Mittwoch, 31. Januar 2018

Stadt - Land .. mein Preptalk

Es ist doch nun mal so, dass ich ein bißchen zwischen Stadt und Landbewohnern vermitteln möchte. Denn, wie ich selber feststellen konnte, kennen wir einander kaum. Oder besser gesagt das Leben des jeweils anderen.
Und das führt zu einer Entfremdung, die ich gar nicht gut heißen kann. Ich persönlich habe 100 Fragen (und die meisten werde ich euch stellen) wie das denn nun so ist, wenn man nicht hier .. bei mir .. wohnt.


Womit ich schon bei meinem kleinen Dilemma bin. Ich wohne in Wien. Mittendrin. Und ich weiß, dass es in Wien Grätzl'n und Winkel gibt, die sich grundsätzlich von meinem Leben beträchtlich unterscheiden. Wien ist groß und vielfältig. Am Ende vom 17ten (Bezirk) ist es anders, ganz anders als drüben in Transdanubien, auch lebt es sich im 9. grundlegend anders als im 11.

Darüber werde ich euch in diesem Jahr auch einiges erzählen, abseits der Linkparty. Für dieselbe jedoch werde ich mich auf das Leben hier bei mir berufen. Auf der Wieden.

Die Wieden liegt mittendrin in Wien

Daher vorab eine kleiner Aufwärm-Vorbereitungspost über mein ganz persönliches Wien.

Ich wohne seit nunmehr 11 Jahren im 4. Bezirk in Wien. Davor war ich im 3. daheim. Davor schon mal im  4. und davor war ich "draußen". Ich bin im Bezirk Mödling aufgewachsen. Klassischer Wien-Speckgürtel.

Der 4. Bezirk heißt die Wieden, man lebt auf der Wieden. Nur damit mir das hier niemand falsch schreibt. Ganz schlimm, ehrlich. Die Wieden ist ein echter Innenstadtbezirk, soll heißen, viele Häuser auf wenig Platz, dazwischen Straßen, Straßen, Straßen. Grün gibt's, ist aber nicht allzu viel zu finden.

Für alle jene unter euch, die es weit und grün mögen: hier auf der Wieden leben 33.000 Menschen auf - festhalten - 1,8 km2. (und nur um euch so richtig blaß werden zu lassen: 1961 waren es 46.000!) Die Statistik Austria besagt, dass etwa 1.800 mehr Frauen als Männer hier leben, 65% der Häuser zwischen 1919 und 1944 gebaut wurden und daß 43% der Bevölkerung auf der Wieden einen Hochschulabschluß haben.
Alles klar?



Ja, ich sag's ganz geradeaus: dieses hier ist eine Besserverdienergegend. Die Ausländer hier bei mir sind tendenziell, aber nicht alle, aus Deutschland und den USA. Der Bezirk ist politisch klar auf der linken Hälfte positioniert. 

Ausgesucht habe ich mir die Wieden selber nicht. Ich war anfangs gar kein Fan von diesem Flecken Beton, aber nach 11 Jahren kenne ich eben auch die Stärken und nicht nur die Schwächen von meinem Winkel Wien. Und naja "es geht eh", sagt der Wiener.
Eben.



Extra erwähnenswert ist die Tatsache, dass ich mitten in einem Museum lebe. Ich habe es lange nicht gesehen, weil es irgendwie so normal ist, aber, mit etwas Abstand wird es schnell klar. Ich lebe in Gehdistanz zur gesamten Wiener Innenstadt. Keine der bekannten Sehenswürdigkeiten ist wirklich weit weg (Anmerkung: außer Schönbrunn). Die Menschen kommen aus aller Herren Länder hierher um sich all das anzuschauen, was rund um unser Leben hier so steht.

