Montag, 9. Oktober 2017

Das falsche Kleid 4 - Kinder und Kleidung


Photo by frank mckenna on Unsplash

Aus meiner Erfahrung als Mutter kann ich folgendes fix sagen:
Kinderkleidung muss vor allem eines sein: WASCHBAR!

Es schadet auch nicht, wenn sie aus Materialien besteht, die einigermaßen ROBUST sind.  Als Mutter wünsche ich mir weiters, dass meine Kinder in NATÜRLICHEN Materialien herumlaufen -soweit möglich (Thema: Regen!)

Die Stücke dürfen, das weiß ich sicher, nicht einschneiden oder kratzen! Kind muß darin auf Bäume kraxeln und bis in den Himmel schaukeln können. Hosen brauchen nicht vorab kaputt zu sein, das schaffen alle Kinder, die ich kenne, selber. Sandbestrahlung inklusive.
Shirts benötigen, solange die Kids weder schreiben noch lesen können, eigentlich keine Sprüche. Egal wie weise, egal wie lustig.

Die Kinder brauchen das nicht!

Photo by Max Goncharov on Unsplash

Die Sprüche auf Babystramplern sind für die Eltern! Das ist ja per se nichts schlechtes, denn Babies für die erschöpften Eltern anzuziehen um denen das Ertragen der anstrengenden Zeit durch ein Schmunzeln zu erleichtern, ist ja okay. Und hilft mit Sicherheit eben auch dem Baby.

Aber irgendwann oder womöglich auch von Anfang an, sollte man seine Kinder für die Kinder anziehen.

Kinder wissen eigentlich immer was sie wollen und vor allem ganz besonders, was sie NICHT wollen. Und das gilt auch für Kleidung.
Da gibt es Kinder, die ganz genaue Vorstellungen haben. Und das muss sich überhaupt nicht mit irgendetwas decken, das frau über Farbenlehre, Sinnhaftigkeit oder Temperatur-Anpassung gelernt hat. Das kann durchaus herausfordernd sein.

Und es gibt die, die sich bezüglich Kleidung praktisch überhaupt nicht äußern. Sie mögen nur die Etiketten nicht im Nacken, weil die kratzen.

Und dann gibt es zwischen diesen beiden Extremen eine unendlich Variation an zwischendurch-Typen. Kinder sind so vielfältig wie das Leben.

Wer seinem Kind den Raum läßt, wird beobachten können, wie sie sich entwickeln. Und das, bis zu einem gewissen Zeitpunkt, ohne sich viel von außen beeinflussen zu lassen.
Sie haben ihren eigenen Stil, ihren eigenen Kopf.

Geht man allerdings los und will für sein persönliches Unikum einkaufen, dann trifft man auf vorgefertigte Klischees im Kleiderformat. Die Modeindustrie ist, was die Aktualität ihrer Rollenbilder  anbelangt, so up-to-date wie Schubert in einem Rave-Club.
Was sie bieten sind Prinzessinnen und Superhelden. Aus.

... Kinder sind deutlich vielfältiger als das!
Sie sind Lausmädchen und Märchenbuben, alle sind sie Entdecker und alle haben sie ihre Theorien über wieso-weshalb-warum irgendwas.
Wenn man ihnen ihre Freiheit läßt, dann brauchen Kinder keine Modehäuser, die ihnen sagen, was sie anziehen müssen um sich wohl zu fühlen.
Denn Kinder wissen, worin sie sich wohlfühlen.

Anmerkung zum Bild: Bub oder Mädel? Egal. Aber 2 verschiedene Socken!
Photo by Clark Young on Unsplash

Geht man online oder auch real in ein Bekleidungsgeschäft, dann ist von alldem nur wenig zu sehen.
Wohlfühlen, sich selber darstellen, das ist nicht das Ziel der Modehäuser.

Wenn man die Augen öffnet, ist diese Masche sehr leicht zu durchschauen. Das zeigt in diesem Video die 8-jährige Daisy. Ihr reicht die öffentliche Dummdarstellerei von Mädchen. Sie hängt am Ende, die cooleren Bubenshirts hinüber in die Mädchenabteilung.
Tja.


Es gibt mittlerweile schon einige Labels, die geschlechtsneutrale Kleidung in der Kinderabteilung bieten.  Zu lesen in der Huffington Post oder hier in der Welt.
Ich habe sowas bisher noch nirgends gesehen.

