Mittwoch, 10. September 2014

Meine Kraft, meine Wahl


Nun verhält es sich ja so, dass ich mittlerweile seit Jahren für meine Kinder Bekleidung nähe und nur mehr wenig zukaufe. Höchstens die Hosen für den kleinen Mister. Irgendwie habe ich einen großen Respekt vor Bubenhosen (dem sollte ich wohl mal tiefenpsychologisch auf den Grund gehen).

Das hat zur Folge, dass ich zum einen gar nicht weiß, was gerade „in“ ist, und zum anderen, dass ich schon lange nicht mehr so richtig für meine Kinder shoppen war.

Jetzt ergab es sich letzte Woche, dass nicht nur das Wetter, sondern auch eine angekündigte Projektwoche des kleinen Misters verlangte, den Hosenbestand zu erneuern. Also bin ich mit den Kindern in die Kinderabteilung eines bekannten Modehauses marschiert. Und dort hat mich dann die Realität mit voller Wucht erschlagen.

1. Die Farben 
In meinem tiefsten Inneren bin ich fest davon überzeugt, dass der Designer von Kindermode in diesem Kaufhaus keine Kinder hat. Denn niemals, ich wiederhole NIEMALS würde sich meine Tochter aus einer Regenbogen-Farbpalette die Farben Cremebeige, Altrosa, Braun und Petrol aussuchen. NIEMALS!
Wer will denn schon mit 7 angezogen sein wie eine Oma? (Anmerkung: Genau genommen, tragen das nicht mal mehr die Omas heute!)
Bei den Buben war immerhin neben dem Beige und dem Petrol ein Blau zu erkennen.
Ach ja, das Petrol im Übrigen war ein kaltes. So die Sorte Farbe eben, die die Winterblässe richtig gut unterstreicht.
Ehrlich Leute!

2. Die Schnitte
Nun, seit einigen Jahren werden wir ja darauf getrimmt, Hosen zu tragen, die immer mehr zur Strumpfhose werden. Das Anziehen, aber vor allem das Ausziehen solcher Hosen ist eine Mühsal. Sogar bei den Kindern, vor allem bei den Mädchen, ist diese Schnittvariante omnipräsent. Wer eine „normale“ Jeans haben will, geht suchen.
Also hat man am Abend immer verdrehte Hosen rumliegen. Es sei denn, man hilft beim Ausziehen. Sogar bei den Buben sind die Hosen jetzt schon so.
Aber der Oberhammer ist ja, dass trotzdem oben im Bund ein Gummi drin ist. Da hat wohl wer nicht mitgedacht. Denn selbst, wenn die Hose oben absteht, KANN sie gar nicht runterrutschen. Man kann allerdings den Unbequemlichkeitsfaktor noch deutlich erhöhen, indem man den Gummi festzieht, so dass die innen liegenden Knöpfe dann schön gegen die Hüftknochen drücken. Denn hüftig sind die Hosen beinahe alle.
Ach ja, Kinder sitzen übrigens viel am Boden rum. Und dabei wäre es durchaus wünschenswert, wenn die Zehen noch durchblutet würden.
Wie gesagt: Ich glaube nicht, dass da jemand Kinder hat!

3. Die Preise
Und ich meine das jetzt im verkehrten Sinn. Hosen um 19€, Jacken um 22€. Dazu ein „Made in Vietnam“. Da krieg ich das Kotzen. Tut mir leid, wenn ich das so niederschreiben muss. Aber um 19€ eine Jeans? Das ist eine Lüge. Und zwar eine, die andere Menschen für mich bezahlen (womöglich sogar mit ihrem Leben). Und ich mag das nicht, wenn man mich belügt.

Ich weiß, wie viel Arbeit in so einem Bekleidungsstück steckt, und ich respektiere die Leute, die diese Stücke herstellen. Und ich will auch, dass diese Menschen mein Geld bekommen und nicht irgendwelche Shareholder an der Börse.

