Montag, 4. September 2017

Find your own Style - Fotos machen ohne Studio

Blogger und Fotos machen. Die ewige Leier. Easy ist was anderes.

Geht man online nachlesen, gibt es viele Tipps anderer Blogger, die am Ende leider sehr häufig darauf hinauslaufen, dass man 4m2 der eigenen Wohnung in eine Fotostudio umwandelt.
Eine Hintergrund - Leinwand und 2-3 Beleuchtungsspots dazu, fertig.
Ich bin davon kein Fan.
Wohlgemerkt, ich finde Fotostudios okay. Und wer den Platz, das Geld und das ehrlich Bedürfnis dazu hat. Bingo. Go for it.
Aber, ehrlich, wie soll ich's sagen? Wenn man seine gepflegte Handvoll Leserinnen hat, ab und dann ein Foto von sich selber zeigen will, warum dann einen Umbau auf sich nehmen und ein paar Hundert Euro ausgeben. Ich finde das übertrieben.
Was ist geworden aus: "Löse deine Probleme mit dem was du hast!" MacGyver-Style quasi.

DESWEGEN zeige ich euch heute, wie ich Fotos mache für meinen Blog!
Damit ihr seht, dass es auch anders geht.

Grundsätzlich gibt es für mich 3 Arten von Fotos auf meinem Blog.

1. Genähte Einzelteile

Früher habe ich die Kleidung, die ich genäht habe an den Kinder fotografiert. Immer ein Winner! So einen 3-Jährigen kann man ja in alles stecken und es sieht gut aus.
Mittlerweile sind meine Kinder schon größer und ich respektiere und schütze ihre Privatsphäre. Ergo gibt es nicht mehr viele Tragefotos. Ich bin dazu übergegangen, die Kleidungsstücke auf eine weiße Unterlage zu legen und zu fotografieren.  In Größe 86 geht das auch auf einem übergebliebenen Regalboden, in Größe 150+ dann nicht mehr.
Also habe ich ein weißes Brett beim Baumarkt zuschneiden lassen. 1 Meter mal 1 Meter. Kostet fast nix, ist sauschwer und wohnt bei uns hinter dem Klavier!

Ihr kennt diese Bilder von meinem Blog:


2. Genähtes für mich/ Tragefotos

Ich lebe mitten in der Stadt. Es gibt zwar reichlich einzigartige, jahrhunderte alte Hintergründe für ein Foto von mir in meinem neuen Top/Hose/Kleid aber ... da sind auch immer ziemlich viele Leute.
Immer.
Unnötig zu erwähnen, dass die mich alle stören.
Um ungestört mit mir selber per Stativ Fotos machen zu können, müsste ich raus aus meiner Umgebung, weit raus. Was im Alltag keine Lösung ist und somit wegfällt.

Unsere Wohnung fällt auch aus. Denn erstens ist sie zu dunkel und zweitens rammelbummelvoll. Es gibt keine weiße Wandfläche, die frei und solo darauf wartet, dass ich mich davor platziere.

Also bin ich auf die verzweifelte Suche nach einem Stück Wand in meiner Umgebung gegangen. Und habe sie, sprichwörtlich, vor meiner Tür gefunden.
Im Stiegenhaus (Deutschland: Treppenhaus) gibt es eine Ecke, die, wenn man das Tor zum Hof öffnet, einigermaßen beleuchtet ist. Mein Fotoplätzchen.

Ihr kennt die Ecke:

Wenn alles passt (Haare etc.), dann sprinte ich raus in den Gang, platziere das Handy - mit 10 Sekunden Selbstauslöser - und stelle mich tiefenentspannt an meine Fotowand und bete dabei, dass nicht einer meiner Nachbarn gerade nach Hause kommt.

Und um euch das mal so richtig zu vergegenwärtigen, wie wenig Aufwand fototechnisch ich bereit bin zu leisten, habe ich kurzerhand ein Video gemacht.



3. Wien

Ich fotografiere meine Stadt gerne und auch häufig. Meist benutze ich dazu unsere 10 Jahre alte Digitalkamera. Ich lerne seit Jahren mit ihr umzugehen (mit der Kamera), spiele mich viel rum mit ISO, Blende und auch Belichtungszeit. Bis ich das nicht wirklich aus dem FF kann, brauch' ich keine neue und mit Sicherheit "bessere" Kamera. Diese Fotos sind "echte" Fotos. Ich renne rum, ich überlege mir ein Motiv, einen Blickwinkel, nur manchmal schieße ich auch einfach wild in der Gegend rum. (Fotos nicht Kugeln).