Wenn mir auch der Schritt ein wenig radikal erscheint, also das Auflösen der Buben- und Mädchenabteilungen, so wünsche ich mir doch, dass sich die Modehäuser an die heutige Realität annähern. Das bedeutet eben auch Röcke mit Dinosauriern und Robotern und rosa Shirts für Buben (Männer tragen ja auch rosa Hemden!)
Es wäre doch interessant zu beobachten, wie und auch ob sich unsere Kinder verändern würden, würden die Modeketten dieser Welt aufhören sie in Prinzessinnen und Soldaten zu trennen.

Bis dahin bleibt nur das Nähen!


PS: Ich bin auf eure Meinungen gespannt! Ich mache mir meine gerade erst!


Alle Beiträge zu dieser Serie findet ihr hier:


11 Kommentare

  1. Liebe Susanne, deine Texte sind einfach wunderbar, vielen Dank dafür.
    Mein Sohn bestimmt von jeher seine Kleidung selbst. Ich mach keinen Stoffeinkauf ohne ihn, denn ich würde garantiert den falschen Stoff kaufen. Er überrascht mich immer wieder, womit er sich anziehen möchte. Als er 4 war liebte er rosa und Röcke. Also liess ich ihn Röcke anziehen. Wir wohnen in einem Dorf. Es brauchte also auch für mich anfangs ein bisschen Mut, uns so in der Öffentlichkeit zu zeigen. Gleichzeitig war und bin ich extrem stolz auf ihn, dass er so klar seinen eigenen Stil trägt, EGAL was die anderen tragen oder sagen. Meine Nichte hat bis sie ungefähr 11 war nur in der Jungsabteilung einkaufen wollen. Jeans und Bundhosen wollte sie nicht tragen, das war ihr zu eng. Also haben meine Schwester und ich ihr Dutzende bequeme "Pumphosen" in jeder Grösse genäht von 4 - 11 Jahren. Kein Schnittmuster hat sich so bezahlt gemacht wie dieses eine :-) Da sie farbige Stoffe liebte, fiel sie auf wie ein bunter Hund. Und auch hier das Erstaunliche: Es war ihr egal. Auf eventuelle Fragen antwortete sie stets mit stolz: "Das hat meine Mama/Tante für mich genäht". Es gab dann Kinder, die wollten auch gerne solche Hosen. Für die haben meine Schwester und ich dann natürlich auch genäht. Was gibt es Schöneres, als einem Kind einen Kleiderwunsch erfüllen zu können.

    Liebe Grüsse
    Marianne

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    1. Wunderbar! Es ist schön zu lesen, dass es nicht nur mir so geht!

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  2. Genau so sieht es aus. Mein - in 14 Jahren Kinder einkleiden - bester Fund (und es war nicht mal meiner, sondern der meiner Tochter und meines Mannes) war ein Star Wars Tshirt in coolen Farben mit dem Logo aus Pailletten. Noch nie zuvor und danach habe ich ein "Mädchenshirt mit typisch Jungsthema" gefunden.

    Es würde alles gehen, wenn die Modemacher mal aus ihrer engen Schublade kommen würden. Und wenn sie die Kinder (und deren Eltern) nicht für dumm verkaufen würden.

    Liebe Grüße
    Janine

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    1. Ich habe extra recherchiert in den Online Shops und ich habe nichts cooles gefunden für Mädchen. Alles immer ein bissi auf weich und harmonisch.
      Das mag hier niemand!

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  3. Da kann ich nur JAJAJA rufen!!
    Danke für den Beitrag, du sprichst mir aus der Seele. Es ist einer der Gründe, warum ich angefangen habe für meine Jungs zu nähen, und mittlerweile (der große ist 5,5 Jahre alt) statte ich sie komplett aus. Mal sehen wie lange noch.
    Aber es hat mich so deprimiert und wütend gemacht, für sie Sachen zu kaufen, dass ich seit Jahren kaum eine Kinderabteilung betreten haben.

    Mein Sohn liebt seinen lila Pulli mit Wendepailletten und den anderen mit rosa Hirschen sehr, warum sollte er ihn nicht tragen dürfen?

