Montag, 23. März 2015

Aus dem Leben - David gegen Goliath


Familien sind sonderbare Gebilde, die ihre eigenen Geschichten erzählen. Und zwar diesselbe in, sagen wir mal, Familien-Varianten. Nehmen wir einmal David gegen Goliath.

Die klassische Interpretation wäre wohl diese:
Die Eltern haben die Macht und scheinen unbesiegbar. Die Kids müssen dagegen an. So erklärten sich über Generationen die Kämpfe zwischen denselben. Elvis und die Beatles waren so erfolgreich weil sie dazu dienten die Eltern zu schockieren. Okay, die Musik war auch nicht schlecht ;-) Die Übermacht der Eltern war erdrückend. Goliathisch wenn ihr so wollt. David konnte gar nicht anders.

Heute ist das etwas anders
Heute ist man als Elternteil David, und Goliath wohnt in unseren Kinderzimmern.
Goliath ist 2 Jahre alt, hat blonde Locken und sagt Dinge wie „Ato“, „Kokolade“ und „meins“.
Super! Wo bleibt da die Revolution? Was soll man denn da als Erwachsener sagen? „Wickel dich selber!“?? Ehrlich?
Goliath kommt des nachts ins Elternbett, wacht um 5 Uhr putzmunter auf und ist zu allem Überfluss pfeilschnell. Den Rest möge man sich selber ausmalen. Goliath ist unbesiegbar. David scheint chancenlos.

Das ändert sich mit dem Auftritt eines Geschwisterchens auf der Familien-Bühne.
Die Würfel werden frisch gemischt, die Rollen neu verteilt. Keine Sorge: die Eltern bleiben weiterhin die auf der Looser-Position. David gegen Goliath ist jetzt ein Drama in drei Akten, das im Kinderzimmer gegeben wird. Keineswegs muss dabei der Große Goliath sein und der kleine Windelfaxe David. Nein, das ist total offen.

Die Rollen werden tagesabhängig, spielekausal und situationselastisch verteilt.
Wut, Tränen, Brutalität, Intrige, Krieg und List. Jedes Theater könnte man damit füllen. Die Variationen der klassischen Geschichte, die einem als Elternteil vorgeführt werden, lassen dramaturgisch keinen Wunsch offen.

Diese Verlagerung des Dramas, stärkt erfreulicherweise die Position der Eltern (ja, ich bin da voreingenommen). Zwar ist die Position Goliath noch immer fest in den Händen der Kinder, aber Davids Position ist jetzt durch den ab und dann notwendigen Richterspruch, den er zu leisten hat, in seiner Wertigkeit verändert. Goliath kann nicht anders als dieser Tatsache zumindest etwas Respekt zu zollen. Er hat die Zügel zwar immer noch fest in der Hand, duldet David und den Co-Goliath aber meist friedlich neben sich.

Na, was will man mehr!
Wenn das die alten Griechen wüssten!?!



4 Kommentare

  1. Du hast es wieder wunderbar auf den Punkt gebracht!
    Euch eine wunderschöne Woche!
    LG kristina

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  2. mhm.... den griechen wär's wohl wurscht gewesen, maximal ein gebildeter römer hätte darüber ein wenig darüber sinnieren können, - aber wohl nicht wollen. die juden und ihre geschichten waren denen herzlich egal - zumal sie selbst in der position des übermächtigen goliath waren. erst als david in form der christlichen lehre aufgetaucht ist, kamen die muffensausen.... ;-)

    wenn man die david&goliath geschichte aber in voller konsequenz durchdenkt, sitzt der kleine david letztendlich dann doch am längeren ast. goliath prangt und prunkt mit seiner stärke, ist vorlaut, scheint übermächtig und gibt den ton an (welch genialer vergleich zum häuslichen kinderzimmer!), doch david, der schmächtige, unscheinbare, aber wiffe kleine david geht ganz unspektakulär als gewinner aus der sache hervor.... so gesehen ist es als elternteil doch nicht so schlecht, david zu sein... oder? man muss es nur bis zum schluss durchdenken und sich im kampf gegen goliath immer wieder in erinnerung rufen. dann erscheint auch im heftigsten kampf ein lächeln im gesicht und alles ist nur halb so schlimm... :-)

    busserl, kathrin

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  3. Meine Güte! Unsere heutiges Zähneputzen in der Früh hatte alleine drei Akte!

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Ich freu mich immer narrisch, wenn ihr euch Zeit für einen Kommentar nehmt!

 
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