Dieses Erlebnis letzte Woche war ein schlimmes für mich. Ich halte mich nicht für eine Öko-Friedens-Tante, nein, ich bin nicht blind. Und ich weiß, dass an allen Ecken und Enden irgendwo Menschen ausgebeutet werden, damit ich ein iPhone haben oder Essen wegwerfen kann oder 100 Sachen mehr. Das kann ich alleine nicht einfach alles ändern.
Aber ich weiß auch, dass ich der Kunde bin. Dass ich das Geld habe, das diese Firmen von mir wollen. Und ich weiß auch, dass genau darin meine Kraft liegt.

Ich werde mir einen Hosenschnitt suchen für meinen kleinen Mister oder ein Geschäft, von dem ich weiß, dass die Kleidung, die dort geboten wird, zumindest mit weniger Ausbeutung einhergeht.
Ich werde auch weiterhin mir lieber die Farben und Muster von Hamburger Liebe, Jolijou & Co. diktieren lassen. Denn da ist wenigstens Farbe im Spiel.
Und wenn dieser Weg bedeutet, dass meine Kinder nicht 20 Shirts im Kasten haben, sondern nur 8, ist das okay für mich.

Der Tag wird kommen, an dem meine Kinder dann cooles Zeugs und nicht von mir genähtes tragen werden wollen. Aber bis dahin werde ich ihnen eingetrichtert haben, dass sie darauf achten sollen, woher das kommt, wer davon profitiert und auch ob die Qualität stimmt.

Darin liegt meine Kraft!

Und ich weiß, ich bin nicht die einzige.



So, das musste dringend mal raus!

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14 Kommentare

  1. Dein Beitrag ist super, das möchte ich gerne so unterschreiben! Auch wenn es bei mir eher in die Erwachsenen-Klamotten Richtung geht. Primark und co treiben das ganze ja auf immer neue Spitzen :/ Deinen Entschluss mehr selber zu machen finde ich super! Und auch den Wunsch deinen Kids mehr Hintergründe über die Bekleidungsindustrie mitzugeben ist sehr sinnvoll :) Viele Kids wissen einfach gar nicht, wo Hosen&T-Shirts herkommen und das dafür vielleicht sogar andere Kinder arbeiten und leiden müssen :(

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    1. Oh, und uncool sind deine Klamotten finde ich nicht ;D Was später bei modebewussten Teens hilft ist übrigens Mitbestimmung :D Einfach mal aufzeichnen lassen was sie haben wollen, das klappt meiner Erfahrung nach sehr gut :)

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  2. .... Ich unterschreibe ALLES - nur, wie anders machen? Ich weis es echt nicht...außer selbst nähen, was ich nicht kann und auch der Teenie nur wenig wertschätzen würde, weis ich nicht so wirklich woher man "faire" Kleidung bekommt, die man sich als normal verdienender auch leisten kann.

    Mein Weg, mit dem ich mich wohl fühle ist, dass die Garderobe beider Kinder zu 95% aus Second Hand Bekleidung besteht. Nur was ich nicht bekomme oder im 2nd Hand Shop nicht finde kaufe ich neu.
    Schont die Umwelt, den Geldbeutel und auch alle Giftstoffe sind schon draußen - und ich kaufe auch nicht bei eben diesen Ketten...

    Liebe Grüße Catrin

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  3. Sehr treffender Beitrag. Grad auch das mit den Farben: Braun und beige - da würd meine Tochter eher in Unterhose gehen als die zu tragen ;) Und die super-superengen Hosen kann sie auch nicht leiden, sind ja abends kaum runterzukriegen...
    Wobei so ein bißchen gerader Schnitt find ich ja schon ganz schön. Wenn du nen tollen Schnitt für den Sohnemann suchst, schau dir doch den mal an (http://www.titchythreads.com/patterns/small_fry_skinny_jeans_full). Ergibt ne schöne gerade 5pocket jeans...