    Liebe Grüße,
    Almut

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  4. "Think outside the box"... toll wie sie das erklärt... dieses Kind braucht solche Sprüche eh nicht, dann sie denkt ja schn so!
    Und so im Vorbeigehen "Belive in Unicorns" in der Damenabteilung, wohlgemerkt. Es gibt leider genug Mütter in solchen Shirts, das färbt dann halt doch auch auf die Mädchen ab.
    Bussi
    Birgit

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  5. Liebe Susanne, danke für Deine Serie, danke für Deine Texte, dir mir natürlich alle aus der Seele sprechen!! Danke, dass Du das hier nochmal so gebündelt und treffend zusammenfasst. Unser Sohn ist 4,5 Jahre...und er sucht seine Klamotten aus, seit er ungefähr 1,5 (!) ist. Da hat er schon sehr klar gesagt, was er will (bunt, gerne mit Tieren) und was nicht (dunkle Sachen...welche Überraschung). Außerdem hat er sehr schnell ein Gefühl für unbequeme Schnitte gehabt und auch bunte Teile mit schlechtem Schnitt gnadenlos aussortiert. Das war sehr beeindruckend und ist es eigentlich bis heute :-) Ich finde, dass die Industrie unsere Kinder mit der Mode beleidigt! Sie müssen "Bub" oder "Mädel" sein, nur ja nicht einfach "Kind". Liebe Grüße und nochmal Danke! Karin

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  6. Auch wenn sie sich erst macht, deine Meinung, meine sit deiner recht gleich. Und wer schon eine gemachte Meinung hat - schön. Für den Moment eh super, aber überdenken und innerhalb der nächsten Jahrzehnte zwei, dreimal änder wär normal. Leute mit zu starrer Meinung sind mir suspekt. Solche mit dauernd wechselnder auch - oh Gott, ich bin wahlkampfgeschädigt. Momentan triffte jeder meiner Meinungen in die Richtung ab.
    Heute schon farbenmix geschaut?

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  7. Genau das ist einer der Gründe, weshalb ich mit dem Nähen angefangen habe. Damit mein Sohn und meine Tochter sich nicht so festlegen lassen müssen. Gerade für meine Tochter (7Jahre) fällt mir das Kleidungkaufen in den letzten 2 Jahren echt schwer - ganz besonders in England. Dort habe ich früher sehr gerne für die Kinder eingekauft. Aber für Mädchen ab Größe 128 gibt es dort kaum noch vernünftige Kleidung. Nicht nur die "niedlichen" Sprüche. Alle, aber auch wirklich alle Hosen sind knackeng. Mit Rumrennen, Toben oder gar Klettern ist da nichts mehr. Und ein Großteil der Mädchenkleidung - schon für Siebenjährige - unterscheidet sich nicht mehr von den Frauenmodellen...Kind sein nicht vorgesehen. Wie gut, dass es so viele tolle Stoffe und Schnittmuster gibt!
    Danke für deine interessante Reihe, viele Grüße, Saskia

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  8. Das Video mit dem Mädel ist großartig! Meine Tocher steht immer noch auf Glitzershirts und Tüllröcke, sie kombiniert aber gerne wild Materialien und Muster und zieht auch in letzter Zeit gerne zwei verschiedene Socken an - bevorzugt sogar mit der Innenseite nach außen... Sie hat ihren eigenen Stil, und der ist durchaus körperbetont, aber sie ist auch eine Tänzerin, die ja bekanntermaßen oft in engen Trikots trainieren. Ihr größerer Bruder wollte ihr eine zeitlang rosa und Glitzer verbieten, und ich habe sie verteidigt: Sie DARF rosa und Glitzer tragen AUCH WENN sie ein Mädchen ist. lg, Gabi

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  9. Das Video habe ich tatsächlich vor einiger Zeit mal gesehen, ich fand es klasse - was zum nachdenken, aber leider wird wohl viel zu wenig darüber nachgedacht.

    Mein Sohn its so ein Kind, er zieht einfach alles an - egal, es darf nur keine Knöpfe haben! gar keine, auch keine Zierknöpfe. Wenn es grün ist, ist es super. Und Hosen ebenso, ohne Knöpfe. Langsam wird es schwer, er trägt jetzt 134, ist eben 7 Jahre geworden. Ich mag ihn nicht gern jeden Tag mit Jogginghose in die Schule schicken, andererseits, wieso soll er sich jeden Tag in einer zu engen Jeans mit Knöpfen auf kleinen Stühlen quälen?
    Meine Tochter ist 3, sie sucht sich aus dem Kleiderschrank zielsicher aus, was sie tragen will. Rosa ist ein Favorit, verwundert wenig. Aber direkt im Anschluß kommen alle Teile, die sie vom großen Bruder erbt - und das ist grün und hat Dinos drauf, es ist "kampfergrobt", gut durchgewaschen, ausgeblichen, eingetragen, drückt nicht und eng nicht ein.

    LG
    Zottellotte Sonja

    P.S.
    Mein Sohn hat neulich im Netz einen Stoff mit Dinos in Goldglitzer gefunden - davon will er ein Shirt haben und eine Hose. Das ist jetzt eines meiner nächsten Projekte!

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