Montag, 8. August 2016

Aus dem Leben - des Nachts


















So eine Fussball WM macht einen schon wehrlos. Wehrlos müde wohlgemerkt. Keine zwei Wochen und schon schau’ ich konsequent schief in den Tag. Aber das liegt nicht nur am runden Leder. Denn wir erleben zur Zeit wieder mal eine mittelschwere Kinderwanderung.

Ohne, dass sich die völlig ausgeklickten Eltern wehren können, liegen wir nämlich des Nachts plötzlich zu viert im Bett. Ich bemerke es meist zuerst daran, dass mein Polster weg ist. Kurz darauf wird mir ungewöhnlich warm. Ich will mich umdrehen aber das geht nicht, weil da schon jemand liegt. Ich rücke bleischwer etwas an den Rand, bloß gibt es dort keine Decke. Da mir aber noch warm ist, reicht mir der Zipfel, der mir gnädigerweise zugedacht wird. Vorerst. Nach gefühlten 4 Schlafminuten ist mir dann aber doch kühl und auch mein Nacken will etwas Polster haben. Ich hebe meinen Kopf und versuche schlaftrunken die Situation zu überblicken: das liest sich dann in etwa so: Kind, Polster, Fuss von noch einem Kind, das unpraktischerweise auf der Decke liegt - Kopf am Fussende, Mann kurz vor dem „AusdemBettfallen“.

Ich ziehe an meinem Polster, aber der kleine Mister löst sich nicht davon, sondern kommt einfach mit.  Ein gutes Drittel kann ich mir aber doch erobern. Die Sache mit der Decke ist schwieriger. Die kleine Miss liegt komplett darauf. Schwächlich ziehe ich an der Decke. Nichts passiert. Ich schlafe wieder ein. Mitten im Traum fällt mir ein, dass neben dem Bett die zweite Decke liegt, damit könnte ich die kleine Miss zudecken. "Dass der nicht kalt ist? Nein, kalt war ja mir!" Genau. Also wieder hoch. Ziehen an der Decke bis das Kind quasi runterkullert. Dann decke ich sie zu. Sie liegt jetzt quer am Fussende. Glücklich  kuschele ich mich unter die Decke auf meinem Drittelpolster am Rande des Bettes ein und kippe wieder weg.

Wie lange das gutgeht weiß ich nicht. Denn bei der nächsten Bewegung - meiner oder der einer anderen Person kann ich nicht sagen - beginnt das ganze irgendwie wieder von vorne. Bloss dass diesmal jemand anderer an der Decke zieht. Ich kämpfe und klammere mich stur an die Decke. "Mir war gerade wieder angenehm warm. Nein, ich gebe die Decke nicht mehr her." RUMS! Da trifft mich ein Arm. Der kleine Mister umarmt mich. Sehr süß, aber auch sehr warm! Und überhaupt: "Schieb' rüber Junge! Das geht nicht, dass die Mama halb vom Bett hängt." Schlafen ist manchmal ein Kampf! Ich schiebe ihn in Richtung Ehemann. Da drüben muss ja fussballfelderweise Platz sein.
Während all dem muss ich meine Beine angewinkelt halten, damit ich nicht die kleine Miss aus dem Bett schubse.
Entspannung sieht anders aus.
Egal, ich bin schon längst wieder eingeschlafen.

Die Sequenz wiederholt sich leicht variiert noch ein paar mal bis mir der Gedanke kommt „Man müsste die Kinder einfach in ihre Betten zurücktragen!“ „Ein guter Gedanke“, denk ich und nicke wieder weg.
Irgendwann bemerke ich eine deutlich Entspannung in der Polster- und Decken-Thematik, die nach schlaftrunkener Recherche daher rührt, dass mein Mann nicht mehr im Bett liegt.

Und das ist dann meine Grenze. Denn das ist eines meiner Gesetze: in mein Bett gehört nun mal mein Mann. Nennt mich altmodisch. Ohne ihn, mag ich nicht. Nein, das geht nicht. Ich torkele also zum Sofa, wo mein persönlicher Lieblingsriese eingekringelt liegt und stachele ihn auf zum Kampf. "Wessen Bett ist das? Unseres? Ihres? Na also."
Die Kinder werden gemeinsam wieder in ihre Betten verstaut.
So.

