Montag, 27. Juni 2016

Wie mich mein leerer Kleiderkasten glücklich macht

Ich hatte ausgemistet. (nachzulesen hier) In großem Stil. Ich hatte mich verabschiedet von Kleidern, die ich früher mal sehr mochte. Ich hatte mich verabschiedet von all den Leiberln, Mänteln und all dem Zeugs, das meinen Kasten besetzt hatte und das irgendwie alles so kompliziert machte. Das ist 15 Wochen her. Fast 4 Monate.
Was ist passiert?


1. Das Glück

Nach kurzer Zeit (etwa einer Woche) bemerkte ich, völlig unerwartet, dass ich happy war. Happy mit meiner Kleidung, mit dem was ich täglich anhatte.
Ich fühlte mich wohler, weiblicher, cooler. Einfach so! Ich hatte nichts Neues dazugekauft.
Da ich ja nur aufgehoben hatte, was ich liebe (nicht, was ich vielleicht noch brauchen würde oder was teuer war oder gar ein Geschenk  huahahaha), hatte ich - logisch - auf einmal nur mehr meine Lieblingssachen an.
Geil!

2. Der Look

Ich fand und finde es bis heute, dass ich schlagartig jeden Tag gut angezogen bin. J.E.D.E.N Tag. Und ja, das gilt natürlich für meine Maßstäbe. Was Anna Wintour von meiner Art mich zu kleiden hält, ist hier nicht von Interesse :-)

Neulich am Morgen. Alarm. Der kleine Mister hatte vergessen mir von seinem Ausflug zu erzählen und nun hatten wir nicht vorbereitet, was vorzubereiten gewesen wäre.
Also Zeit geschaffen, indem ich ihn, nach den Not-to-dos zur Schule gefahren habe. Ich war noch im Pygiama als mir eröffnet wurde wiewaswoKatastrophe.
Also ging ich zu meinem Schrank, nahm mir schnell was raus.
So sah ich dann aus.
Das wäre früher undenkbar gewesen.

3. Die Ordnung

Es war plötzlich immer aufgeräumt. BEI MIR! Ich bin eine Auszieh-Fallenlasserin. Immer gewesen. Aber es ist tatsächlich wohl ein wenig so, dass ich kein Aufräum-Gefühl mehr habe.
Da ich ja nach dem Ausmisten allen Teilen beim Wiedereinräumen einen Platz im Kasten zugewiesen hatte,  räume ich die Sachen eben nicht mehr weg, sondern nur an ihren Platz. Jedes Fetzchen hat ein zu Hause. Ich muss nix irgendwo reinstopfen oder dazuquetschen. Easy!
Das ist eine ganz andere Wahrnehmung, lang nicht so pflichtbelegt, viel mehr ein Lieblingsteilchen-an-sein-Plätzelchen-bringen-Spiel.

Oh mein Gott - ich habe sogar ein bißchen Spaß dabei!

4. Die Vorlieben

Durch die überschaubare Menge und den doch einigermaßen erkennbaren Stil, wird mir und wurde mir deutlich klarer, was ich denn eigentlich so mag.
Endlich!

Meine Hosenlade  :-)

5. Die Frage

Ich fühle mich ja plötzlich wohl in meiner Kleidung. Warum ist das auf einmal so? Hm? Wieso?
Nun, weil sie mir entspricht. Ich fühle mich wohl darin, weil sie mich darstellt. Meine Persönlichkeit. So auf "das kleine ich bin ich". Verständlich?

Es dauerte nicht lange und mir wurde klar, dass ich über meine Kleidung sehen kann, wer ich bin. Ich fühle mich wohl, entspannt, weil ich es bin. Und wenn ich mich dann in den Spiegel schaue, dann ist es das erste mal seit langer Zeit, dass ich mich sehe .. mich .. nicht die Mutter, die Frau und in welches Klischee ich halt noch so reingestopft werde .. mich. Mein Marketing-bereinigter Kasten zeigt mir mein Inneres.

Hätt' ich nicht gedacht!
(mehr dazu hier nachzulesen)

6. Der Bedarf

Zu guter Letzt kann ich jetzt nach fast 4 Monaten auch erkenne, was für Kleidungsstücke in meinem Kasten fehlen. Und ich kann auch ganz klar erkennen, wie ich gerne hätte, dass sie denn aussehen. Damit hat die ganze Marketingerei bei mir deutlich weniger mitzureden. Das mag ich!

