Montag, 7. November 2016

Offene Ohren oder die Sache mit der Klassik

Ich hatte das Glück in meiner Kindheit durch meine Mutter einen Zugang zu klassischer Musik zu erhalten. Es lief bei uns zwar viel Radio und der Hauptanteil der familiären Gesamtbeschallung war poppig, rockig geprägt, aber ab und dann, legten wir Platten auf und da waren eben Stücke, die so aus dem Radio nicht zu hören waren.


So kam es, dass mein Ohr als Teenager einfach offener war, als das meiner Klassenkollegen. Nicht falsch verstehen, ich bin brav vor dem Radio gesessen und habe die Hitparade auf Kassette aufgenommen, war ganz Aug' und Ohr, als MTV die Bühne betrat, aber, meine Ohren verschlossen sich eben nicht automatisch, wenn etwas Klassisches an sie herantrat.

Irgendwann dann fing ich an zu singen, abseits der Dusche, in einem Chor.
In meinem Chor waren alle meine Freundinnen. Er war der große, soziale Mittelpunkt in unser aller Leben. Eines Tages dann erweiterte sich unser Gospel, Lieder & Musical Repertoire und wir sollten Mozart's Requiem einstudieren.
Ich war eine der Wenigen, die das Stück überhaupt kannte. Es gab viele gerümpfte Nasen. Klassik. Igitt!
Tja, und dann passierte, was unweigerlich passiert, wenn man sich mit einem Stück Musik näher beschäftigt, über Monate, Note für Note, Ton für Ton, Klang für Klang. Wir verliebten uns! Hals über Kopf. Und unwiederbringlich. Mozart eroberte uns im Sturm. Und wir ihn. Denn wir waren gut. Richtig fetzig. Kraft, Energie. Wir haben das Ding gerockt. Es war einfach nur geil!

Es gibt viele Stücke, die wir noch gesungen haben und wenn ich sie heute höre, dann bringt diese Musik meine Seele zum Schwingen, wie es eben nur diese Art von Musik vermag.

Ein paar Takte aus Mendelssohn's Elias - Meine Stimmlage: Alt
Ich erzähle das hier, weil es wichtig ist meine Motivation zu verstehen. Heute bin ich die Mama und deswegen erklingt bei uns im Haus regelmäßig klassische Musik. Weil ich meinen Kindern diese Welt offen halten möchte. Ich liebe es, wenn sie Musik hören. Egal was, egal wie laut. Ich möchte einfach nur, dass ihre Ohren sich nicht in Ignoranz verschließen, wenn Musik auf sie trifft, die nicht aus der Hitparade oder irgendeinem hippen Album stammt. Deswegen bin ich da bewußt aktiv.
Keine Ahnung, ob jemals ihre Seelen so tanzen werden, wie es die meine tut, aber die Möglichkeit würde ich ihnen gerne offen halten.

Projekt "offene Ohren"

Meine Herangehensweise:

Es ist für meine Kinder immer wichtig gewesen, wenn etwas - wasauchimmer - weltberühmt ist.
Der Eifelturm.
Berühmt.
Michael Jackson.
Berühmt.
Star Wars.
Berühmt.
Alles ist immer gleich ein wenig wichtiger und interessanter, wenn ich versichern kann, dass viele viele Menschen dieses Buch/Film/Musikwerk/Person kennen.

Also steige ich auf diesen Zug auf.
Berühmte Musikwerke, die man durchaus kennen sollte. Mit einem Hauch Zusatzinfo. Fun Facts. Videos. Gossip. Wasauchimmer!
Just for fun! No strings attached. Nur Ohren offen halten.

 Begonnen haben wir mit dem Halleluja aus Händels Messias. Ein Brüller!


Hier die Info, die ich dazugegeben habe (kindverständlich):

Damals, also 17hundertirgendwas, da gab's kein Radio, da hat man sich keine Musik zu Haus angehört, während man Lego gebaut hat oder so. Damals gab's Musik nur, wenn man sie gemacht hat. Selber. An einem Instrument, oder gesungen. Und natürlich gab es Leute, die auf der Straße gesungen haben. Irgendwie so wie heute auch, nur ungleich wichtiger, wenn man Musik mochte.
Und natürlich gab es Musik in der Kirche. Und das war dann nicht nur ein Typ mit 'ner Gitarre (ja, ich weiß, war keine Gitarre). In der Kirche war aber richtig große Show; ein Orchester und ein Chor. Das war quasi wie Disco!
In heilig halt.
Man stelle sich vor wie sehr das reingefetzt haben muss. Dieses "Halleluja", dieser Rocker! Die Mähr will es, dass König George II angeblich vor Begeisterung aufgestanden ist, als er es das erste mal gehört hat. Und weil niemand sitzt, wenn der König steht, standen alle auf. Bis heute hat es sich daher erhalten, dass in britisch angehauchten Gegenden des Globus die Besucher des Messias aufstehen, wenn das Halleluja erklingt.

Das hat ihnen, meinen Kindern, gefallen.
Aber noch besser fanden sie den Halleluja - Flashmob im Einkaufscenter.



2 Tage lang hat es hier im Haus regelmäßig ge"Halleluja"t, weil ich das so wollte und dann ist es passiert. Mein Sohn summte es bei der Autofahrt.
Bingo!


Halleluja Zusatzinfo:
Das Halleluja ist aus dem Oratorium "Messias" von Georg Friedrich Händel. Und ja, auf den Bildern sieht der Händel aus wie der Bach! Der Messias ist irre lang. Echt jetzt. Das Halleluja ist das 39. (!) Stück im Messias und dann ist es immer noch nicht aus!
Mehr dazu hier bei wikipedia - Messiah!


