Mittwoch, 13. Mai 2015

Wie man sich freut, so wird man zitiert

Ich wurde kürzlich gefragt, warum sich denn der Österreicher nicht richtig freuen kann.
Wie bitte?
"Naja, beim Song Contest voriges Jahr, der Kommentator, der hat gar nicht gejubelt."

Daraufhin habe ich mal ein wenig im Netz recherchiert, denn in meiner Erinnerung war da sehr wohl große Freude. Aber ich weiß, dass ich nichts weiß. Also Nachschauen.
Und da waren sie dann, die Kommentare der Leute, die beim Videoschauen den Eindruck hatten: der freut sich gar nicht!
Das muss ich jetzt mal erläutern.

Nun meine lieben Leserinnen von außerhalb; Andi Knoll (so heißt der gute Mann) hat sich gefreut. Sehr sogar. Und zwar so sehr, dass ihm das Österreichische durchgegangen ist. Er war fassungslos, erstaunt. Platt, wenn ihr so wollt.

Und das zeigt sich in der Wortwahl, direkt aus dem Herzen. Er sagte nämlich:
"Conchita Wurst .. Österreich gewinnt den Song Contest 2014!" .... laange Pause: "DAS ..  ist .. unglaublich"... und im Ausatmen, ganz tief aus dem Herzen, hängt er dran
"jetzt hot uns die den Schas gewonnen"

So
das heißt weder, dass er den Song Contest nicht mag, noch, dass er ihn gar nicht gewinnen will. Es ist im Österreichischen, und im Wienerischen speziell, üblich Dinge, die einem wertvoll sind mit Worten zu belegen, die abfällige Bedeutungen tragen. Die Tschesn (schreibt man das so?) ist ein altes, mitgenommenes Auto, aber, ohlala, man liebt seine Tschesn. Das Wort ist abwertend, die Bedeutung jedoch inniglich.

"Jetzt hot uns die den Schas gwonnen", ist demnach nur in Gefühlen zu übersetzen. Ich habe überlegt, aber kein deutscher, sinngebender Satz kann die komplexe Szenerie, die in diesen Worten steckt vollinhaltlich wiedergeben.
Da ist ganz viel Staunen drin, da ist viel liebkosendes Abwerten drin. Da steht der kleine Andi Knoll vor dem riesigen, riesigen, glamourösen Song Contest und sagt: "Bah!" Und weil der Österreicher, und der Wiener speziell, nicht gern die Goschn (den Mund) hält, muss man die Dinge eben so ausdrücken.
Das ist alles! So freut man sich hier, wenn man's gar nicht mehr packt! Jaja! :-)

Und genau deswegen, weil das so ehrlich und weil es so genial zeigt, wie man bei uns hier so tickt, deswegen habe ich mir ein passendes Shirt für den ESC 2015 gebastelt.

Das Damenshirt wird fair produziert in Belgien, allerdings ohne zertifiziertes Logo. Das Herrenshirt ist aus Biobaumwolle! Und ihr könnt sie erstehen, wenn ihr noch ein Outfit für den Abend braucht. 

Wer im übrigen Österreicher jubeln hören will und hüpfen und ausflippen, die ganze Palette halt ... der muss Skifahren schauen!
;-)




PS: ein Schas ist ein Pups, ein Wind, falls das jemandem nicht geläufig ist.

11 Kommentare

  1. Die Tschesn - da kommen Erinnerungen auf: an die Oma, die im Mai vor 58 Jahren gestorben ist. Aber der Klang ihrer Stimme, ja und das österreichische in ihrer Sprache, hör ich immer noch ( sehr gerne! ) Und die Angewohnheit, größte Freude mit eher abwertenden Formulierungen zu überstehen, ob die wohl auch von ihr ist?
    Da fühl ich mich mal wieder sehr verbunden....
    Herzlichst
    Astrid

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    1. Ich wusste gar nicht, dass du da Wurzeln hast... :-)
      Netter Gedanke!

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  2. sehr treffend erklärt! du schaust direkt in die wiener seele! :-)
    lg kathrin

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    1. hineinschauen und treffend formulieren sind aber zweierlei dinge, die nicht immer zusammengehen. bei dir schon. bussi

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  3. Besser kann mans nicht erklären!!
    Alles Liebe Babsy

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  4. ;-)
    Und ich wusste gar nicht, dass du aus Österreich bist! Dabei hab ich das vor kurzem geträumt - und mich auch im Traum darüber gewundert. Hast du auch einen VW-Bus, ganz bunt und mit vielen Katzen drauf? Ich wollt ihn ja fotografieren (im Traum), aber irgendwie war mir da immer was im Weg ggg

    Liebe Grüße aus dem Süden,
    Babsi

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    1. :-)))
      Nein, leider habe ich keinen kunterbunten VW-Bus, aber er würde mir vermutlich gut stehen!
      Dicke Umarmung liebste Babsi

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  5. Ich glaube mein Mann will so ein T-Shirt. ;-) Unglaublich jetzt liest er deine Blogbeiträge schon vor mir!
    Wie immer hast du mit unglaublich viel Wiener Schmäh den Nagel genau auf den Kopf getroffen.
    liebe Grüße
    Anja
    p.s. Pass nur auf, dass Andi Knoll keine Tantiemen will ;-)

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  6. Hihi ... sehr netter Versuch diesen legendären Ausspruch zu erklären. Und die Idee mit den Shirts ist genial, das richtige accessoire fürs Public Viewing :-)
    Liebe Grüße Steffi

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