Montag, 28. April 2014

Aus dem Leben - Vom Morgen


Der Plan an sich scheint einfach:
Zunächst einmal steht man eine Stunde vor den Kindern auf, geht duschen und zieht sich an. Dann bereitet man das Frühstück vor und weckt die Kinder. Mit der wohlgelaunten Bande wird entspannt im Familienkreis gefrühstückt, anschließend ziehen sich die Kinder an und putzen die Zähne. Am Ende noch kurz die Schultasche kontrollieren und dann Aufbruch.

Die Realität sieht freilich anders aus.
In etwa so:
Die praktische Snooze-Funktion gemeinsam mit einem über Jahre angearbeiteten Schlafdefizit führen dazu, dass die Eltern 40-50 Minuten länger schlafen als vorab geplant. Irgendwann kranen sie sich dann doch auf, schlurfen schlaftrunken auf die Toilette, ins Bad und in die Küche. Geschirrspüler ausräumen und dabei die Nachrichten im Radio hören. So wacht man entspannt auf. Kinder stören dabei.

Kurz bevor knapp, weckt man dann die lieben Kleinen. Die reagieren prompt so gut wie gar nicht. Maximal mit dem klassischen Umdrehen-und-unter-der-Decke-verschwinden. Hat man Glück stehen sie zwar auf, aber nur um sich am Sofa gleich wieder hinzulegen. Was überraschend häufig lautstark und eventuell schmerzbesetzt zu einem Kampf um die Decke führt.
Die Eltern versuchen diese Unstimmigkeit zu lösen indem sie zum Frühstück rufen. Während die Kinder in Superslowmotion (gähnend langsam zu lesen, bitte) essen, kann man unter die Dusche gehen. Steigt man dann aus derselben, sitzt die Truppe im Kinderzimmer und spielt. Man ruft gutgläubig und hoffnungsvoll ein „Anziehen, bitte!“ und erhält als Antwort ein scheinheiliges, selbsticheres „Glei-eich!“ zurück.

In den darauf folgenden Minuten wiederholt sich diese Zuruf-Sequenz sooft, bis es dann schon richtig spät wird und die Eltern den Druck, den die Uhr macht ungefiltert an die Kinder weitergeben. Die Kinder reagieren klassisch in der Druck-erzeugt-nur-Gegendruck - Manier und antworten mit einem Umkleidetempo, indem sie von einem Gletscher prompt überholt werden würden.

Dann müssen alle Kinder gleichzeitig auf die Toilette. Während sich der eine erleichtert, hüpft die andere vor der Tür herum und liefert ordnungsgemäß die dazu passende akustische Untermalung.
Schafft man es, die Kinder anschließend von der Rückkehr zu den Spielsachen abzuhalten und geradlinig ins Bad zum Zähneputzen zu leiten, müssen noch die Fallen "das Öffnen der Zahnpastetube" und der "Kampf ums Waschbecken" sorgsam umschifft werden: Die Schultasche bleibt unkontrolliert, denn eigentlich ist man schon 5 Minuten zu spät.
Spielt unsere Szene im Winter folgt ein nervenzermürbendes Ankleiden. Das Gesündeste für die Eltern ist es, Diesem nicht beizuwohnen.  Denn Stiefel brauchen ihre Zeit, selbst mit Klettverschluss. Mütze, Schal und Handschuhe müssen erst einmal gefunden werden. (Auch wenn es dafür fix vorgesehene Plätze gibt!) Westen und Anoraks wollen zurechtgedreht werden (die Ärmel sind beinahe immer verdreht!). Den Kampf mit den Zipps will ich hier gar nicht erst schildern.
Im Sommer - dem Himmel sei Dank - ist der Aufwand nicht der Rede wert. Alle Eltern lieben diesen Aspekt des Sommers. Ausnahmslos.

Danach steht dem Aufbruch an sich nicht mehr viel im Weg. Schlüssel sollte man tunlichst schon vorher suchen.
Es soll schon vorgekommen sein, dass Mütter im Winter unter der Jeans noch die Pygiamahosen getragen haben. Ungeschminkt und unfrisiert, quasi inkognito, werfen sie die Kinder in der Schule ab. Grüßen einander verstohlen, verstehend und brechen dann wieder nach Hause auf.
Um den Tag zu beginnen!






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32 Kommentare

  1. Guten Morgen, Susanne! Hatte heute wohl kein angesammeltes Schlafdefizit, denn ich bin VOR dem Wecker aufgestanden. Habe aber auch ein Neues Päckchen Sorgen. Das ist auch nicht unbedingt eine Lösung für die von dir so launig beschriebenen Probleme?
    Eine gute Woche!
    Herzlichst
    A.

