mit 90 Selfies 10.000 Follower haben, zeigt das eigentlich schon.

    Die Ballance zwischen guten Bildern, Inhalt trotz nicht/wenig gelesen werdens, nicht die Follower zu bedienen sondern sein eigenes Ding (= Spaß) zu machen - das versuche ich immer wieder und rutsche immer wieder aus.
    Pausen sind gut. Und die Benachtichtigungsfunktion für Herzen ausschalten auch.

    Ich finds gut, dich hier und dort zu treffen.

    Janine

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  7. Ja, ja, ja! Das mit der Bloggerkrise (Probenähen, Nähgruppen) und auch mit der Unmöglichkeit oder dem Unwillen, Werbung zu machen: JA! Das unterschreib ich genau so auch für meinen Blog. Deine Erkenntnis, mit Instagram Dein fotografische Auge zu schulen, gefällt mir sehr gut. Ich selber nutze Instagram vorwiegend, um das Gewerkelte und den darüber verfassten Blogpost auch auf diesem Kanal unter die Leute zu bringen, also quasi als Verlängerung des Blogs. Bei mir ist aber dort wie da gerade nicht viel los, weil das Hobby unter dem Geld verdienen leidet, auch wenn meine Börsel sich am Geldverdienen erfreut. Auf und Ab als Selbständige, und wenn's mal "Auf" geht, lass ich das nicht aus. Es wird wieder anders werden, dann bekommt mein Blog wieder mehr Aufmerksamkeit. Inzwischen lese ich unter anderem hier gerne mit, kommentiere manchmal, und stresse mich nicht. Sommer, Ferien, ein Picknick im (Wiener) Augarten wäre mal wieder was Feines, zum alte Freunde treffen und Wien-Sehnsucht stillen. Liebste Grüße, Du Liebe!

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