Montag, 23. April 2018

Stadt und Land - die Ausländer

Ich glaube es war vorige Woche da habe ich in den "Dimensionen" in Ö1 gehört von einem Komplexitätsforscher, der sich auf Städte spezialisiert hat. Also zumindest für diesen Bericht.
Gemerkt habe ich mir folgendes: Im Vergleich zum Leben auf dem Land steigt bei einer städtischen Bevölkerung die Kriminalität an und zwar in genau demselben Ausmaß wie die Kreativität!

Das ist darauf zurückzuführen, dass man in der Stadt häufiger genötigt ist sich mit Menschen auseinanderzusetzen, die anders als man selber sind. Das kann schon mal anstrengend werden. Vor allem, wenn man einen vollen Lebensalltag hat. Es führt aber durch diese Auseinandersetzung, so man sich auf diese einläßt, zu einer Erweiterung des eigenen Spektrums.


Hier bei mir mitten in der Stadt spielt sich das so ab:

Ich sehe täglich reichlich Menschen, die meine Sprache (und damit meine ich Wienerisch) nicht sprechen. Sie sprechen englisch, russisch, amerikanisch, italienisch, arabisch, deutsch - in alle seinen Variationen - oder wasweißichnochalles.
Sie kommen in kleinen oder großen Gruppen.
Es können auch zwei junge Männer sein, deren Haut dunkel ist und die schwarze Lederjacken tragen.
Es können Frauen sein, die Kopftuch tragen. (ich habe übrigens gestern eine junge Frau gesehen, die Kopftuch trug und eine John Lennon Sonnenbrille und die - festhalten - ein paar ziemlich lässige Tatoos auf ihren Unterarmen hatte).
Ich sehe dunkelhäutige Väter die im Tragetuch ein Baby tragen und ich sehe dunkelhäutige Männer, deren Frauen ein Stück hinter ihnen gehen.
Ich sehe Menschen mit dunkler Hautfarbe. Helldunkel und ganz dunkel. Schwarze Frauen die bunte afrikanische Kleider tragen (Und mit Verlaub richtig gut aussehen darin!)



Ich sehe Russinnen in High Heels mit Louis Vuitton Einkaufssackerln (mehreren!) und ganz knappen Röcken (Bist du irre, die sehen häufig nicht nur richtig gut aus, die haben auch ein für mich unfassbares Selbstbewusstsein.)
Ich sehe Amerikaner, die ein wenig zu viel sind, mit Rucksack und ganz kurzen Hosen. Ich sehe Japaner mit Sonnenschirm und Mundmaske (Ja, mit Mundmaske .. mehrmals die Woche sehe ich die!) .. oder sind es Koreaner?

Ich sehe Rumänen, die am Gehsteig sitzen und freundlich um ein paar cent betteln. Immer dieselben übrigens. Immer an derselben Stelle. Beinahe das ganze Jahr. Ich glaube, es sind Oma und Opa, die ihre Familie daheim durchfüttern.
Ich sehe junge Menschen, die ihren Trolley hinter sich herschieben, das Handy in der Hand eine Adresse suchend.
Ich sehe junge Mirgrationshintergrund-Männer, die gerade ihre Manneskraft entdecken und die gerade nicht anders wollen als laut und dabei offenbaren wie bruchstückhaft ihre Kenntnisse der deutschen Sprache sind.



Wien hat einen Ausländeranteil, der deutlich höher ist, als der Durchschnitt in Österreich und da sind die ganzen Touristen noch nicht einmal mitgezählt.

Es gibt Bezirke, da ist er besonders hoch .. und natürlich (SEUFZ!) sind das jene Bezirke, in denen der Bildungsstand nicht ganz so hoch ist wie bei uns hier und wo die Mieten niedriger sind.

Es gibt Bezirke mit Serben, mit Deutschen, mit Türken. So hat sich das herangewachsen. Nie alles an einem Fleck in hoher Konzentration.

All die Menschen, die ich da oben aufgezählt habe, kann ich wenn ich 30-40 Minuten draußen unterwegs bin jeden Tag sehen. Völlig problemlos.



Mir persönlich macht das wenig aus. Die Tendenz der immer mehr werdenden Touristen finde ich allerdings diskussionswürdig. Es sind heute deutlich mehr, als es vor 10 Jahren waren. An "guten" Tagen ist zwischen Gruppe und Gruppe nicht genug Platz um dazwischen durchzugehen.
Das ist .... naja, nimma so angenehm.

