Freitag, 23. März 2018

gehört KW 12 - Das Windschutzscheibenphänomen

Ich erinnere mich gut daran. Damals, als ich in meinem Job täglich mit dem Auto durchs Land gefahren bin, damals, da wurden einem, bevor man mit dem Auto in die Waschstraße fuhr, die Insekten extra von der Scheibe gekratzt/gewaschen.
Die Waschanlage hätte das nicht geschafft.

Heute muss man das nicht mehr machen! Heute kann man von Wien nach Innsbruck fahren - im Sommer - und an der Scheibe pickt fast nix.

Das ist das Windschutzscheibenphänomen!

Photo by Andrea Reiman on Unsplash


Dahinter steckt natürlich kein cleveres Windschutzscheibendevelopment, nein, dahinter steckt das Sterben der Insekten.
Bemerkt hat man es ja zunächst bei den Bienen. Bienen sind Insekten, die vom Menschen direkt genutzt werden. Der Mensch hat sonst nicht allzuviel Kontakt zu Insekten. Also in der Vielfalt. Es gibt ja irre viele verschiedene Insekten. Bienen. Ja. Bienen und Menschen, das geht zusammen.
Dachte man.

Aber um die Bienen geht es jetzt hier und heute nicht, nein es geht umso ziemlich alle anderen Insekten.

Photo by Samuel Zeller on Unsplash


Im Oktober 2017 hat ein Krefelder Verein seine Daten veröffentlicht und die haben es gewaltig in sich. Dieser Verein aus Profi- und Hobby-Insektenfreunden (Entomologen!) hat 27 Jahre lang an 63 Standorten in Deutschland (in Naturschutzgebieten) Insektenfallen aufgestellt. Immer zur selben Jahreszeit, immer an denselben Stellen. Sie haben dann gezählt wieviel wovon denn da so lebt und darüber Buch geführt.
Und was haben sie festgestellt?

Wie die Windschutzscheibengeschichte von oben klar verrät, es sind weniger Insekten geworden.
Könnt ihr ahnen wieviel weniger? Also in Prozentzahlen.
Gebt mal kurz einen Tipp ab und lest erst danach weiter.

Photo by Danilo Batista on Unsplash


Man nennt das Insektenbiomasse, also die Menge der Insekten insgesamt, die in diese Fallen gegangen ist. In diesem Fall handelt es sich genauer genommen um die Fluginsektenbiomasse. Und die ist in den letzten knapp 30 Jahren um 75 bis 82% zurückgegangen.

Das ist ein irrer Wert.
Vor allem wenn man bedenkt, dass dieser Wert ja in Naturschutzgebieten gemessen wurde. Wie schaut das denn aus auf landwirtschaftlich genutzten Landflächen?
Die Forscher, also nicht nur die, die an der Studie mitgearbeitet haben, kommen zu dem Schluß, dass es mehrere Ursachen gibt.

1.) Der Rückgang des unberührten Lebensraumes.
speziell Europa gehört zu den am dichtesten besiedelten und am intensivsten genutzten Landstrichen auf unserem Planeten. Es gibt nicht viel Raum zum Durchatmen.
2.) Die Monokulturen in der Landwirtschaft
Eh klar. Dazu brauch' ich nichts schreiben.
3.) Die Altholzentfernungspflicht in den Wäldern
In D darf Totholz nicht mehr vor sich hinverrotten. Aus Angst vor Schädlingen.

Photo by Vincent van Zalinge on Unsplash


Ein derart massiver Rückgang hat Folgen.

1.) Für die Bestäubung
2.) Für die natürliche Schädlingskontrolle.
Es gibt nämlich gegen jedes Käferchen ein Käferchen bzw. eine Larve von einem Käferchen etc.
3.) Für die Nahrungskette
Vögel, Amphibien und Reptilien ernähren sich häufig von Insekten.

Die ganze Sache scheint nicht nur drastisch und auch durchaus bedrohlich nein das ist sie zweifelsfrei auch.
Und Ja, man kann etwas tun. Jeder Flecken wilder Wiese hilft. Hier könnt ihr nachlesen, was zu einem Insektenparadies gehört.

Ich werde ab diesem Jahr auch einen Bereich im Garten speziell dafür anlegen.
Ich freue mich schon darauf!

gehört im
Ö1 - Radiokolleg

8 Kommentare

  1. Da schwindet mein schlechtes Gewissen bezüglich meinem Garten. Das ist eher Wildwuchs und unberührte Natur, statt englischer Rasen und perfekte Blumenrabatte. Vielleicht hilft ja ein bisschen.....
    Danke für den Bericht
    Herzlichst
    yase

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  2. Klugscheiss - Punkt 3 stimmt nicht, zumindest für Bayern. https://www.waldwissen.net/waldwirtschaft/fuehrung/recht/lwf_zertifizierung_de/index_DE
    Mit diesem Blick sollten sich viele den eigenen Garten ansehen: In den Neubaugebieten überwiegen pflegeleichte Rasenflächen, Mähroboter die kein Gänseblümchen mehr blühen lassen und Stein- und Betonwüste die als moderne Gartengestaltung verkauft werden. Aber dann auf die Landwirtschaft mit dem Finger zeigen.
    Musste auch mal gesagt werden.
    LG
    Martina

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  3. Hallo Susanne,
    Danke für den Beitrag. Das ist echt erschreckend.
    Ich würde gern mehr tun in unserem Garten und freu mich über jedes Blümchen und Bienchen. Aber leider ist es in der Siedlung ziemlich betonig und mit Tiefgarage drunter auch sehr eingeschränkt, was man anbauen kann.
    Ich find den Link für das Insektenparadies nicht im Artikel. Kannst du den noch reinstellen? Vielleicht find ich da ja Ideen.

    Liebe Grüße Brigitte

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    1. Euren Garten find ich echt schön!!

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    2. Link ist eingefügt. Danke für den Hinweis. Hab' ich glatt übersehen.

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  4. Leider kannte ich Zahl schon. Aber sie erschüttert mich trotzdem wieder.

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  5. Hm. Das war zu vermuten. Erschreckend. Ob es deshalb so Mückenplagen gibt? Kann mich nicht erinnern, dass es in der Kindheit so war... Erschreckend. Komme aus Moers, Nachbarstadt Krefeld... Viele Grüsse

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  6. das mit den Insekten an der Scheibe habe ich schon lange bemerkt
    auch wenn ich nicht mehr so lange Strecken Autobahn fahre
    auf der Landstraße geht es langsamer da fängt man eh nicht so viele

    das mit der Totholzentfernung ist mir neu
    bei uns liegt sehr viel im Wald herum (für meine Begriffe manchmal sogar zu viel ;) )

    ich hoffe es lässt sich wieder umkehren obwohl ich fürchte dass es schon zu spät dafür ist

    liebe Grüße
    Rosi

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