Herrlich!
Platz. Luft. Decke. Polster. Mann. So definiert sich Glück des Nachts.

Zumindest bis sie wiederkommen.
Oder der Wecker klingelt.







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14 Kommentare

  1. Guten Morgen!

    Herrlich.... ich habe gerade herzhaft gelacht. Gut, dass der kleine Knautsch, der seit Anbeginn mit in unserem Bett schläft, noch nicht so viel Platz für sich beansprucht.
    Super, ich freu mich auf das, was kommt, wenn er wächst ;-)

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  2. Unsere Kinder nennen das "Rudelschlafen"! Das ist sehr beliebt - bei den Kindern - wird gerne mal als Belohnung eingesetzt. Wie gut, dass wir ein Bett haben, in dem wir alle fünf bequem liegen können. Nur der Hund steht um Mitleid und Einladung bettelnd am Fußende ;-)
    Schlaf schön,
    Kathrin :-)

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  3. Oh, ja dies Nachtwanderungen kenn ich auch. Wir haben beobachtet, dass der zweite meist bald nach dem ersten kommt. Egal in welcher Reihenfolge, das jeweils andere Kind muss merken, wenn es auf einmal alleine im Zimmer liegt.

    Ich mag das aber gar nicht, ich bin nach so einer Nacht mit "Nah-Kampf-Kuscheln" mit dem kleinen Herrn ganz fertig und meist etwas grantiger am Tag. Ich will meine Ruhe im Bett, ich kann nicht schlafen mit Rucksack und schon gar nicht, wenn mir der ständig irgendwelche spitzen Ellenbogen, Knie, Schultern oder sonst was in den Rücken rammt.
    Der kleine Herr besitzt dann auch noch die Frechheit meinen Polster ganz für sich zu beanspruchen, mich an den Rand zu drängen - warum schaffe ich das bei dem kleinen Menschen nicht - und dann auch noch zu sagen "geh weg, das ist mein Bett". Hallo, wo spielt sich das ab...
    Unsere Strategie ist, dass nach meinem Mann die Kids weniger kommen, wenn sie am Abend noch mit gekuschelt habe. Kann er ruhig machen. Ich sage ihnen beim in Bett bringen noch mal ganz klar, dass das ihr Bett ist, und sie auch bitte darin schlafen sollen. Meines ist nur für Notfälle für sie offen. Ich habe auch schon gedroht, dass ich einen Zaun drum rum baue.

    Das Aufwachen heute war perfekt und das obwohl es Montag morgen mit Wecker war. Es gab keine Gäste im Bett, herrlich. Bitte, jeden Morgen so.

    lg dodo

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  4. Herrlich!!!
    Wir haben dass Glück, dass unsere Große nicht mehr kommt! Aber wenn die Kleine dann mal wieder kommt, so viel Platz in Anspruch nimmt, als wäre die Große auch noch mit da!!!
    Am schlimmsten ist wirklich diese rumgerödel in der nacht!!!
    Meinen Mann macht es aber noch rasender als mich, ich habe mich damit irgendwie arrangiert, aber meinen mann darf man am nächsten Tag erstmal nicht ansprechen....
    Auf geruhsame Nächte
    Kristina

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  5. Das was sich bei uns des Nachts öfter abspielt, kann man wohl ohne zu übertreiben als "Völkerwanderung" bezeichnen.
    Kind 3 schläft schon im großen Bett ein, das (umgebaute) Gitterbett sei fürs Baby reserviert. Aha. Kind 3 wird schlafend in sein Bett gelegt. Papa und Mama schlafen ein, eigentlich eh schon zu dritt im Bett, der Bauch ist mittlerweile doch schon recht raumfordernd. Eine Stunde später kommt Kind 2 und muss aufs Klo. Geht nur mit Begleitschutz. Kind 2 geht in sein Bett zurück-juhu! Wieder eine Stunde später kommt Kind 1. Schlecht geträumt. Kann nur im großen Bett weiterschlafen. Uff. Kind 3 muss das gemerkt haben und tapst auch daher. Nochmal Uff. Kind 2 will natürlich nicht immer benachteiligt sein (sogar im Schlaf glaubt das arme Mittelkind das ärmste von allen zu sein) und quetscht sich noch ans Bettende. Uffuffuff. Papa kriegt von all dem natürlich nichts mit, erst als sich Mama leise schimpfend über das Kinderkuddelmuddel und den nicht mehr vorhandenen Platz beschwert, wird er wach und beschwert sich, warum sie denn so einen Lärm machen würde! HALLO?????? Mama zieht frustriert und hundemüde ins Bett von Kind 2 um. Das merkt Kind 2 natürlich auch im Schlaf und tapst hinterher. umpf... In den frühen Morgenstunden wackelt dann auch noch Kind 3 daher, will natürlich nur bei Mama schlafen und das Drunterunddrüber geht von vorne los. Grrr!
    Zum Glück ist nicht jede Nacht so. Aber die werden schauen, wenn Kind 4 nicht mehr kompakt zusammengerollt an Mama hängt sondern selbst Platzansprüche stellt. Na dann...gute Nacht!
    glg, Carmen