Ich will auch gar nicht beschönigen, dass es  Plätze gibt, an denen der Kopftuchanteil deutlich höher ist, als bei mir hier und an denen man wohl spürt, wie anstrengend es ist, dass man sich jeden Moment an jedem Tag damit auseinandersetzen muß, dass da Menschen mit einem zusammenleben, die eben anders denken, sich anders anziehen etc.



Aber - und das ist mir wichtig - das ist absolut nicht in ganz Wien so. Nein, ganz im Gegenteil. Es gibt ein paar Bezirke, da ist es dicht und da brauchen die Menschen von beiden Seiten wohl mehr Unterstützung durch die Stadt. Aber, die Flächen, die Bezirke, die Gegenden, in denen Ausländer kein Thema sind, sind .. ich würde mal sagen, nicht nur in der Überzahl, sie sind in einer vielfachen Überzahl.
Nun ist es aber so, dass der Druck auf die Menschen in den "Problemgegenden" hoch ist und somit besteht ein Handlungsbedarf. Das sehe ich auch so.
Dass diese Tatsache politische ausgenutzt wird, ist aber unter jeder Sau. Es wird nur allzu bereitwillig  ein falsches Bild von einem unsicheren Wien gezeichnet, von einem von Muslimen und türkisch oder tschetschenischen Gruppen beherrschten Wien. Und das ist ein völliger Unsinn. Das ist Propaganda!
Punkt.

Ja, hier sind viele Ausländer. Richtig viele. Wenn man richtig draußen auf dem Land lebt, braucht man - so meine süße Vorstellung - wahrscheinlich ein Jahr um all die Leute zu sehen, die ich an einem Tag zu Gesicht bekomme.
Fühle ich mich immer wohl, wenn mir ein paar schräge Gestalten entgegenkommen?
Nein. Natürlich nicht.
Das war aber schon so, als ich jung war!
Schrecke ich davor zurück, mich dieser Situation auszusetzen?
ah geh woher.
Ich lebe lange genug um zu wissen, dass nicht immer die gefährlich aussehenden Hunde beißen.

Die Stadt ist eben nicht nur kreativ, sie ist eben auch an manchen Ecken nicht ganz so sicher wie an anderen. Aber die Gefahr geht nicht notwendigerweise von den Ausländern aus, egal welche Sprache sie sprechen. Und mit irgendeiner anderen Weltstadt verglichen ... sorry, da ist Wien immer noch ein ziemlich ruhiger, ziemlich verschlafener, "Küss' die Hand"-Flecken auf der Landkarte.

Einer der gerne meckert!

Anmerkung am Rande: die bei weitem größte Gruppe von Ausländern (beinahe doppelt soviele wie die auf Platz 2) sind in Österreich übrigens die Deutschen!



5 Kommentare

  1. Da fasst du ja gewisserweise ein heißes Eisen an...Wenn ich überlege, was da ja auch inzwischen auf den Straßen der Städte los ist an Übergriffigem wie jüngst wieder in Berlin, da würde ich gerne etwas zu schreiben, mal schauen.
    Übrigens ist heute zum Weltbuchtag Eva Menasses "Vienna" zum "Buch für die Stadt" (Köln) ausgewählt worden - eine nette Verbindung unserer beiden Städte!
    Hab's fein im Frühling!
    Astrid

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich stimme zu: kein einfaches Thema. Aber wichtig! Übergriffe sind in Wien auch ein Thema. Allerdings nicht in der Häufigkeit wie anderswo.
      Ich habe versucht mich möglichst trocken dazu zu äußern. Denn es ist in Wien nicht so, wie es oft gezeichnet wird. So grundsätzlich gefährlich, grundsätzlich schlimm. Ich war in anderen Großstädten ... nein, Wien ist da anders.

      Das war mir ein Anliegen. Das Thema selber, darf ich aber nicht kleinreden! Leider.

      Löschen
  2. Wirklich schwieriges Thema. Ich kenne die Berichte von Übergriffe und dergleichen aus der Zeitung und weiß nicht ob ich heute noch so unbefangen nachts durch die Stadt meiner Studentenzeit laufen würde wie vor 10 Jahren noch.
    Was DIESE Art der Übergriffe angeht muss ich mir keine Sorgen mehr machen, da ich inzwischen auf dem Land wohne. Allerdings mit nordafrikanischem Ehemann und zwei Töchtern. Und da kann es passieren, dass andere Mütter plötzlich nicht mehr mit einem reden wenn sie mal den Vater der Töchter gesehen haben. Auch immer sehr nett.
    Was das angeht sind die Einwohner meiner ehemaligen Studentenstadt wesentlich liberaler. Da wird man nicht schief angeschaut.

