Montag, 25. April 2016

How to Fashion Revolution - 5 Tipps

Fashion Revolution. Wie macht man das? Warum? Wie ist das jetzt mit den billigen Shirts und wie ist es mit den teuren?
Nun ja, um ganz ehrlich zu sein. Gehst du in ein Einkaufscenter, du wirst vermutlich kein einziges Kleidungsstück finden, dass nicht unter menschenunwürdigen Bedingungen entstanden ist. Und zwar völlig unabhängig ob billig oder teuer.
Menschenunwürdig in so vielfältiger Hinsicht, dass mir das Grausen kommt. Es beginnt bei der Baumwolle (siehe mein Baumwoll-Video für mehr Info), geht über die Webereien und Färbereien bis hin zu den Nähfabriken, in denen Unmenschliches verlangt wird, für einen Lohn, der schlicht keiner ist.
Ein T-Shirt, egal ob um 5 oder 50 Euro, hat in seiner Entstehung beinahe ein Weltreise hinter sich (angebaut hier, gewebt dort und am Ende wieder ganz woanders vernäht), Wasser vergiftet, Menschen ausgebeutet, Kinder vom Schulunterricht abgehalten und, wie im Fall von Rana Plaza, Menschenleben zerstört. Kostbare einzigartige Menschenleben!

Für ein Shirt!

Soweit der ganze Kaas. (Käse)
Ich könnte noch Bücher füllen mit der Verachtung, die ich für diese Industrie des Scheins und Möchtegerns empfinde. Ich denke, ihr wisst was ich meine.


Was also tun?

Es gibt sie mittlerweile zu Hauf'. Die FairFashionBlogs. Irgendein 20jähriges Wesen hat umgestellt. Auf fair, auf bio. Sie trägt größe 34 oder 36, lebt mit ihrem Freund zusammen und empfiehlt der Reihe nach kleine, feine Designerlädchen, wie sie sie ja gar nicht so selten gibt.
Ich finde das gut und beachtenswert. Aber an meiner Realität geht das vorbei. Sowas von.

Ich bin Mutter. Für mich persönlich auf bio und fair umzustellen ist maximal dahingehend eine Herausforderung als mir die Zeit schlicht fehlt, ausführlich zu recherchieren, wenn ich ein paar Socken brauche. Aber an sich, bin ich voll dabei, beim Umstellen (siehe meine fair me Serie - weißes T-Shirt, Daunenjacke, Sommeroutfit).

Geht es aber um meine Kinder, dann sieht die ganze fair/bio Welt doch ganz anders aus. Das Angebot ist mehr als spärlich, wenn du Hosen suchst für einen 10-jährigen. Cool bitte, nicht ethno.
Mindestens einmal im Jahr muss man seine Kinder komplett, K.O.M.P.L.E.T.T., neu einkleiden! Eine Herausforderung!
Dazu kommt der Faktor Geld. Fair Gehandeltes ist nämlich nicht billig. Und selbst wenn du deinen Kindern keine 15 Shirts in den Kasten legen willst, schränken die Kosten die Möglichkeiten ein. Wenn du zudem mehr als ein Kind im Jahr ausstatten musst, dann mal Gute Nacht. ;-)
Grausame Realität.

Wäre ich dazu noch eine Mutter ohne meine Essensprobleme, dann hätte ich vermutlich nicht die freundliche Standardkleidergröße, die ich jetzt habe, sondern gehörte zur rundlicheren, "müttlicheren" Sorte. Das faire Angebot diesbezüglich habe ich auch noch auf keinem Blog gesehen, der im Anschluß  in einer Frauen-Zeitschrift hochgelobt wurde (warum eigentlich?)

Ich finde das falsch. Im Familien-Leben auf fair und bio umzustellen ist mehr als schwierig. Selber nähen ist, statistisch gesehen, keine Lösung. Viel zu wenig Leute nähen. Um wirklich etwas zu verändern, muss man viele Leute erreichen. Würden z.B. 90% der Männer ihre weißen T-Shirts fair  kaufen (ein Angebot, dass es reichlich gibt, bio und preislich akzektabel - Beispiel hier nachzulesen) .. na dann BoAHA!

