Freitag, 6. Oktober 2017

gesehen KW 39 - Being Black

Vieles ist diese Woche wieder geschehen und vieles kann man daraus lernen. Oder zumindest über einiges einmal gründlich nachdenken.

Ich habe mich dafür entschieden euch heute einen Blick in die Welt der Schwarzen in den USA werfen zu lassen.
Ihr habt vermutlich gehört von dem Streit zwischen D.Trump und der NFL. Der National Football League. Die ganze Sache mit der Hymne vor dem Match und den Spielern, die sich dabei hinknien.
Und das missfällt dem Commander in Chief. Er twittert sich die Finger wund deswegen. (einer von vielen Artikeln dazu aus der Zeit)

Worum geht es denn dabei? Geht es wirklich um die Flagge?
Nein.
Es geht um Rassismus. Es geht um die vielen jungen Männer, die in den letzten Jahren von Polizisten erschossen wurden. Einige davon waren völlig unschuldig, sie sind am Ende nur gestorben, nein, sie sind am Ende nur getötet worden, weil ein Polizist seine Nerven nicht im Griff hatte.
Denn alle diese Männer waren von schwarzer Hautfarbe.


Colin Kaepernick war der Quaterback der San Francisco 49ers und er hat im vorigen Jahr einfach nicht mehr stolz in der Reihe stehen können. Während der Hymne. Als es wieder einmal passiert war.

Er blieb sitzen. Er saß während der Hymne einfach 2 Meter hinter den anderen auf der Bank.
Er hat das bei einem oder zwei Spielen so gemacht, bis ihn ein anderer Football Spieler und ehemaliger Soldat darauf aufmerksam gemacht hat, dass Soldaten auf Begräbnissen ihrer Kollegen aus Respekt vor dem Gefallenen vor der Flagge knien.
Also entschloß sich Colin zu knien.
Das war dann in den Medien und heute hat Colin Kaepernick (durchaus ein guter Quaterback) keinen Job mehr. Es ist ziemlich offensichtlich warum.

Aus dieser Situation heraus ist dieses ganze HickHack entstanden.
Was ich euch aber erzählen bzw. zeigen möchte ist, wie sehr diese Bedrohung durch die Polizei die dunkelhäutigen Menschen in den Staaten in ihrem Leben beeinflusst.

Die Mütter und ihre schwarzen Söhne

Da war zunächst einmal in einer Diskussionsrunde eine Moderatorin, die Söhne hat und die verzweifelt erzählte, wie sie ihrem 15 jährigen versuchte einzuhämmern, wie er sich zu verhalten hat, wenn er auf der Straße von einem Polizisten angehalten wird. In ihrer Stimme lag die pure Panik einer Mutter, die um das Leben ihres Kindes fürchtet.

Das gab mir zu denken.
Die Eltern von dunkelhäutigen, jungen Männern haben mit ihrem Nachwuchs "das Gespräch"!


Wenn schwarze Bürger auf der Straße mit ihrem Auto angehalten werden, dann ist das eine unglaublich streßige und extrem angstvolle Erfahrung.

In diesem Video bricht eine Frau einfach in Tränen aus, weil sie solche Angst hat, als der Polizist neben ihr am Auto steht. Einleitung dazu von Whoopi.


Große, schwarze Männer werden seit laaanger Zeit als Bedrohung betrachtet. Das hat auch ein NFL - Superstar neulich zu spüren bekommen. Michael Bennett - richtig groß, richtig stark und schwarz - wurde auf offener Straße festgenommen. Pistole an der Schläfe, am Boden liegend, den Fuß des Polizisten im Rücken. Das ganze Programm. Einfach so.
Es war abends und er war auf dem Heimweg. Das reicht! (gelesen in der Zeit)

Ich will hier gar nicht den Rassismus zum Thema machen. Es geht mir um die Menschen und die Wunden in den Seelen, die diese Situation reißt!

Es ist dann doch so, dass wir alle (und ich nehme da Europa nicht aus!) noch einiges zu erledigen haben. Was Vorurteile und das Erkennen der eigenen Privilegien geht. Und auf wessen Kosten das alles geht.

Gregg Popovich der Trainer der San Antonia Spurs hat es in einer Pressekonferenz zusammengefaßt, wie ich es so noch nie jemanden sagen hören habe.

"Wir wissen ja gar nicht, was es bedeutet weiß zu sein!"

Seine kleine Rede hat mich sehr berührt, das bebt noch in mir nach. Da kann man tief in die eigene Seele blicken und sich aufraffen mutig zu sein!

Zur Sicherheit habe ich es für euch rausgeschrieben und übersetzt:



"Offensichtlich, das wißt ihr, ist Rassismus der Elefant im Raum über den keiner spricht.
und wir alle wissen das.