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  6. Hihi, das kennen wir auch. Unser Bett ist glücklicherweise groß und noch erweitert durch ein Kinderbett. Heute nacht habe ich mich aber auch wieder gewundert, wie wenig Platz auf so einer großen Spielwiese sein kann. Meine Mädchen sind da sehr seltsame Wesen, die wollen nämlich gar nicht kuscheln, die wollen nur bei uns schlafen. Und so liegen sie meist quer im Bett, die Große bevorzugt auf Kissenhöhe. Beneidenswert der von uns, der den Kopf abbekommt. Die Mittlere liegt grundsätzlich auf der Decke, auch im tiefsten Winter. Nur der Kleine hat es gut, der liegt in seinem Bett und schläft. Aber wenn sie mal nicht kommen, fehlt doch irgendwie etwas... :-D

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  7. ui, da kann ich nicht mitreden, außer eins der kinder ist krank, - dann sind sie in unserem bett zu finden. ansonsten sind sie eher der seltenen gattung "alleinschläfer" zuzuordnen. puh! glück gehabt! :-) gekuschelt wird ab und an in der früh....

    lg kathrin

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  8. Da bin ich ganz bei Dir, mein Bett ist MEIN Bett. (nicht altmodisch, gesunder Egoismus) Als ich vor Kurzem zwei Nächte hatte, an denen ich in der Früh kaum aufstehen konnte (Schlafmangel war das geringste Übel), weil ich die Propellerbeine der Maus abwechselnd im Kreuz, Bauch oder Nacken hatte, deshalb der Bewegungsapparat nur eingeschränkt funktionstüchtig war, ich in der zweiten Nacht auf die Couch gewandert bin und mich gefragt habe: "Gehts noch? Das ist mein Bett!!!", kam eine klare Ansage und Bettenverteilung. Geht doch! ;-)
    Alles Liebe, Martina :-)

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  9. wie immer genial! Und das Bild erst!
    lg
    Anja

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  10. In meinem Bett liege nur ich!!! ... oder keiner :-)
    Mein Bett ist absolut kinderfreie Zone! Nein, ich habe kein Kind das alleine schläft - ich ziehe jede Nacht um. dann schlafe ich auf einer harten Matratze, habe keinen polster raufe um Decken... lies einfach mal bei dir einen Absatz weiter.
    Aber irgendwie bin ich glücklich. Mein Bett ist kinderfrei, das wollte ich immer. Ein Bett für mich allein, o.k. es ist nun auch oft allein, aber alles kann frau echt nicht haben.

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  11. Ich hab gelacht, mein Mann nicht... :-))
    Es tut gut zu lesen, dass wir nicht alleine sind! :-))

    LG, claudia

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  12. ...und ich hab es zwar gestern nicht geschrieben, aber gedacht, dass wir grad immer recht viel Platz in unserem Bett haben...
    Das war ein Fehler - die letzte Nacht war sehr durchwachsen und ich kann meine Augen kaum offen halten!
    LG, Claudia

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  13. Hihi, habe herzlich über deine Bettgeschichte gelacht ;-). Ach, das kenn ich leider nur allzu gut ;-). Ab und an ( Gott sei Dank ) kommt meine Kleine auch gerne vorbei......und dann kämpfe ich auch ;-). ZUm Glück kommt mein Großer nicht. Aber auch ich bin da "altmodisch"....mein Mann gehört neben mir.

    Liebe Grüße,
    Kadi

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