Bearbeiten

Ja, ich bearbeite meine Bilder. Fast alle. Ich retuschiere sie nicht. Ich mach mich nicht dünner oder Wien mehr sexy. Nein, ich drehe an der Helligkeit, am Kontrast. Diese Dinge. Das mache ich, weil es zum einen Spaß macht und mir zum anderen am Ende besser gefällt.
Hier die Bilder, die ich in den Videos gemacht habe. Vor und nach der Bearbeitung.


Bei den Bildern von mir kommt dann dazu, dass sie fast immer schief sind und auch perspektivisch ein wenig verzerrt. (Das liegt wohl an der Hektik ;-)
Am Ende der Bearbeitung sind die Bilder dann meist ein wenig körnelig in der Auflösung. Ich bin mir sicher, dass, würde ich die Bilder mit Stativ und Digitalkamera machen, das verbesserbar wäre. Das ist mir aber im Moment einfach noch zu viel Aufwand.
Ergo grieseln meine Bilder eben ein wenig.
Hat auch irgendwie Charme!


Ja, ab und dann retuschiere ich das Fenster weg. Fragt mich nicht wieso. Manchmal muss das Fenster weg. Ist einfach so.

Ich bearbeite die Bilder am Handy (App: Snapseed), oder in Photoshop Elements. Es ist eine Weile her, da habe ich online 1, 2 Kurse dazu belegt. Einfach weil ich mit diesem Programm ohne Anleitung nicht weitergekommen wäre.



Was will ich euch damit sagen?
Findet eure Art Fotos zu machen. Überlegt euch ein bißchen, was ihr wollt. Wie es euch gefällt. Ich stehe zum Beispiel auf weißen Hintergrund für meine Nähwerke. Aber man kann seine Teile auch auf die Rückseite einer Quiltdecke legen (wie es Glitzerblume macht) oder vor eine schwarze Wand hängen (auch super stylisch wie ich finde).
Wofür ihr euch auch entscheidet. Es soll euch gefallen und es soll einigermaßen einfach reproduzierbar sein.

Nicht jeder braucht gleich von Anfang an ein Fotostudio in der Wohnung. Ich will das einfach mal gesagt haben. Irgendwann ist es vielleicht soweit, aber es könnte ja auch sein, dass frau es nur ein paar mal nutzt und dann doch ... naja von wegen ökologischer Verantwortung und so.

Außerdem ist MacGyver Style einfach nur cool!
Immer noch.

16 Kommentare

  1. genial liebe Susanne!!
    mein einziger Verbesserungsvorschlag an dich: nimm ein kleines Klapphöckerchen mit runter in den Hof - da stellst du die Kamera drauf - musst du dich nicht so dolle bücken und bist quasi schneller wieder am Fotoplatz (man wird ja nicht jünger :) )
    ich hab auch bloß ein Stativ (so ca. auf 80cm ausziehbar) und Kamera mit 10sec.-Selbstauslöser
    lie Unschärfe kommt u.a., wenn du den Auslöser scharf stellst und dann ja 30-40cm näher dran bist, wenn du dich zwischen Wand und Kamera stellst.
    liebe Grüße
    Manu

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    1. Hocker klingt nach einer guten Idee!
      Merci

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  2. Erstmal vielen Dank für den erfrischenden und informativen Beitrag. Ich dachte schon, ich gehöre zu den Ausnahmen, weil ich auch keine freie weisse Wand habe. In einem Zimmer habe ich mir mit einem großen Bettuch geholfen. Das hat zwar immer wieder mal Falten, weil,ich es nicht so straff spannen kann, aber bisher hat sich niemand beschwert. Im Sommer mache ich die Fotos vor der weissen Hauswand. Kostet immer etwas Überwindung, weil ich auf dem Land an einer Hauptstrasse wohne. Dummerweise ist das Licht dort immer dann gut, wenn nachmittags Verkehrsstau ist. Aber die haben dann etwas zu gucken ;-)
    Es geht tatsächlich auch ohne Fotostudio, man muss sich nur zu helfen wissen.
    Liebe Grüße,
    Julia

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  3. Danke!
    Manchmal braucht man das einfach wieder gesagt
    Herzlichst
    yase

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  4. Mach ich kaum anders. Nur statt Brett nehme ich zwei weiße Kartons...
    Herzig, der Film!
    GLG
    Astrid