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  4. Ich glaube, ich muss mal eine Exkursion machen in die Innenstadt zu den einschlägigen Anbietern von Kinderkleidung. Hab wohl nicht mehr den aktuellsten Stand...Mag aber gar nicht, nähen macht mehr Spaß...beschäftige mich heute auch unter anderem Blickwinkel nochmals mit dem Thema, finde deine Position aber auch sehr wichtig.
    Euch alles Liebe!
    Astrid

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  5. ich weiß ja nicht, Petrol finde ich persönlich cool.... aber darum geht's ja jetzt nicht, nicht wahr?! :-) ich kann das voll und ganz unterschreiben, auch wenn ich mit hosennähen immer noch am Kriegsfuß stehe.... und für meine "bitte nicht zu eng" tochter habe ich doch glatt - zwar bei einem riesen aber doch - bitte die EINZIGE!!!!! bootcut-hose für eine 10jährige gefunden! wurde gleich doppelt eingekauft. musste sein. und ich werde mich jetzt mal ebenfalls an die hosenschnitte machen. irgendwo, irgendwie und irgendwann muss das ja funktionieren! !!! :-)
    bravo, susanne!

    lg kathrin

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  6. Also ich weiß nicht, warum ihr so ne Angst gegen Hosen nähen habt. Mein allererstes (!) Kleidungsstück war ne Cordhose für meinen 2-jährigen. Ohne viel Schnickschnack, aber sie hat gepasst und war so wie ich wollte. Nur Mut! Hosen nähen würde ich Anfängern empfehlen ;-)

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  7. Danke für deine Worte! Ich bin da ganz bei dir!
    lg
    Anja

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  8. Sag bloß, warst du bei Za*ra? Da war ich nämlich heute. Hab mir Jeans für mich gekauft, Schnitt wie oben beschrieben, aber trotzdem überraschend bequem, da superstretchig ... und dann musste ich in der Mädchenabteilung sehr lachen, als ich GENAU deine oben beschriebenen Farben entdeckte, Kotzbeige und Altrosa ... irre. (Ich hatte gehofft, dort was für mich zu finden, aber solche Farben trag ich sicher nicht ...)
    Na, wir werden das alles gemeinsam wegnähen! :-)
    Liebe Grüße
    Anneliese

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    1. Ja, genau! Da war ich. Und der Schock sitzt tief!!! :-)
      Das nähe ich mir jetzt weg!!
      guter Ausdruck

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    2. Sie haben jetzt übrigens festliche Sachen (Weihnachten?) in Dunkelblau und gedecktem Rot auch ... nicht, dass das besser wäre. ;-) Meine superstretchigen Jeans haben einen "Destroyed"-Effekt und haben dafür, dass sie schon vorm Kaufen kaputt waren, 10€ mehr gekostet als die nicht kaputten. Meine ganze Familie hat mich soo ausgelacht - ich werd die Riesenlöcher an den Knien wohl zunähen, komme mir eh blöd vor damit.
      Wirklich ein seltsamer Laden. ;-)

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  9. Du bist nicht die Einzige!!!!!!
    Danke für diesen Beitrag - bin ganz deiner Meinung!!
    LG, Claudia

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  10. Das unterschreibe ich unbesehen! Bin ganz Deiner Meinung. Auch bei uns ist es so, dass das Mottenkind (fast) nur Selbstgenähtes trägt... und mal ehrlich ist es nicht viel schöner, den Wunsch nach einem bestimmten Muster oder Motiv erfüllen zu können, ohne sich die Hacken abzulatschen, und womöglich doch nicht das zu finden, was man möchte? Jetzt müssen nur noch der Mottenpapa und ich umstellen auf Selbstgeschneidertes...wobei hier sicher noch ein bisschen mehr Zeit ins Lang gehen wird. Kindersachen nähen sich dann doch irgendwie schneller ;).

    Liebe Grüße
    Sandra

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  11. Ich unterschreibe jedes einzelne Wort! Danke für´s Aufschreiben!
    Liebe Grüße
    Magdalena

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Ich freu mich immer narrisch, wenn ihr euch Zeit für einen Kommentar nehmt!

 
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