Montag, 20. Februar 2017

Digital Detox oder Der Spaß am Bloggen kehrt zurück

Es ist ein Weilchen her, da war ein wenig die Luft raus aus dem Bloggen - so dachte ich. Aber ich irrte. Bei genauerer Betrachtung wurde für mich offensichtlich, dass ich mein Verhalten im Netz grundsätzlich verändert hatte.
Genauer, meine Zeiteinteilung.

In meinem Tag gibt es ein Zeitfenster, da bin ich im Netz. Und innerhalb dieses Zeitfensters hatte - unbemerkt von mir - eine Verschiebung stattgefunden. Weg vom Blog hin zu Facebook und Instagram. Beides soziale Medien, die auf kurzfristige Belohnung setzen. Likes und Herzchen führen zu Glückhormonausschüttung, aber nur für kurze Zeit.
Es hat nicht lange gedauert und schon gehörte ich zu denen, die voll automatisiert ihr Handy in die Hand nehmen nur um auf Instagram nachzuschauen, wieviele Herzchen ich denn neu dazubekommen hatte. Das war anfangs echt nett. (.. also vor ca. 2 Jahren).


Auf Facebook war es irgendwie ähnlich und das wo ich fb tatsächlich nicht gut finde.
Das Wesentliche an alledem war aber, dass mir die Zeit zum Bloggen am Ende des Tages einfach fehlte.

Ich bin dann mal in mich gegangen und habe mich gefragt, was ich denn will. Womöglich mag ich dieses Foto teilen ja, womöglich erzähle ich gerne eine Geschichte in einem Bild. Das könnte doch ein Ding sein für mich. Dann müsste ich meinen Blog überdenken, also mein Konzept wie ich meinen Blog verstehe.
Und wie ist es denn umgekehrt? Find ich gut, was ich da so lese, von den Leuten denen ich folge. Was würde ich denn gerne lesen wollen?
Liegt mir das? Gibt mir das was? Bereichert das mein Leben?

Tja, und die Antworten auf diese Fragen waren dann doch glasklar und machten mir die Entscheidung leicht.

Denn ich erzähle zwar ganz gerne mal eine Geschichte in einem Bild. Aber sicher nicht 3x am Tag. Eher 3x im Monat. Insofern würde es reichen hie und da mal reinzuschauen und ein Bild zu posten, das mir wirklich etwas bedeutet/mitteilungswürdig erscheint. Und so reduziere ich zum einen, das was ich selber poste, denn - und jetzt bin ich schonungslos ehrlich - das, was ich zu lesen bekomme von den allermeisten anderen, bereichert mein Leben nicht in dem Ausmaß, wie mir die Sache eben die Zeit stiehlt.

Ich habe mir dazu folgende symbolische Frage gestellt:
Meine beste Freundin legt sich eine neue Topfpflanze zu. Sie stellt sie auf ihr Fensterbrett. Würde sie mir ein Bild davon schicken? Würde ich wissen wollen, dass sie besagte neue Pflanze besitzt? Oder wäre das für mich und auch für sie kein Thema.
Nun, ich habe zwei ganz ganz allerliebste Herzensfreundinnen und ich weiß nicht, wann sie sich ein Töpfchen aufs Fensterbrett stellen. Und das ist auch gut so.


Warum aber tue ich mir dann ebensolche Info von Leuten an, die ich nicht einmal persönlich kenne?
Die einzige Antwort, die ich darauf habe ist, dass Instagram oder eben auch Facebook so funktionieren.
Es dauert ein Weilchen, dann beginnt man Dinge zu posten, die man zu Beginn eben für zu persönlich oder für nicht wirklich Erwähnenswert hielt. Einzig aus dem generierten Drang heraus man müsse ja jetzt mal wieder etwas posten. Aber ... so aufregend ist unser Leben doch hoffentlich nicht ... siehe das Blumentopfbeispiel. Und so kommt es wohl, dass das Gros der Posts für mich eigentlich entspannt "verpassbar" ist.
Sowohl Instagram als auch Facebook machen einen glauben, man sei auf dem Laufenden. Aber in Wirklichkeit verliert mein seine Zeit, seine Lebenszeit damit Topfpflanzenfotos von Fremden zu herzeln.

Nun gibt es aber das Argument, dass einige nähende Bloggerinnen, die ich auch persönlich kenne und die ich auch mag und schätze ihre Werke auf Instagram zeigen. Und die würde ich wohl sehen wollen und dann eben verpassen.
Darauf kann ich nach einiger Beobachtung folgendes sagen: Leider bekomme ich ja gar nicht alle Fotos in meinem Feed zu sehen. Instagram hat ja mittlerweile einen Algorithmus und zeigt mir, was es glaubt, das ich sehen will. Sehr nervig. Wenn ich also sehen will was XX alles genäht hat, dann muss ich sie direkt aufrufen und all ihre Bilder einzeln durchgehen. Und das für alle, die mir am Herzen liegen.
Scherz oder?
Nun, okay ab und dann mache ich das dann bei einer Handvoll Leuten. Oder ...