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  5. Das Video ist sooo lieb! Ganz du! Ich bin ja auch gespannt, wie ich meine Fotos heuer im Winter löse, in meinem "Fotostudio" wohnt jetzt meine Tochter und irgendwie glaube ich nicht, dass die das Equipment beherbergen möchte ;-)
    LG Claudia

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    1. Winter ist immer eine Herausforderung! ;-)

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  6. hach, ich lieb es einfach!
    Montag Morgen im Büro. Alle schauen sparsam drein. Dann les ich einen Artikel von dir und muss grinsen.
    DANKE!
    Alles Liebe,
    Tanja

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  7. Das Video ist allerliebst...und auch den Beitrag finde ich herzerfrischend. Schön, dass du dieses Thema ansprichst. Ich finde auch, dass man mit "McGyver-Style" einiges darstellen kann. Da ich Stickdateien erstelle sind meine Motive ein wenig kleiner und ich brauche nicht gar so viel Platz, um diese fotografisch festzuhalten...
    Manche ProbestickerInnen fragen in den Foren immer wieder nach, wie sich denn die fertigen Stickereien "ins rechte Licht" rücken lassen und ich finde manchmal die Antworten die sie bekommen geradezu affig. Da wird dann zu (horrend teueren) digitalen Spiegelreflexkameras geraten und ich bekomme den Eindruck, wenn jemand nicht mindestens zwei Kurse zu "die perfekte Produktfotografie" absolviert hat, darf sie/er da eigentlich nicht mitspielen...und das ist sehr schade, weil es vielen Kreativen den Mut nimmt, ihre Werke zu präsentieren.
    Auch ich mache meine Produktfotos mit einfachsten Mitteln. Ich besitze eine kleine "Kompaktkamera", mit welcher ich auch sonst sehr gerne (und schon sehr lange) fotografiere, habe ein (einfaches) Stativ, fotografiere aber vorwiegend aus der Hand heraus, da Detailaufnahmen der Stickereien sowieso in Nahaufnahme passieren.
    Wer es kann und wem es Spaß macht, mit toller Ausrüstung und "Fotostudio" zu arbeiten, soll es gerne tun - ich persönlich finde es schön, auch mit minimalen Mitteln arbeiten zu können...und tolle Ergebnisse lassen sich damit allemal erzielen. Diese Ergebnisse haben auch meistens einen ganz eigenen Charme - weil die persönliche Note sich darin widerspiegelt.

    Ich kenne meine alte Kamera, weiß, welche Einstellungen ich verwenden muss, um Bilder zu erzeugen, die meinen Qualitätsvorstellungen entsprechen...und diese Vorstellungen sind, trotz fehlender Profi-Ausrüstung, nicht niedrig...
    ;-)

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  8. Ich steh auf das Video :-)
    Alles Liebe Babsy

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  9. Ich hab dir eh schon alles g'sagt... nur eins nicht:
    Du bist VIEL hübscher als Mc.Gyver
    <3 Birgit

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  10. Hallo
    dein Film ist einfach klasse!
    LG
    Zottellotte Sonja

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  11. Mrs.Gyver :-)
    Schönen Gruß von meiner orangen Wand soll ich ausrichten...

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  12. Wunderbar!!!! Und wie (fast) immer in unseren vollen Konsumleben: weniger ist mehr. Man braucht nicht für jedes Hobby den neusten und teuersten Schnickschnack. Aus dem Einfachen das Beste rauszuholen ist anregend und fördert die Kreativität.
    Marianne

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  13. Liebe Susanne,
    das sind wunderbare Tipps, die Du hier gibst.
    Besonders toll finde ich ja die Handyfotos von Dir.
    Hast Du denn einen bestimmten Punkt, wo Du es hinlegst wenn Du die Bilder machst?
    Und ein bisschen retuschieren ist immer gut. Mache ich auch.
    Dir einen schönen Nachmittag, lieben Gruß
    Nicole

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  14. Liebe Susanne, auf diesen Beitrag von Dir habe ich mich gefreut, seit ich noch im Urlaub einen ganz kurzen Blick darauf geworfen hatte. Vor allem das Video: Genial! Mein Fotohintergrund ist der Wohnzimmertisch oder der Küchentisch. Aber mit weißem Hintergrund finde ich es bei Dir total passend. So eine Platte besorge ich mir, dafür wird sich schon ein Plätzchen finden. Ich mag Deine unaufgeregte DIY-Art, Deine Fotos zu machen, sehr. lg, Gabi

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