    AntwortenLöschen
  3. klingt nach einer Liebeserklärung für deine Stadt ;)
    ich finde es sehr interessant wie viele verschiedene Gruppen da in deiner Stadt zusammen kommen
    Touristenströme finde ich aber auch nicht sehr schön obwohl ein Land oder eine Stadt ja auch davon lebt..
    hier bei uns sieht man Frauen mit Kopftüchern schon länger .. im Einkeufszentrum auch schon mal vollverschleierte ..
    doch das ist selten
    dunkelhäutige Menschen sind nun auch öfter anzutreffen
    aber ich habe eigentlich noch nie etwas Negatives gesehen oder gehört ..
    Kriminalität gab es schon früher .. oft beschränkt auf einige Familien am Rand der Gesellschaft
    da kam es dann auch zur Gewaltanwendungen
    ein junger Mann wurde erstochen
    doch das hat keiner an die große Glocke gehängt .. vielleicht war ein Artikel in der Zeitung und ein Beitrag in den Regionalnachrichten
    heute wird ja jedes noch so kleine Delikt in die Öffentlichkeit gezerrt
    und so ensteht der Eindruck dass wir von Krminalität umgeben sind
    die Statistik zeigt ein ganz anderes Bild
    auch Übergriffe auf Frauen gab es früher schon (auch im ländlichen Raum) oft auf Festen oder in der Disco...doch viele Betroffene gingen nicht zur Polizei weil sie sich schämten oder weil es Bekannte waren (da wird aber bei Grapschereien immer noch viel einfach weggesteckt )
    bei Fremden zeigt man eher an ..doch es sollte kein Unterschied gemacht werden und die Frauen müssten sich trauen auch den Nachbarn oder Bekannten anzuzeigen ..

    ich bin zwar eher ein zurückhaltender Mensch aber Berührungsängste habe ich keine ;)

    liebe Grüße
    Rosi




    AntwortenLöschen
  4. Hallo, hab jetzt deinen wunderschönen Blog entdeckt und das meine ich ernst:) und zum Thema... Spreche leider kein wienerisch, obwohl ich seit 7 Jahren in Wien bin, finde aber das muss nicht unbedingt sein, schließlich können die meisten Leute ja auch keinen Dialekt, wenn sie woanders leben. Man versteht sich trotzdem. Gebe zu, würde gern wienerisch sprechen wollen. Aber dadurch dass mein Mann Deutscher ist und ich in Niederösterreich arbeite, ist es fast unrealistisch😁 Sonst ist Wien schon sehr international, aber für eine Großstadt ziemlich sicher trotz oder dank (?) vieler Ausländer. Ist halt schwieriges Thema... Wie viele Leute es gibt, desto viele unterschiedliche Meinungen gibt es auch, und das ist auch schön so:) Ganz liebe Grüße von einer nachhaltigen, selber nähenden und fair und ökologisch einkaufenden Russin, die in High Heels mit Louis Vuitton Einkaufssackerln nie laufen wird und will😁

    AntwortenLöschen

Ich freu mich immer narrisch, wenn ihr euch Zeit für einen Kommentar nehmt! - Das gilt auch weiterhin. Es ist aufgrund der neuen Gesetzeslage notwendig euch an jedem Punkt an dem ihr Daten übermittelt darauf hinzuweisen und euer Einverständnis einzuholen.

Deshalb bitte ich dich auch um das Lesen dieser Hinweise:

Wenn ihr auf meinem Blog kommentiert, werden die von euch eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung ( Klick auf den entsprechenden Button ganz obern oder ganz unten auf meinem Blog ) und in der Datenschutzerklärung von Google.https://policies.google.com/privacy?hl=de

Du kannst deinen eigenen Kommentar jederzeit selber löschen oder durch mich entfernen lassen.

Kommentare, die Direktlinks zu unbekannten bzw. unersichtlichen Seiten ( ohne erkennbare URL-Adresse ) beinhalten, werden ich aus Sicherheitsgründen direkt löschen.

Vielen lieben Dank
Susanne

 
© Design by Neat Design Corner