... oder ich gehe direkt auf ihre Blogs. Da ist dann meist alles zu sehen und die ganze Geschichte doch deutlich entspannter.

Womit ich irgendwie wieder am Anfang bin. Dem Bloggen. Seit nunmehr 2 Monaten reduziere ich Schritt für Schritt mein Social Media Engagement und stecke meine Zeit ganz bewußt in den Blog.
Und der Effekt war sofort spürbar.

Ich habe viel mehr Freude, viel mehr Zeit und fühle mich tatsächlich deutlich besser. Entspannter.
Und
ich habe den Eindruck, dass das was ich abliefere auch besser ist. Also aus meiner Sicht ;-) Es ist wohl doch ein wenig so wie ich es neulich gehört habe:
Wobei ich ja kein Superstar sein will. Aber ich bin lieber inniglich in einer Sache drin, als in vielen herzlos. Das entspricht mir mehr.

Nachdem ich in letzter Zeit wieder vermehrt den Satz "auf meinem Blog ist es zur Zeit etwas ruhiger" vernommen habe, dachte ich ein paar Denkanregungen können ja nicht schaden, daher dieser Post. Mein Weg muss dabei allerdings wahrlich nicht der Eure sein.
Eine kurzes Überdenken der grundlegenden "Wo will ich meine Zeit reinstecken?" - Frage lege ich aber jedem mal nahe, auch wenn der eine oder andere Blog dadurch völlig verschwinden sollte. Ein Schrecken ohne Ende und so .. ihr wißt schon ;-)

Ich habe meine Spaß am Bloggen wiedergefunden.
Happy!


PS: Ich habe gerade gelesen, dass Nokia ernsthaft dieses Jahr das 3310 neu auflegt. Und ich gebe zu, dass ein Telefon, das ein Telefon ist und sonst nix, durchaus attraktiv auf mich wirkt. Digital Detox 2.0 quasi. Nachzulesen hier oder hier. :-)

19 Kommentare

  1. Darüber lohnt es sich doch, nachzudenken
    Herzlichst
    yase, ohne fb, ohne Insta - nur mit Blog

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  2. ich schaue gerne hier rein und brauche da nicht nachzudenken..bin nicht in F und I ...aber durchs bloggen habe ich viele liebe menschen kennengelernt..und nicht nur virtuel...lg

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  3. Sehr schön zu lesen, dass du den Spaß am Bloggen wieder gefunden hast, denn ich schaue sehr gerne bei dir vorbei. Ich würde deine Denkanstöße sehr vermissen.
    LG Kristina

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    1. Danke! Sowas tut immer gut zu lesen! :-)

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  4. Ich freu mich auch, hier wieder mehr Wien -Fotos der besonderen Art zu sehen. Die beiden anderen Social Media bieten mir nichts.
    Einen guten Tag!
    Astrid

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    1. Ich denke, ich werde wieder häufiger Wien-Fotos einstreuen ... just for fun!

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  5. Hallo, schön geschrieben! FB und I sind einfach nur für den kurzfristigen Konsum, ohne Nachhaltigkeit - auch wenn dort niemals irgendwas gelöscht wird.
    Ich stöbere deutlich lieber in den Blogs und lese ein wenig mehr von den Gedanken im Hintergrund.
    LG
    Zottellotte Sonja

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  6. Hi, wie schön, das von Dir zu lesen. Ich hoffe sehr, dass Du mit Deinen Worten auch noch andere Bloggerinnen inspirierst, FB und I links liegen zu lassen. Das wäre traumhaft! Liebste Grüße, Karin (ohne FB und Insta und was es da sonst noch gibt :-))

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  7. Schön, ich bin auch eine lieber-lange-auf-Blogs-Leserin. Und betreibe Facebook und Instagram so wie du das andeutest: Wenn mir etwas richtig taugt, wenn ich etwas unbedingt teilen will, es aber nicht ausführlich genug für einen Blogpost ist, dann poste ich es dort. Auf Insta, geteilt mit Facebook. Ansonsten habe ich meine Zeiten dort radikal reduziert. Und stecke im Übrigen in letzter Zeit viel Zeit ins Machen und Tun und weniger ins darüber Schreiben bzw. Dokumentieren. Insofern auch eine Verschiebung, die mir weniger Zeit zum Bloggen lässt. Alles schön, alles gut.
    Aber Hauptsache du bloggst weiterhin, weil ich deine immer humorigen auch wenn sie nachdenklich sind Beiträge einfach so gerne mag. Liebste Grüße, Gabi