Man kommt nach Wien um sich den Ring, die Oper, den Stephansdom, die Hofburg, die Lipizzaner und wasweißichnochalles anzusehen. Da der 2. Weltkrieg glücklicherweise die Stadt zum größten Teil verschont hat, steht sie noch. Geplant wurde die Wiener Innenstadt als Hauptstadt eines Weltreiches. Sie ist eine Visitenkarte des alten Kaiserreiches. Das Reich ist nicht mehr, aber die Stadt .. sie ist noch da. Die Menschen sind gestorben, Neue sind gekommen und wieder gegangen und jetzt lebe eben auch ich hier.
2018 in Zeiten von amazon und iPhone lebe ich in einer Kaiserstadt.



Wenn ich mein Haus verlasse, werde ich regelmäßig von Touristen nach dem Weg gefragt (sie suchen dann immer den Naschmarkt :-)

Ich lebe in einem Museum und in einer Millionenstadt und ich werde euch ab morgen erzählen, wie das so ist.
Und ich erzähle euch das, damit ihr mir erzählt, wie es bei euch ist. Da frisst mich nämlich die Neugier. Denn es ist mit Sicherheit vieles so ganz anders. Manches leichter, manches schwieriger. Aber es ist Realität!



Dies ist kein Contest, kein Wettbewerb um das Wo-ist-es-besser,
nein, dies hier soll helfen das eigene Spektrum ein wenig zu erweitern.
Ich bin bereit. Morgen gibt es hier das erste Thema für euch!
Bis bald!



20 Kommentare

  1. Zu all den geballten Sehenswürdigkeiten hab ichs ein bisserl länger. 30 min Fußweg. Verkraftbar. Dafür liegt mir Schönbrunn zu Füßen und erhebt sich d gloriette.... manchmal, viel zu selten, bin ich geflasht von so viel Schönheit u Kultur in meiner unmittelbaren Gegend. Wir können uns glücklich schätzen u das in einem Bezirk, der früher keinen guten Ruf hatte, der nun aber immer besser wird..... Wien ist schön. Und lebenswert. Und multikulturell, das entgegen mancher politischen Tendenzen eine seiner größten stärken ist, finde ich.

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    1. Der Blick bei dir runter auf die Gloriette ist der Hammer!

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  2. Spannend und so interessant, zu lesen, wie und wo du lebst!
    Ich habe ja schon alles hinter mir. Das Land in der Kindheit, die Vororte in der Jugend und auch mal städtisch. Allerdings nie in einer Millionenstadt. Naja und jetzt leben wir wieder eher im Vorort, (wobei wir innerhalb von 15min. mit dem Auto in der Innenstadt sind.) Und all das in immer wieder neuen Städten und Regionen....
    Ich bin sehr gespannt auf deine Reihe.
    LG Kristina

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  3. Und wie schön, dass das alles keine Theorie für mich ist und auf einmal so ein warmes Sommergefühl in mir aufsteigt. Und der Weg zum Naschmarkt, zum Frühstück, der geht sich in meinem Kopf. Und eine Kastanie, mit netz drunter (lustig!).
    Ein herrliches Grätzel!
    Und weil Grätzel hier ein Veedel ist, hast du mich inspiriert, darüber auch einen Post zu schreiben! Danke!
    Herzlichst
    Astrid

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    1. .. und ich freu' mich schon drauf darüber zu lesen! :-)

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    2. So, der Preptalk ist hier:
      https://lemondedekitchi.blogspot.de/2018/02/stadt-landin-unserem-veedel.html

      Vielleicht schaffst du ja eine Verlinkungsmöglichkeit?
      Bon week-end!
      Astrid

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    3. Wow, schön ist das mit den Links! Da hast du ja ein ganz wichtiges Thema angestoßen, dass die krassen Gegensätze deutlich macht!
      Bussi!