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    1. Oje, meine Liebe! Ich wünsche dir von Herzen, dass dich diese Sorgen schon morgen nicht mehr wecken! Hier läuft gerade alles sehr gemütlich und rund, aber schon so... 10 Minuten knapp.
      Aber friedlich, ist schon was wert!
      GGLG

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  2. Hab so geschmunzelt!!!
    Ja so isses!
    Bzw. Ich muss sagen: Ja so war's !
    Bei uns ist das "Kind" ja schon flügge geworden. :-)
    Herrlich geschrieben,the real family life...
    LG,
    Monika

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    1. Ja, im Wesentlichen ändert sich da wohl nicht viel über die Jahre! :-)

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  3. Ich hab mich gerade köstlich amüsiert und uns wieder gefunden;-). Toll geschrieben. Lg Verena

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    1. Es ist so beruhigend zu wissen: man ist nicht allein!
      LG

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  4. *ganz breit grins*
    Du erheiterst meinen Morgen!! Danke!! Denn, zu lachen hab ich in der Früh echt noch nix!!
    ...stünd ich eine Stunde vor den Kindern auf, müsst ich um 5 Uhr aufstehen... na sicher nicht!
    Meine Kinder sind ähnlich wie deine... meistens hör ich: "geh weg, ich steh nicht auf und in die sch.... Schule geh ich heut auch nicht." usw.
    Mit viel Geduld (ok, mal mehr, mal weniger) schaff ich es aber täglich, die Kinder aus dem Bett zu befördern - also hauptsächlich das Großkind.
    Dann großes Durchatmen, wenn selbiges pünktlich aus dem Haus geht, um den Schulbus zu erwischen... ;-))

    Der Sommer ist anziehtechnisch auf jeden Fall dem Winter vorzuziehen!!
    Und, die Klettverschlüsse gehen bei uns auch selten von selber zu!

    Genieße den Tag - bis zum nächsten Morgen!! :-))
    LG, claudia


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  5. Haha das kommt mir sooo bekannt vor :-)
    Wir tragen mittlerweile die Kinder ins Bad, wo das aufwachen dann irgendwie leichter geht! Beim Aus/Anziehen helfen wir anfangs, bis sie wach sind und aufs Klo gehen! Frühstücken läuft dann gut, und Zähneputzen haben wir morgens unten aufs Gästeklo verfrachtet :-) spart Zeit und unnötige Umwege in die Zimmer zum Spielen ;-)
    LG
    Vanessa, deren Kinder gerade weg sind, den 2ten Kaffee mit Blogrunde dreht, mit links schreibt, da Nummer 3 noch immer im Arm kuschelt, obwohl es im Bett doch so gut sein könnte...

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    1. Du bist eine Heldin!!!!
      Hol' dir doch den Supermum-Button rechts oben!
      Er gebührt dir!!!!!!
      LG

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  6. Guten Morgen,

    OMG, wo sind die Kameras? Woher weißt Du, wie es bei uns morgen zugeht (allerdings mit zwei KiGa-Kindern und einer 1 1/2jährigen....)??? :-)
    Schön geschrieben!!!

    Liebe Grüße
    Charlotte

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    1. :-)
      Die Kameras sind gut versteckt, aber keine Sorge, ich komme in der Früh wahrlich nicht dazu zu schauen, wie die Dinge bei euch gerade stehen ;-)

      LG

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  7. Das hast du wieder herrlich geschrieben!!
    Wobei, bei uns es zum Glück etwas entspannter abläuft!! Irgendwie schaff ich es immer schon vor den Kindern fertig zu sein,...Und das ist ja schon die halbe Miete! Und im Prinzip müßte ich die Große auch nur vor die Tür schicken, da wir hier einen ganzen Pulk Kinder haben, die alle gemeinsam zur Schule laufen. Das entspannt natürlich auch ungemein... Wobei meist schaff ich es auch mit vor die tür, da der Hund gerne ausgeführt werden möchte, und ich in der Regel die bin, die dem ganzen Pulk sagt, dass sie jetzt auch losgehen müssen.... Die einzigste die immer leiden muß ist unsere Kleine, denn die muß immer mit, sprich auch mit früh aufstehen!!! Und in der Woche würde sie so gerne länger schlafen, nur nicht am Wochenende... Grrr!
    LG Kristina

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    1. Ja, wäre auch einen Post wert... wie die dann am Wochenende plötzlich wach sind....
      :-)

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  8. Ich hab's heute morgen beim Wachwerden im Bad gelesen und sehr gelacht.
    So isses. 5 Tage die Woche :))))

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    1. So isses
      und wie es ausschaut .. beinahe überall!!
      :-)