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  8. Sehr schön liebe Susanne, ganz mein style :-).
    Meine " Netz-Zeit" beschränke ich auch sehr bewusst. Ich bin nicht auf fb oder insta oder sonst wo. Ich lese ganz gezielt DEINEN blog (weil er einfach echt super ist), dazu gibt es noch 2 andere, in die ich regelmässig schaue, macht also 3 blog Besuche. Emails check ich 1 bis maximal 2mal am Tag (meist morgens und ev. noch abends). Als digital non native hatte ich eine Zeit, in der ich mit den neuen Internet-Möglichkeiten überfordert war. Stundenlanges surfen im Netz, dann aufschauen und erschreckt feststellen, wieviel Zeit vergangen ist. Und meistens nicht was wirklich Wichtiges erfahren oder gelernt.... Das habe ich eine ganze Weile so gemacht. Schliesslich habe auch ich meine Netz-Zeit neu eingeteilt.
    Noch weiter geht unser 12-jähriger Sohn. Nach vielem und manchmal auch exzessivem Gamen und Surfen im Netz, hat er sich vor ca. 5 Monaten zur Entdigitalisierung entsschlossen. Und er zieht das durch. Ist nicht mehr am laptop anzutreffen, ausser wir schauen uns am Wochenende einen gemeinsamen Film an. Er ist wirklich ein grosses Vorbild für mich und meinen Mann, die wir beide nicht entdigitalisert sind. Mag sein, dass die digital natives das manchmal besser hinkriegen als ihre Eltern...
    Liebe Grüsse
    Marianne

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    1. Pfoah!
      Danke Marianne!
      Du siehst mich digital erröten! :-)

      Entdigitalisierter junger Mann in der Familie ... beeindruckend!!

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  9. Wie schön. Ich lese lieber auf Blogs, bin zwar auf FB, aber mehr um zu lesen und es war ein Weg mit einer Gruppe zu kommunizieren... Ich gehe gezielt auf Blogs. Deine Denkanstösse mag ich. Lese lieber Bücher als Zeitschriften und sollte auch öfter offline sein. Viele Grüsse

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  10. Ich lese deinen BLog sehr gerne, und finde es generell schade, wenn die Leute auf instagramm oder fb abwandern. Das ist mir alles zu viel und zu kurzlebig. Bei einem Blog kann ich blättern, im Archiv nachlesen und hab viel mehr davon. Umso mehr freue ich mich alos, dass du deinem Blog treu bleibst. Und so ein Nokia habe ich noch in der Schreibtischschublade liegen :-)

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    1. Danke Angela,
      und das mit dem Nokia in der Lade find ich skuril brilliant!

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  11. So sehr es mich juckt einigen von euch auf Instagram zu folgen... schließlich mag ich feine Bilder ja so gerne... ich bin froh immer widerstanden zu haben.

    Unser Leben ist so reich, so vielfältig. Ich finde eine große Aufgabe der Erziehung -und das hat ja auch immer mit uns Erwachsenen zu tun- also eine große Aufgabe ist es den kindern beizubringen, dass sie nciht überall dabei sein müssen, nicht alles haben, besitzen müssen.

    Wir haben schon drei Spielzeugtraktoren im Haus. Das Kind will regelmäßig einen weiteren dazu und versucht mich zu bezirzen. Ich könnts mir Leisten, aber ich WILL nicht noch einen kaufen. Kann er mit dem eigenen Taschengeld gerne machen - ist er aber zu knausrig dazu. Na dann eben nicht. Und ich könnte dich auch auf Instagram verfolgen, die Zeit würd ich auch noch irgendwie finden. WILL ich aber nicht. Ich mag eine frei einteilbare Zeit haben. Deshalb ist meine Beschränkung nur Blogs zu lesen eigentlich eine große Freigabe für andere Dinge.

    Das ist es, denk ich, was wir unseren Kinder vermitteln müssen. Beschränkung (man kann auch Konzentration oder Fokussierung sagen) nimmt nicht nur weg sonderen macht auch andere Möglichkeiten auf.

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    1. Seufz
      der erzieherische Aspekt
      Klar
      den mussstest du mir jetzt noch um die Ohren fetzen ;-)

      Verzicht will gelernt sein. Da hast du zweifelsohne recht!

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  12. Den Nagel auf den Kopf getroffen! FaceBook und Instagram sind Fastfood! Zu Bloggen ist Slowfood :)
    Liebste Grüße

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  13. Dein Artikel, liebe Susanne, läßt mich sehr nachdenklich hier sitzen... FB und instagramm sind nicht meins, mein Blog verschlingt schon sehr viel Zeit, will gepflegt und gefüttert werden... Und genau darüber muss ich mal ernsthaft nachdenken....
    Danke dafür und liebe Grüße, Katrin

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