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  4. Ich war noch nie in Wien...... arbeite aber gerade mit einer „frischimportierten“ in Wien lebenden neuen Mitarbeiterin zusammen....
    du warst bestimmt noch nie hier. Mal sehen, ob ich meine Anonymität aufgeben möchte..
    Übrigens: ich habe mich so sehr über deinen Komnentar heute bei mir gefreut!! Du hast es gelesen, ich freue mich und danke dir herzlich für deine Inspiration
    Herzlichst
    yase

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  5. Ich kam über Astrid Ka hier an. In Wien war ich noch nie... es ist für mich zuallererst die Stadt der genialen Friederike Mayröcker. Ich weisz genau, wo ich sie finde, aber klingeln würde ich trotzdem nicht dort.
    Naja, vielleicht mache ich auch noch mit (?) - mal sehn!
    Grüsze aus den Ostgefilden
    Mascha

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  6. Wie Mascha bin ich über Astrid hergekommen. Was für ein spannender Post. Nicht nur, dass er mich zum Träumen von Wien ermutigt hat (eine Stadt, die ich gerne noch ein paar mal besuchen möchte), sondern auch, weil ich gerade selbst umgezogen bin und jetzt richtig Lust habe, mich auch mal mit der Spandauer Statistik zu befassen. Danke dafür!

    Liebe Grüße
    Sabrina

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  7. Auch ich bin über Astrid hierher gekommen, zufällig habe ich gerade eben ein paar Blicke vom Balkon aus auf Deutschlands älteste Kurstadt gezeigt, deswegen lasse ich meinen Link hier.
    https://diejudika.de/2018/02/balkonblicke.html

    In Wien bin ich bis jetzt leider noch nicht gewesen, möchte jedoch gerne einmal dorthin.
    viele Grüße
    Margot

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  8. mann war ich schon lange nicht mehr in Wien....öhöm. mal gucken ob ich nochnen Pretalk schaffe, eh, geht das noch? Wir haben ja schon Februar. oh ich bin etwas ausser die Zeit gefallen. Abendgruß, Eva

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  9. so da ist der pre-talk! Lieben Grußund danke für das Thema. https://fredaimgarten.blogspot.de/2018/02/stadt-land-pretalk.html

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  10. als alte grazerin...würde ich dich auch fragen wo der naschmarkt ist...:))

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  11. Mein Vorwort ist jetzt auch online und ich freue mich auf die Fragen.
    Schönen Sonntag
    Mascha
    http://maschas-buch.blogspot.de/2018/02/wohnen-und-leben.html

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  12. Mich hat es als Wienerin nach 3,5 Jahren in Lyon/Villeurbanne und 2 Jahren in Palaiseau (Vorort von Paris) vor 10 Monaten nach Toulouse verschlagen. Toulouse hat ungefähr 500 000 Einwohner, etwa 1 Million wenn man die Vororte dazu nimmt und 1,4 im toulouser "Gemeindeverbund" in dem zum Beispiel der öffentliche Nahverkehr organisiert wird. Toulouse wächst stark dank der Luft- und Raumfahrtindustrie in der schätzungsweise jeder 7. Erwerbstätige arbeitet, und da habe ich die Beamten der Zivilluftfahrtsbehörde noch gar nicht eingerechnet. Toulouse war nie eine besonders reiche Stadt, zumindest im Vergleich zum Erzrivalen Bordeaux mit seinem großen Hafen und den berühmten Weingütern oder Lyon mit seinen Seidenwebereien. Die alten Häuser sind aus Ziegeln gebaut, das war billiger als Stein und führte zu dem Spitznamen "rosa Stadt". Flugzeuge werden in Toulouse seit ungefähr 100 Jahren gebaut. Im 2. Weltkrieg wurde ein Großteil der Flugzeugproduktion aus den pariser Vororten nach Toulouse verlegt (damit sie nicht dem "Feind" in die Hände falle). Später wurde glücklicherweise der Feind zum Freund und gemeinsam wurde Airbus (auf französisch "Airbüs" ausgesprochen) gegründet. Damit ich mich in einer Stadt heimisch fühle braucht sie einen Fluss und zumindest einen Hügel mit Aussicht. Toulouse hat diesbezüglich gute Voraussetzungen: die Garonne, der Canal du Midi und die Hügel "Jolimont" und "Pech David". Bei klarem Wetter sieht man die Pyrénées.

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