Lang habe ich gesucht.
Hier ein Scan eines Fotos von mir im Chor!
MeinGottistdaslangeher!

12 Kommentare

  1. Oh ja...... So bin ich via Zauberflöte dazu gekommen.... Das allerbeste Musikerlebnis war "Lucia von Lammermoor", live im Opernhaus! Und immer wieder Musicals, Operetten.... Und die Zauberflöte.
    Die Drachenkämpferin mag Klassik mittlerweilen auch sehr.... Bei Tigerherz werden wir sehen. Er hört sehr viel Musik, und singt selber sehr oft
    Herzlichst
    yase

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  2. Einfach den Kindern "Komm lieber Mai und mache" vorsingen und schon ist Mozart ins Liedgut eingeführt :)

    Sehr effektiv und klappt schon bei meiner dreijährigen.

    LG Anja

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  3. Ist das ein neues Projekt, auch für Bloggerland? Nun bin ich ja - Dir sei Dank ( ja, du hast auch dazu beigetragen, das vergess ich dir nie! )- ausgestiegen aus der professionellen "Ohröffnerei", habe aber immer auch entsprechende Projekte in der Schule durchgeführt und u.a. auch einen Rap zur Oper "Hänsel & Gretel" mit Hilfe einer echten Sängerin aufgenommen. Irgendwas bleibt immer hängen bei den Kindern, so die Hoffnung.
    Übrigens geht auch gut: Malen zu Mahlers 1. Symphonie, 4. Satz oder Mussorgskys "Die Nacht auf dem kahlen Berge"!
    Eine gute, kreative Woche!
    Astrid

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    1. Wir könnten was für Bloggerland draus machen! ich gehe zur Zeit "aus dem Bauch heraus vor", bin für Anregungen und Ideen absolut zu haben!

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  4. Du hast da die Noten von Eversmiling Liberty in der Hand!!!! Kreisch!!!! Hüpf! Spring! Ich liebe es!!!!!! Ich habe nicht mal ein Foto davon wie ich es gesungen habe, aber ich dürfte wohl ähnlich grün um die Nase gewesen sein wie du!

    Wie so oft im Leben: Je breiter das Interesse, desto besser!

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    1. Breit ist gut und Eversmiling Liberty muss halt. Geht doch nicht anders!

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  5. Hallo!
    Ohhhhh, ein Klassik-Post, ich liebe Klassik! Ich bin auch seit Jugendtagen ein Klassik-Fan und immer allein mit diesem Interesse gewesen.
    Doch seit ich ein Kind habe, habe ich einen an meiner Seite, der diese Vorliebe mit mir teilt. Immerhin musste das arme Würmchen schon zu seiner Geburt Mozarts 40. Symphonie hören, also kein Wunder! Schön, dass es noch mehr von der Sorte gibt! (damit bist du jetzt gemeint liebe Susanne)

    Was uns gemeinsam auch Spaß macht ist, bei Hörspielen mit zu tanzen und zu schauspielern, geht super bei "Peter und der Wolf" und "Karneval der Tiere" (mein Favorit). Einfach Musik aufdrehen und so tun, als wäre man Balletttänzer und das Gespielte/Gesagte nachahmen wie auf einer Bühne, macht unheimlich viel Freude und trainiert (fast) alle Sinne. Vielleicht ein Einstieg für Mamas, die Kinder spielerisch an Klassik heranführen wollen.

    Kleiner Tipp noch für Vivaldi-Fans: In der Wiener Karlskirche spielt es beinahe jede Woche das Jahreszeiten-Konzert live, wir waren einmal dort, wunderschön!

    Ach ja, wie geht es dir eigenlich ohne Gallenblase, bist du schon wieder fit?

    Lieben Gruß Fia

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  6. Du glaubst gar nicht, wie ich mich über Deinen Post gefreut habe. Genau so ist es . Musik verbindet, egal wo. Ich habe Deine Gedanken bei meinem heutigen Post aufgegriffen, wenn es Dich interessiert: http://farbmagie.blogspot.de/2016/11/musik-musik-musik.html
    Weiter viel Freude beim Hören und Singen!
    Magdalena

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    1. Ui - da freue ich mich und lese gleich mal nach!!

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  7. Liebe Susanne,
    tolle Sache! Noch 49 solcher Erklärungen (kindgerecht) und du kannst ein tolles Buch draus machen und veröffentlichen :-) Nein, ganz im ernst: es hat Spaß gemacht zu lesen und ich werde das meinen Kindern genau so auch mal schmackhaft machen, heute gibt es aber erstmal Leonard Cohen auf die Ohren, aus Gründen.
    Viele Grüße!

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  8. Oh ja, Klassik. Ich war nie in einem Chor (wollte mal, ging nicht), hab aber wirklich, wirklich lang und ziemlich gut Blockflöte gespielt. So nicht als "zuerst lernst Blockflöte und dann lernst ein g'scheites Instrument", sondern zuletzt 3-4 mal die Woche und richtig schwere Sachen. Bachs Brandenburgische Konzerte sind super als Düdelidü im Hintergrund beim Mathe-Aufgaben-Machen, probiert's es mal aus! Die konzentrieren so schön. Und inzwischen ist die Eltern-bringen-Kindern-was-bei Rolle bei uns verdreht: Der Sohn singt in einem tollen Chor und verschafft mir regelmäßig das Vergnügen richtig ausgezeichneter klassischer Konzerte, mit profesionellen Solisten und Musikern und allem Pipapo. Ich sehe das jetzt, wie toll so eine Chorgemeinschaft sein kann. lg, Gabi
    PS: Ich unterstütze das Buchprojekt "Susanne erklärt Dir die Klassik" uneingeschränkt und enthusiastisch!

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