Meine Shirtlade - bis letzte Woche hatte ich 2 (zwei) Kurzarm-Shirts 
und kam super damit aus! Und zwar nicht weil das Wetter mäßig war! (die ausge-x-ten Teile werden gehen)

An dieser Stelle möchte ich folgendes sagen:
Nicht jede Frau kommt damit klar ihre Hosen und Shirts so stark zu reduzieren, wie ich das hier getan habe. Ich hatte nie die Mengen an Kleidung, die viele bei sich so haben. Ich will euch hier auch gar nicht sagen, dass ihr das genauso machen müsst. Was ich euch sagen und zeigen wollte war, dass frau wirklich nicht viel braucht. Ich hätte es selber nicht geglaubt.

Ich bin von Mode nicht besessen, war mir nie so richtig wichtig. Aber an dieser Stelle muss ich erwähnen, dass ich zur Zeit erlebe, welch seelenbestärkende, Ruhe bringende Wirkung es auf mich hat, wenn ich mich jeden Tag wohl fühle in dem, was ich trage.
Das kannte ich vorher so nicht.

Es ist ein Nachdenken wert. Ein klarer Umgang mit dem eigenen Kleiderkasteninhalt und die überraschend positive seelische Wirkung, die das haben kann. 
Ich empfehle es!



Faire Kleidung für
eine gesunde Seele!




22 Kommentare

  1. Wiedermal ein toller Beitrag von dir, danke! Ich spiele auch schon lange mit dem Gedanken meinen Kasten mal ordentlich zu "bereinigen" und werde das bald in Angriff nehmen (und freu mich irgendwie schon drauf)!

    lg Martina

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    1. Nimm dir ein paar Stunden Zeit, mach' dir nette Musik und überleg' dir vorher, was du mit dem Aussortierten machst. Das muss nämlich am selben Tag raus aus dem Haus! WICHTIG

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  2. Liebe Susanne,

    ich muss sagen ich beneide dich. Ich versuche minimalistisch zu leben und mein Kleiderschrank ist wirklich nicht voll. Ich miste zu gerne und regelmäßig aus ;-) Und ja - ich kann das Gefühl verstehen, dass du beschreibst. Aber mir fehlt eindeutig noch die totale Gelassenheit und Zufriedenheit, die du an den Tag legst. Respekt. Ich hoffe ich komme irgendwann auch an diesem Punkt an. So wirklich sicher, was mein eigener Stil ist, bin ich mir nämlich leider noch nicht.

    LG,
    Kerstin

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    1. Ich bin nur teilweise gelassen .. sei dir versichert ;-)

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  3. Liebe Susanne. Ich bewundere diesen Rundum-Kahlschlag in deinem Kleiderschrank. Ganz so rigoros bringe ich es nicht fertig. Bei mir geht das so Stück für Stück. Immer wenn ein neues selbstgenähtes Teil in meinen Schrank einzieht überkommt mich das Bedürfnis auszumisten und so verschwinden immer ein paar Teile mehr... Tatsächlich habe ich jetzt Jahre lang viel zu kleine Jeans aufgehoben - nun, wo ich wieder rein passe, hab ich sie alle aussortiert (warten jetzt darauf upgecycelt zu werden).
    Jedenfalls dauert dieser Kahlschlag bei mir einfach etwas länger.
    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Auch ein Weg! Ich konnte meinen Bedarf (also was soll ich mir denn nähen) erst nach dem Ausmisten erkennen.

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  4. Liebe Susanne,
    das hast du sehr schön geschrieben- das befreiende und zufriedene kann ich spüren!
    Mir ging es vor ein paar Jahren ähnlich- ich hebte alles auf, was ich je getragen habe, Jahrelang... Und dachte, wenn ich nach dem ersten Kind wieder abgenommen habe, pass ich wieder rein, dann nach dem zweiten Kind, wenn das erste in der Schule ist und ich mehr Sport treibe, wird es mir schon passen... Bis ich akzeptiert habe, dass ich jetzt bin, wie ich bin und ganz brutal aussortiert habe, denn- FALLS ich mal so viel abnehmen sollte, dann nähe ich mir alles neu. Alles. Basta. Und jetzt habe ich ein paar Basics im Kasten und bin genauso happy damit, wie du. Und es stört mich nicht, dass ich ein Shirt drei mal in der Woche gewaschen habe und dass ich letztes Jahr bei Schulfest im gleichen Gewand dort war, wie heuer, denn so wie es ist, bin ich eben happy.
    Jetzt bin ich schon wieder ordentlich in Fahrt gekommen, was :-)))
    Ich freue mich auf weiter Happyberichte von dir,
    liebe Grüße Magdalena