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  9. Vor den Kindern aufstehen würd ich nie und nimmer schaffen. Mein Großer ist ein Frühaufsteher und schon um 6 putzmunter und ich bin (leider) so gar kein Morgenmensch. Manchmal sind sogar schon alle vor mir auf und ich werde von einem "zarten Stimmchen" geweckt dass mir "ICH WILL MÜSLI-MILCH" ins Ohr (schreit)flüstert :-)
    Den Großen muss ich zum Glück nur aus der Tür schicken, die Schule ist nur 5 Minuten entfernt und im Kindergarten ist es nicht schlimm wenn es auch mal halb neun wird. Ich frühstücke grundsätzlich erst wenn die Bande aus dem Haus ist. Dann ist zwar meist der halbe Vormittag schon um, dafür aber so halbwegs entspannt ;-)
    glg, Carmen

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    1. Du schaffst den Kindergarten bis halbneun?? War für uns undenkbar!
      Tiefbeeindrucktbin*

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    2. Na irgendwann mal will ich ja auch meine Ruhe ;-)
      lg

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  10. Klasse geschrieben :-)
    Und ich bekam schon einen Schreck, dass andere Mütter es tatsächlich schaffen, so diszipliniert früh aufzustehen und den Tag gesittet und geordnet anzufangen *lach*
    Welch Erleichterung, dass das auch bei anderen nur Wunschdenken ist! Meine stehen zwar sofort auf, fallen auf dem Sofa aber wieder in einen Koma-ähnlichen Zustand.
    Deine Gewinnpost ist wieder an mich zurückgekommen, da nicht genug Porto drauf war - dabei habe ich alles von der Post frankieren lassen. Ich schick es in den nächsten Tagen noch mal.
    Liebe Grüße von Petra

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    1. Das Sofa-Koma
      könnte mein Wort sein!!! ;-)

      Ach herrje, du hast ja da aber echt ein Pech mit mir und deinem Gewinn.
      okay
      ich werde mich gaaaanz viel freuen, wenn er dann ankommt!!!!
      LG

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  11. ach, susanne! der gletscher auf überholspur ist mein absolutes highlight... bei uns sitzen sie zumindest angezogen beim frühstück (denn anders war ihnen gar nicht beizukommen, - jetzt zieht immerhin das "argument" - äh die erpressung: ohne kleidung kein frühstück) und selbst wenn bis dahin alles gut läuft, gehts im badezimmer rund. ich werfe hier noch ein drittes kind in den morgendlichen wahnsinn... während die eine ihr hauptaugenmerk ca. 15 minuten lang auf ihre haare richtet (und die zähne vollkommen außer acht lässt - und hofft, mama merkts nicht), geben sich die anderen zwei dem erbaulichen spiel "wir ärgern unseren bruder" spiel hin, das mit gekreische, gerenne (meist lustig, trotz allem aber NERVIG, - da es ca. 5-10 nach 7.30h stattfindet und wir eigentlich um 7.30 die wohnung verlassen sollten) und gegenseitiges kappen-runter-reissen hin. dazu kommt dann das gekeife der großen schwester (wegen der eltern, die sich erdreisten, auf das zähneputzen zu bestehen, oder weil die frisur dann doch nicht so will wie so, oder weil die eltern - mama - darauf besteht, doch eine wärmere jacke anzuziehen, weil es zwar sonnig aussieht, aber doch nur 10 grad hat).
    tja, ich sehe, wir kennen das alle! ein hoch auf uns eltern!

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    1. Styling-Krisen haben wir hier noch keine (also wenn man von MEINEM Look am Morgen mal absieht ;-)

      und ja
      den Gletscher mag ich auch :-)
      LG

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    2. meinen look missachte ich komplett, der wird erst angegangen, wenn ich vom morgendlichen gang zur schule und zum kiga wieder daheim bin... außer natürlich ich muss noch vor den kindern aus dem haus und direkt ins büro.... aber da gibts dann kein frühstück. punkt.
      lol
      lg, kathrin

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  12. Ich dachte beim Lesen nur: Gott sei Dank, woanders ist es genauso! Ich bin oft durchgeschwitzt bis ich die 3 im Kindergarten habe. Dabei kriegen sie nur ne Tasse Milch und mal ein Apfel in die Hand. gefrühstückt wird im Kiga, der leider um 8.30 Bingzeitende hat.... Zur Zeit verschlafen wir auch dauernd, akuter Schafstörungen... Wie oft ich ungeschminkt in der Arbeit saß... Hab nun immer ein Schminktäschchen in der Handtasche.
    LG Eva

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    1. Schminktäschchen hilft!
      Das ist bewiesen!
      :-)

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  13. Ach ja, jetzt weiß ich wieder, wieso ich die Tage an denen ich arbeite so liebe. Denn da schleiche ich mich schon aus dem Haus, wenn alle noch schlafen. :-)))
    lg
    Anja

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    1. ich bevorzuge die Tage, an denen alle draußen sind, bevor ICH aufstehe....
      ;-)

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  14. Herr-Licht! Ich liebe die Montage mit Dir! ;) Liebe Grüße Anja

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