Montag, 15. Juni 2015

Aus dem Leben - Sie kommen und gehen

Man hat’s ja nie leicht mit dem Elterndasein. Das klingt pauschal. Ist es auch. Der Wahrheit entspricht es trotzdem.

Im konkreten Fall leide ich, weil mein Sohn demnächst die Volksschule verläßt. Und zwar genau zu dem Zeitpunkt, an dem ich endlich die Eltern seiner Klassenkameraden 1. erkenne, 2. dem richtigen Kind zuordnen und 3. teilweise sogar mit Namen ansprechen kann.

Vier Jahre hat es gedauert. Dieser soziale Kraftakt.
Es ist doch so: Man sieht sich. Vor der Schule. Vor der Klasse. Wenn man Glück hat mit Kind, was die korrekte Zuordnung enorm erleichtert. Man sieht sich. Ja. Aber meist kurz. Zu kurz. Zudem ist man dabei noch beschäftigt oder unter Zeitdruck.
Im ersten Jahr stellt man sich einander noch vor. Gerne auf Nachfrage auch mehrmals. Bezeichnenderweise meist als „Mama/Papa von..“. Irgendwann hört sich das dann auf. Der unausgesprochene Konsens besagt wohl: nach einem Jahr kennt man sich. Punkt.

Dann kommen die Sommerferien und die sind in Österreich bekanntlich richtig gut lang. Man kann sich denken, was das mit so einem armen Eltern-Namens/Gesichter-Gedächtnis macht.

Das 2. Jahr entpuppt sich dann als Trainingseinheit der anspruchsvollen Art. Man grüßt sich freundlich und vermeidet tunlichst jede Art Satzbau, die einer Erwähnung des Namens bedarf.
Immerhin kennt man im 2. Jahr schon die Kinder.
Okay, die Meisten.
An das 3. Jahr kann ich mich nicht wirklich erinnern. Leute, die Zeit verfliegt!
Ich weiß nur soviel. Mittlerweile bin ich soweit, dass ich ein paar Mütter richtig gerne mag. Von vielen habe ich die Handynummer, die mailAdresse sowieso. Ich weiß Benny braucht kein Lego mehr und Annelie darf keine Nüsse essen. Ich weiß der Papa von Franziska ist Anwalt und die Mama von Angie arbeitet an der Uni.

Ich fühle mich wohl. Die Elternabende verbringe ich mittlerweile nicht mehr mit lauter mir fremden Personen. Nein, ich kenne die Fremden jetzt. Wir haben eine gemeinsame Geschichte. Unsere Kinder haben Lesen gelernt, sie waren zusammen auf Schullandwoche und haben ihre ersten Schularbeiten geschrieben. Wir haben sie gemeistert. Die Volksschule. Gemeinsam.

Irgendwie fühle ich mich ihnen verbunden.
Und jetzt.
Gymnasium. Neue Schüler. Neue Eltern.
Alles wieder von vorne.

Man hat’s nicht leicht mit dem Elterndasein!

8 Kommentare

  1. ja, aber im gymnasium ist so ein kraftakt im ausmaß der volksschülerschaft nicht mehr nötig. das reduziert sich, glaub mir... ;-)
    lg kathrin

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  2. Ist doch super! Dann stehen dir jetzt ganze 8 Jahre mit neuen Eltern bevor! :-) Und ein paar von den alten werden bestimmt auch bleiben. Alles Liebe, Astrid

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  3. Tja und wir haben am Freitag erfahren, dass die Klasse in die der 6jährige geht, nächstes Jahr auf andere Klassen aufgeteilt werden muss. Also alles wieder auf Anfang! Ju-hu!
    glg, Carmen

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  4. Bei mir kommt jetzt das zweite Kind ins Gymnasium...
    Beim Großen gab es in 4 Jahren 2 Elternabende, nur einen Schul Elternverein, keinen für die Klasse... in 4 Jahren gab es auch 3 Klassenvorstände, was gar nicht gut tat... ich denke dein Namesgedächtnis wird nicht überstrapaziert werden... das reduziert sich dann auf das Merken und Zuordnen der diversen Lehrpersonen auf die einzelnen Fächer.
    Also alles ganz easy... zumindest Namesntechnisch.... alles andere... spannend würde ich sagen
    :-) LG Birgit

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