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  5. "Ausziehen-Fallenlasserin" hihi! Wie mein Liebster. Ob der sich das wohl auch abgewöhnt, wenn wir mal seinen Kasten ausmisten? Dein Beitrag ist wieder einmal so herzerfrischend! In den kommenden zwei Wochen werde ich meine Ausmist-Aktion (die sich viel mehr in die Länge gezogen hat als Deine, andere Taktik) endlich zu Ende bringen und mich dann auch unheimlich freuen. Denke ich mal. Du hörst Dich so grund-zufrieden an, das ist schön. Liebe Grüße, Gabi

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    1. yepp, kastentechnisch bin ich grundzufrieden!
      100 Punkte

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  6. Ha da kann ich ja mitreden. Wir haben auch so Schubladen wie ihr und vor ein paar Wochen hat der Mann festgestellt das seine Hemden nirgends einen richtigen Platz zum aufhängen haben und er da gerne einen Schrank bauen möchte, ich wollte aber mal so garkeinen neuen Schrank und noch ein Möbel das zustopft. Nach ein paar Tagen kamm mir die Idee die Schubalden zu misten und dann auch nach diesem Einrollsystem einzuräumen was zur Folge hatte das eine ganze Abteilung von Schubladen frü eine Kleiderstange und Männerhemden frei wurde und es sind sogar noch zwei Schubladen leer. Was für eine Befreiung!
    lG Melanie

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  7. Die wohltuenden Wellen spüre ich bis hierher!

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  8. Ich hab auch schon so viel augemistet - aber noch so viel. Ich liebe deine Laden mit den wenigen Hosen. Ich hoffe ich schaffe es auch noch bis dorthin! Wäre eigentlich ganz easy. Im Job muss ich mich sowieso umziehen. Was ist es das mich hindert reduzierter zu leben? Vor allem von den Hosenanzügen für Sitzungen kann ich mich nicht trennen, obwohl ich nur noch Kleider zu anziehe. Voll pelmplem. Beklopfte Grüße Martina

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    1. Ach plemplem ist sooo normal!
      Mach dir mal deswegen keine Sorgen!! ;-)

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  9. Ich liebe diesen Beitrag!!! Du sprichst mir aus der Das-will-ich-auch-Seele! Ich habe meinen Schrank schon zig Mal ausgemistet, aber nach wie vor finde ich nix darin zum Anziehen. Jetzt nach der zweiten Schwangerschaft ist es noch viel elendiger geworden und ich denke mir immer wieder RAUS DAMIT! Dein Beitrag motiviert mich noch viel mehr und ich kann es nun kaum erwarten die Sache in Angriff zu nehmen! DANKE!
    Ganz lieben Gruß!
    Susanna

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  10. Liebe Susanne,
    du hast so Recht, es ist so genial und befreiend, wenn man selbst erlebt, wie wenig man (FRAU) eigentlich braucht, um sich wohlfühlen. Mein Aha-Erlebnis hatte ich, als mein Mann mal vergessen hatte, einen Urlaubskoffer für mich einzupacken. Ich musste dann also mit sehr wenigen Sachen auskommen, okay, durfte mir das Nötigste dazukaufen, aber es hat funktioniert!!! Gar nicht soooo schlimm, sondern durchaus machbar. Seither habe ich ein anderes Bewusstsein und es geht mir sehr so wie dir, egal, was ich mir greife aus meinem Schrank, es ist ein Wohlfühlteil und passt zu mir.
    Liebe Grüße, Bettina

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    1. Na, die Koffergeschichte, nenn' ich mal eine Rosskur ... aber wenn's hilft mit der Einsicht ;-) ;-)

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  11. Hallo,
    danke für Deine inspirierenden Worte, ich fühl mich voll motiviert, wieder mal auszumisten. Obwohl ich sowieso 2x im Jahr aussortiere (Flohmarkt-Zeit), bleibt immer wieder sehr viel im Kasten zurück, das ich fast nie anziehe. Und zwar weil ich eine sehr sentimentale Nudel bin und fürchterlich an Dingen hänge, zweitens gibt es da noch ein zusätzliches "Problem", dass mir nicht ermöglicht einfach das anzuziehen was ich eigentlich mag. Aus diesen Gründen wird mein Kasten nicht weniger, aber ich klammere mich jetzt an diesen und andere Posts von dir und versuche Fortschritte zu machen.
    Vielen Dank und weiterhin viel Spaß mit deinen "leeren" Schubladen
    Fia

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  12. Dein Beitrag ist sehr inspirierend. Dass du sagst, du bist mit weniger trotzdem gut angezogen motiviert mich unheimlich direkt mit dem Ausmisten loszulegen. Ich habs mir ja schon länger vorgenommen... Weniger ist einfach mehr ;-)
    Lieben Gruß,
    Julia

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