Das ist das Ziel. Viele müssen jeweils ein bißchen etwas ändern!
Also




1. Stell dir die Frage: Was BRAUCHE ich?

Hör auf impulsiv zu kaufen. Wenn du eine Jeans brauchst, gehe und kaufe dir eine Jeans - Es gibt sie fair und auch bio. Reichlich. Aber kaufe dir nicht eine Jeans, 5 Tops, 2 Jackerln und ein Kleid.

2. Wenn du kaufst, schau ob du es fair bekommen kannst.

Bleiben wir bei der Jeans. Du brauchst eine. Dann gehe online. Suche fair produzierte Jeans. Probier' es aus! Du wirst vermutlich fündig werden. Brauchst du etwas, das es nicht fair gibt, dann kannst du immer noch losmaschieren und es draußen kaufen. Das gilt vor allem auch für Kinderkleidung und Damengrößen, die nicht so einfach zu bekommen sind und natürlich für Schuhe.
Gewöhne dir an zuerst zu schauen, ob du es fair finden könntest.

Anmerkung: Wenn du "faire Kinderkleidung" googelst, wird das registriert. Man kann auf Google abfragen, welche Suchbegriffe wie oft gegoogelt werden und so feststellen, ob es einen Bedarf dafür gibt. Firmen machen das. Wenn ihr also aktiv sucht, wird das registriert.

3. Zahl' soviel, dass es schon ein bißchen weh tut!

"Wir wissen von allem den Preis, aber von nichts mehr den Wert!" - ja, so ist es. Kaufe dir GOTS zertifizierten Stoff und nähe dir die Jeans selber. Stundenlohn mit Versicherung, Pensionsanteil, Maschinenkosten etc. etc. Du wirst nicht unter 100 Euro kommen. Niemals. Also gehe den Schritt. Such dir die Jeans, die dir gefällt und zahle, was sie wert ist. Auch wenn's weh tut. Besonders dann. ;-)

4. Buy less, choose well

Vivan Westwood hat das gesagt. Das Ziel ist ein Kasten mit den Sachen drin, die du trägst. Und nicht ein Kasten voller Sachen, die du nicht trägst.
CHOOSE WELL!
(muss man auch üben - ihr werdet noch ein paarmal daneben greifen und Dinge kaufen, die dann doch nicht eure Farbpalette sind, oder euch doch nicht stehen .. Training meine Damen! Trainning! ;-)

5. Achte darauf, wem du dein Geld gibst.

Soll heißen: kaufst du die Jeans in der Boutique um die Ecke (die Dame dort zahlt Steuern) oder online bei a*** (zahlt keine Steuern). Kaufst du dir eine maßgeschneiderte Jeans und hältst so einen Schneider am Leben, oder sponsorst du die großen Ketten.
Es ist dein Geld.
Ich weiß, manchmal muss es schnell gehen und die Tochter braucht akut Strumpfhosen. Da hat man keine Wahl und läuft zur Ausbeuter-Kette. Das muss auch erlaubt sein.

Es geht darum das eigene Verhalten zu ändern und Schritt für Schritt zu erleben, dass man tatsächlich umstellen kann. Auch wenn man Größe 46 trägt und 3 Kinder hat. Ein paar % kriegt man hin. Und zwar leichter als man denkt!
That's Fashion Revolution!


Und falls ihr glaubt, ihr seid mit eurem Anliegen alleine, dann blättert durch den Katalog oder seht euch all die nähenden Damen in diesem Post an. (Die Beiträge dazu findet ihr hier Katalogbeiträge und hier - FashionRevolutionBeiträge) Jede einzelne von ihnen ist mit dir auf deiner Seite! Wir alle arbeiten daran - an der Fashion Revolution!

Und wir geben nicht auf!
Nur, dass ihr's wisst!
:-)






Hier noch kurz ein Wort an die Teilnehmerinnen: Danke! Es tut so gut zu wissen, dass es euch gibt und dass ihr eure Ohren und Herzen offen habt. 