Aber solange nicht darüber geredet wird - ununterbrochen wohlgemerkt -
wird es sich nicht verbessern.
die Menschen sind schon genervt: 
„Oh, das schon wieder! Sie ziehen schon wieder die Rassismus - Karte!
Warum müssen wird dauernd darüber reden?“

Weil es uns unangenehm ist!

Da muss ein unangenehmes Element im Diskurs sein, damit sich etwas ändern kann.
(Dann ist da was, das geändert gehört)
Ob das LGBT ist oder die Unterdrückung von Frauen oder Rassismus, egal was.
Die Menschen müssen sich unangenehm berührt fühlen.

Vor allem weiße Menschen, weil für uns alles angenehm ist.

Wir haben noch immer keine Ahnung, was es bedeutet weiß geboren worden zu sein.

......

Es ist schwer zu erkennen:
Ja, es ist als wärst du bei einem 100 Meter Rennen beim Start
schon an der 50 Meter Marke. Und du hast diesen Vorteil

ja, genau, WEIL DU WEIß GEBOREN WURDEST!

Du genießt Vorteile, die systemisch sind.
Kulturell und psychologisch sind sie da!
Sie wurden aufgebaut und einzementiert über Hunderte von Jahren.

Aber viele Menschen ertragen es nicht sich das einzugestehen.
Es ist zu schwierig.
Das ist nichts, das sie täglich vor Augen geführt haben wollen.
Menschen wollen ihre Position/ ihre Stellung behalten, ihren Status Quo.
Sie wollen das nicht aufgeben.

Aber bevor es nicht aufgeben wird, wird sich das Problem nicht lösen."


Und wenn auch nur eine von euch bis hierher gelesen hat und auch nur kurz darüber nachdenkt,
dann habe ich mein Ziel schon erreicht!


MerkenMerken

8 Kommentare

  1. Danke dafür. Ich versuche mir immer wieder bewusst zu machen, wie previligiert ich bin, weil ich weiß, gesund, christlich und hetero bin. Da fällt Frau sein fast nicht ins Gewicht.
    Vor allem dieser unbedachte Umgang mit Sprache a la "das mein ich ja nicht so" ist unerträglich für mich. Was wissen wir, die wir an der 50m Marke starten (um deine Worte zu verwenden) schon, wie das "nicht gemeinte" bei anderen ankommt?
    Mehr Sensibilität, mehr Bewusstsein, mehr Solidarität mit allen, die nicht diese gesellschaftlichen Vorteile per Hautfarbe, Geschlecht, Religion, sex. Neigung o.ä. bekommen.
    Janine

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, das Mindeste ist wahrlich, dass wir es wissen! Dass wir kapieren und realisieren - in vollem Umfang - wie privilegiert wir sind!
      Und aus dem heraus, dann weise agieren - das wäre cool!

      Löschen
  2. Danke und ein schönes Wochenende!
    Astrid
    Könnte dich öfter als Englischübersetzerin gebrauchen ;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Gerne.
      Ich hatte ja eher die Befürchtung zu "know it all" zu wirken, wenn ich die Übersetzung dazuschreibe .. aber jetzt weiß ich, zumindest einer Person helfe ich damit! Merci!

      Löschen
  3. Genau über dieses Thema hatte mich auch ein Post auf FB nach dem Attentat in Las Vegas mal wieder wachgerüttelt. Da ging es zwar eher um die Definition "lonely wolf". Aber eben auch darum, warum er nur einfach als dieser bezeichnet wird. Wäre er schwarz oder Moslem gewesen, hätte alles schon wieder anders ausgesehen und es wäre eine ganze Bevölkerungsgruppe wieder im allgemeinen schuld gewesen. Aber wird jemals eine komplette weisse Bevölkerung angeklagt, nur weil ein Vollidiot ausrastet?
    LG Kristina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja genau: die "lonely wolf" - Geschichte ist genau so ein Ding! Die Worte haben eine enorme Macht über das Denken der Menschen!
      Viele Menschen müssen noch lernen, dass wir im Alltag allein durch die Sprache, die Menschen schon in Töpfe werfen!
      Und dann in Töpfen denken!

      Löschen
  4. Das hast du schön zusammengefasst... danke
    Und Gregg Popovich's Rede hat mich wieder daran erinnert, dass der weiße, heterosexuelle Mann das privilegierteste Wesen unserer Welt ist.
    Bussi

    AntwortenLöschen

Ich freu mich immer narrisch, wenn ihr euch Zeit für einen Kommentar nehmt!

 
© Design by Neat Design Corner