Montag, 20. Oktober 2014

Aus dem Leben - Die wiedergewonnene Freiheit


Und dann schloss sich die Tür hinter der freundlich lächelnden Lehrerin und die Eltern standen alleine da.
Ohne ihre Kinder.
Ein Haufen Menschen, die sich nicht kennen, einander vermutlich das erste mal im Leben sehen und doch eines gemeinsam haben. Ihr Kind in diesem Klassenraum.

Liebe Eltern, ab hier schaffen wir es alleine. Steht auf dem Schild. Schön. Und was ist jetzt mit den Eltern? Wer kümmert sich jetzt um die? All die Mütter, die jahrelang Popos gewischt und Kinderwagerl geschoben haben. Die Make Up und Hairstyling nur mehr aus Zeitschriften kennen und die Väter, die jetzt Familien-Autos fahren und rosa Schultaschen tragen. Wer kümmert sich eigentlich um die, wenn sie plötzlich für 4 Stunden wieder ein eigenes Leben haben. Einfach so.
Wir schaffen das schon, Mama!

Na super.

Freiheit. Vom eigenen Kind. So sehr wünscht man sich das und wenn sie dann plötzlich da ist, ist hilflos noch ein Hilfsausdruck!

Manch ein Elternteil tut dann gschafftig. „Ich muss jetzt zu einem Meeting!“ oder „Jetzt kann ich endlich in Ruhe den Haushalt machen!“

Aber sind wir uns doch ehrlich. Das sind doch Ablenkungsmanöver! Denn in Wirklichkeit ist man mit der plötzlichen Freiheit überfordert. Jahrelanges 24/7, das bleibt einfach nicht ohne Auswirkungen auf den schöpferischen Umgang mit der eigenen Freizeit!
Die Liste der Dinge, die man so gerne machen möchte ist viel zu lang um sie zufriedenstellend abarbeiten zu können. Zudem ist der meist doch überwältigende Wunsch nach Ruhe und Erholung groß. Aber wie erholt man sich in 4 Stunden von 6 Jahren?
Also wurschteln alle für ein paar Stunden hilflos herum. Ihre Freiheit erdrückend mit all dem, das da erledigt sein will.

Und das ist - jetzt kommt’s - auch okay so.

Wenn man jahrelang Dienst hat, dann braucht man auch mehrere Anläufe bis das mit der erfüllenden Freizeitgestaltung zufriedenstellend klappt. Immerzu hören wir, was wir nicht alles können sollen, wollen müssen und vor allem sofort.

Leute, kommt runter! Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut! Euer Baby hat sich auch 40 Wochen Zeit genommen bevor ihr es in Händen halten konntet! Gut Ding braucht eben Weile! Und das gilt vor allem für Dinge, die unser Wohlbefinden von innen heraus erbauen sollen.

Also geht auf das olle Meeting! Macht den Haushalt in Ruhe! Nach dem 3. oder 4. mal dann, werdet ihr spüren, wie ihr euch mit einer Tasse Kaffee in den Garten setzt und dem Herbstlaub beim Runterfallen zuschaut.
Das ist der Moment an dem ihr anfangt eure lange Liste abzubauen!

Enjoy!





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9 Kommentare

  1. Ja, das mit dem "Zur-Ruhe-kommen" wenn das Kind mal für eine Zeit nicht da ist, dass muss ich auch noch üben. Ich beschäftige mich zwar, aber meine Gedanken kreisen doch immer um eine kleine Person. Allerdings muss ich sagen, dass diese bestimmte Person noch noch nicht einmal zwei ist und die Trennungen wirklich immer nur von kurzer Dauer sind.
    Großartig geschrieben jedenfalls. Ich konnte jedes Wort nachfühlen.

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  2. Oh ja, ich war auch gerade am Listen schreiben. Doch dann habe ich die Liste Liste sein lassen und mir einen Kaffee gemacht und deine Worte gelesen, die wieder einmal so haargenau passen. :-)
    lg
    Anja

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  3. Liebe Susanne,

    sehr schön geschrieben. Und wie WAHR!

    Lieb Grüße
    Sandy

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  4. Du schreibst mir aus der Seele! Geht mir gerade genauso - obwohl die Kinder erst in Kindergarten und -krippe untergebracht sind! Ich geh dann mal Kaffee trinken und einen Punkt auf meiner langen Liste abhaken.. ;)
    Lg Martina

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  5. Hallo Susanne!
    Ich bin schon länger stille Leserin und finde deine Reihe "aus dem Leben" einfach nur super und sehr unterhaltsam und es passt alles auf den Punkt. Bei mir war es beim Großen so wo er in den Kiga gegangen
    ist, ich wusste zuerst gar nichts mit meiner Zeit anzufangen weil ich ständig aufs Handy geguckt habe, vor Sorge. Schauen wir mal wie es nächstes Jahr wird wenn er in die Schule kommt!
    glg Andrea

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  6. ....Danke - werde mir einen Kaffee machen und den Blättern zuschauen....am 3. Tag- ( aber erstmal Haushalt usw..)

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  7. Stimmt, am Anfang wusste ich auch nicht so recht, was ich mit meiner Freiheit anfangen sollte!
    Aber mittlerweile ist diese schon gut ausgefüllt... ;-)

    LG, Claudia

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  8. Du schreibst wunderbar. Genau so ist es. Zwar bei mir schon eine Weile her, aber du hast exakt ins Schwarze getroffen. Meine Große ist jetzt in der 5., meine kleine jetzt in der 1. Und was tu ich?
    Weder Haushalt, noch Meeting. Im Moment geniesse ich meine kleine Freiheit und streife durch die Bloggerwelt. Herrlich. Und die fertige Spülmaschine ist in 5 Minuten immer noch da.
    Also, noch einmal strecken, 1-2 Posts lesen, Tee austrinken und dann ist der Mini-Wellness-Ausflug zu Ende und es geht frisch entspannt in den Vormittag. (Haushalt fürs Gewissen - man hat ja nur noch 3 Stunden... ;)! )

    Liebe Grüße
    Katja

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