9 Kommentare

  1. Das kann ich nur so unterschreiben! Danke für deine ganze Arbeit und dein unermüdliches Aufklären!
    Aber auch für die Ehrlichkeit, das es mit Kindern manchmal nicht immer möglich ist!
    Ganz liebe Grüße
    Kristina

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  2. Punkt 1 und 4 find ich besonders wichtig - und im Prinzip easy umzusetzen. Es wird allgemein viel zuviel gekauft ...
    Ach, auch sehr nachhaltig und familienfreundlich-günstig: Second Hand.
    Liebe Grüße
    Christiane

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  3. Super! Kleiner Tip für Interessierte: Manomama.de und Sina Trinkwalders Buch 'fairarscht'

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  4. Ich kann das alles zu 100% unterschreiben. Ich habe 5 Kinder und konnte mir nur bio gar nicht leisten, und Teenager sind meist von selbst genähten Klamotten wenig begeistert. Ich versuche an allen Ecken und Enden aufzupassen. Aber man muss schon sagen, dass bio was für Besserverdienende ist. Man findet zwar viele Möglichkeiten, aber es ist nicht einfach. Deine Initiative ist auf jeden Fall richtig. Danke dafür.
    Magdalena

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  5. Super Post. Ich löse das 3 Kinder - nicht soviel zeit zum nähen - nicht so viel Kohle um alles fair zu kaufen - teenagerkind will nicht mamamade und biologische - Dilemma mit second Hand. Ausbeuterware in second Hand ist für mich kein Konsum, weil es bereits konsumiert wurde. LG nina

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  6. Toller Artikel, der mir auch aus der Seele spricht! Seit knapp einem Jahr wird selbst genäht oder tatsächlich nur das gekauft, was wir wirklich benötigen! Zwar versuchen wir darauf zu achten, dass es fair und ökologisch produziert wurde, aber oft spielt natürlich da auch das Geld mit rein ... aber wenn man nur das kauft, was man wirklich benötigt, denke ich ist es ok! Und wenn man die Ausbeuterketten gar nicht mehr bekauft, haben die Frauen die für diese nähen am Schluss keine Arbeit mehr ... ist also auch irgendwie ein zweischneidiges Schwert, finde ich! Aber wie du so schön geschrieben hast, ein bisschen mehr darauf achten und ein bisschen ab und zu bei den Ausbeutern kaufen, sollte machbar sein! ;)

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  7. Liebe Susanne,

    danke für deinen tollen Post! Gerade bei Kindern sag ich immer: Second Hand ist immer bio - gerade bei Kindern gibt es da ja zum Glück genug Angebote an Basaren mit Klamotten und Spielzeug (ein nicht weniger ausbeuterischer Markt).

    Und für mich selbst gucke ich auch gern im Second Hand, bzw. plündere gerne den Kleiderschrank meiner Mama. Alle halbe Jahre hat sie immer Sachen abzugeben. Und ich muss nicht mit einem bis drei Kleinkindern im gepäck in die Stadt fahren und mich an irgendeiner Garderobe anstellen. Klamotten shoppen hasse ich wie der Teufel das Weihwasser, wenn ich ehrlich bin, auch online. Aber da bin ich vielleicht auchn bisschen komisch %-).

    LG und weiter so!
    Sonja

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  8. Hallo Susanne!

    Super Beitrag und die beiden Collagen mit uns allen an den Nähmaschinen sind total cool geworden.

    Deinen Beitrag habe ich in unserer FB-Gruppe EiNaB geteilt. Falls Du sie noch nicht kennst, möchte ich Dich auch gleich herzlich dazu einladen.

    Bei unserer Linkparty einfach.nachhaltig.besser.leben #EiNaB und in der FB-Gruppe teilen wir Beiträge zu nachhaltigem Lebensstil.

    lg
    Maria

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Ich freu mich immer narrisch, wenn ihr euch Zeit für einen Kommentar nehmt!

 
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